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Volkswagen VW-Tor Ost: Gebäudereiniger demonstrieren für ihre Rechte
Wolfsburg Volkswagen VW-Tor Ost: Gebäudereiniger demonstrieren für ihre Rechte
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17:28 26.09.2019
VW-Tor Ost: Gebäudereiniger demonstrieren für ihre Rechte. Quelle: Boris Baschin
Wendschott

Rund 50 Gebäudereiniger trafen sich am Donnerstagmorgen am Tor-Ost des VW-Werkes zu einem Warnstreik. Zwei Stunden lang protestierten sie gegen die Kündigung des Rahmentarifvertrages durch die Arbeitgeber der Reinigungsbranche. Der Protest richtet sich ausdrücklich nicht gegen Volkswagen, sondern ist Teil einer bundesweiten Aktion im Rahmen der laufenden Tarifverhandlungen. Vertrauensleute der IG Metall, die bei VW beschäftigt sind, solidarisierten sich mit den Streikenden.

Hintergrund des Warnstreiks der Industriegewerkschaft BAU: Kürzlich hat das Bundesarbeitsgericht festgestellt, dass alle Zuschläge grundsätzlich nicht nur für Vollzeitbeschäftigte, sondern auch für Teilzeitmitarbeiter gelten. „Hier geht es um einen Überstundenzuschlag von 25 Prozent des Lohns“, erklärte Eckhard Stormer, Leiter der IG BAU Region Niedersachsen. Als Reaktion auf dieses Urteil hätten die Arbeitgeber „kurzerhand den Rahmentarifvertrag Ende Juli platzen lassen“.

Mitarbeiter werden massiv bedroht

Damit nicht genug: Viele Firmen würden ihre Mitarbeiter massiv unter Druck setzen und bedrohen, damit sie neue Arbeitsverträge unterschreiben – natürlich zu deutlich schlechteren Bedingungen. „Es geht um massive Abstriche bei Lohn und Urlaub“, betont er. Sie würden versuchen, den Lohn zu drücken. „Und das insbesondere bei denen, die ohnehin auf jeden Euro achten müssen: bei Teilzeitkräften und Minijobbern. Von ihnen verlangen die Arbeitgeber, dass sie eine Überstunde nach der anderen machen. Einen Zuschlag von 25 Prozent für diese Mehrarbeit wollen sie aber nicht bezahlen.“ Er finde das „ungeheuerlich“.

Gebäudereiniger setzen ein Zeichen und streiken vor dem VW-Tor Ost in Wolfsburg.

Umso wichtiger sei es, ein Zeichen zu setzen, sagte Dirk Eilert, der Teamleiter Warnstreik in Niedersachsen. „Unter diesen Umständen ist es von allen Beteiligten besonders mutig, am Warnstreik teilzunehmen“, betonte er. Zumal einige unseriöse Firmen ihren Mitarbeitern mit Kündigung gedroht hätten, sollten sie am Warnstreik teilnehmen. „Es geht hier um unsere Demokratie“, hob er hervor. „Jeder Arbeitnehmer hat das Recht zu streiken.“ Mit dem Warnstreik in Wolfsburg – und anderen Städten – wolle man den Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks unter Druck setzen.

Steuern auf einen Arbeitskampf zu

Denn: Am Montag, 30. September, beginne die sechste Verhandlungsrunde. „Sollte auch die ohne Ergebnis bleiben, steuern wir auf einen massiven Arbeitskampf zu“, sagte Eckhard Stoermer. Dabei lobten Stoermer und Eilert die Bedingungen bei VW ausdrücklich: „Hier sind die Gewerkschaften gut vernetzt.“ Und würden sich um ihre Mitglieder und die nicht organisierten Mitarbeiter kümmern.

Eine Reinigungskraft, die anonym bleiben möchte, berichtete der WAZ von ihren Arbeitsbedingungen. „Es ist schon harte körperliche Arbeit, die wir leisten. Fehlen dann wegen Krankheit oder Urlaub Mitarbeiter, machen wir natürlich Überstunden. Die wollen wir dann aber auch vernünftig bezahlt kriegen.“ Was sie schlimm findet: Arbeitgeber würden Mitarbeitern mit Migrationshintergrund neue Verträge zum Unterschreiben vorlegen – „die Kollegen verstehen doch gar nicht, was sie dort unterschreiben.“ Etwa mehr Arbeit für weniger Geld.

Vertrauensleute solidarisieren sich

Der Leiter der Vertrauensleute, Wolfgang Kuznik, erklärte zum Warnstreik: „Wir Vertrauensleute der IG Metall stehen solidarisch zu den betroffenen Kolleginnen und Kollegen der Reinigungsfirmen. Ein Stundenlohn von 10,56 Euro ist eine Frechheit, der mich an die Zeit der Tagelöhner erinnert. Ich fordere den Vorstand von Volkswagen auf, bei der Auswahl der Reinigungsfirmen darauf zu achten, dass die Beschäftigten dort anständig behandelt und bezahlt werden. Denn auch das ist ein Teil von guter Unternehmenskultur.“

Von Carsten Bischof

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