VW: Neuer Multivan im Test - Bulli als PKW mit Benzin oder Hybrid
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Volkswagen Erste Fahrt im neuen VW-Multivan: Der Bulli ist jetzt ein PKW - klein, aber fein!
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VW: Neuer Multivan im Test - Bulli als PKW mit Benzin oder Hybrid

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17:28 02.11.2021
Technologiesprung: Der neue Multivan von Volkswagen basiert erstmals auf dem MQB-Baukasten.
Technologiesprung: Der neue Multivan von Volkswagen basiert erstmals auf dem MQB-Baukasten. Quelle: Uli Sonntag
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Wörth am Main

Der neue Multivan ist da: Kleiner, leichter, erstmals als Plug-in-Hybrid und nun auf Basis der MQB-Plattform, auf der auch Golf 8, Tiguan und Passat basieren. Volkswagen spricht hier bewusst von einem „People Mover“, denn als Transporter wird es den T7 – wie ihn Kenner in Anlehnung an die Bulli-Historie nennen – nicht mehr geben. Doch was ist dann noch „Multi“ am neuen „Van“? Die neue Plattform bringt Vorteile, aber auch gravierende Nachteile mit sich. Auf der ersten Probefahrt im neuen PKW-Bulli zeigte sich noch Luft nach oben.

Klein, aber fein…

Auf den ersten Blick wirkt der neue Multivan moderner und schicker, aber auch deutlich kleiner als sein Vorgänger T6.1. Der Vorderwagen ist auf Basis der MQB-Plattform deutlich länger geworden, was hintenrum Platz kostet, so dass der neue Multivan doch sehr an den Sharan erinnert. Das hat aber auch Vorteile: Der Multivan ist jetzt rund fünf Zentimeter weniger hoch, so dass er besser in Tiefgaragen passt. 200 Kilogramm weniger Gewicht und ein besserer cw-Wert optimieren zudem den Verbrauch.

Technologiesprung: Der neue Multivan von Volkswagen basiert erstmals auf dem MQB-Baukasten. Quelle: Uli Sonntag

Tatsächlich scheint VW es geschafft zu haben, die gravierendsten Kritikpunkte am Vorgänger auszumerzen: Statt zu groß, zu schwer, zu schwankend ist der neue Multivan nun wesentlich handlicher dank des veränderten Chassis und eines komplett neu entwickelten Fahrwerks. Allerdings kosten diese Veränderungen logischerweise Platz im Innenraum und nicht zuletzt auch Geld: Die Einstiegspreise des neuen Multivan liegen nochmals mindestens 2600 Euro über jenen des ohnehin nicht billigen Vorgängers. Zu haben ist er ab knapp unter 45 000 Euro.

Sprung in eine neue Ära

Mit freischwebendem Digital-Cockpit aus dem Golf 8, Einzelsitzen statt einer zur Liegefläche umbaubaren Sitzbank, serienmäßig zwei Schiebetüren, großem Panorama-Dach, komplett neu entwickeltem Fahrwerk und bis zu 25 Assistenzsystemen aus Passat & Co. hat VW den Sprung in eine neue Ära gewagt. Das volldigitale Cockpit entstammt dem Golf 8 – allerdings auch inklusive der bekannten Softwareprobleme und Kritikpunkte. Die Sprachbedienung funktionierte auf der ersten Testfahrt jedoch einwandfrei, so dass die umständliche Menüführung nicht weiter störte.

Durch Shift-by-Wire-Technologie (digitalem statt mechanischem Schaltvorgang) sowie elektrischer Parkbremse entfallen Mittelkanal und Handbremshebel platzsparend im Durchgang, so dass das digitale Cockpit nun freischwebt und der Mittelgang frei bleibt - zum Beispiel für das neue „Tisch-Tool“: für 690 Euro gibt es einen von ganz vorn bis ganz hinten auf den neuen, verbesserten Schienen verschiebbaren Tisch mit Becherhaltern.

Wieviel „Multi“ ist der neue Van noch?

Die Becherhalter braucht man für Kinder im Fond auch, denn: Die aus den Klapptischchen ausgestanzten Löcher an der Rückenlehne der Vordersitze sind für Kinder nahezu sinnfrei: Die Löcher sind wohl eher für konische Latte-Macchiato-Becher gedacht, Dosen und 0,5-Liter-Flaschen hingegen fallen komplett hindurch.

Aber fangen wir vorne – oder besser gesagt: hinten an. Ganz einfache Frage: Passt ein Kinderwagen in den Kofferraum? Jein. Der reguläre Kofferraum ist gerade mal 33 Zentimeter tief – in der längeren Version („L2“) immerhin 46 Zentimeter – alles deutlich kleiner als beim Vorgänger. Wenn man die Sitze im Fond aber verschiebt, wird es passen. Gleiches gilt für Fahrräder – aber matschige Mountainbikes stehen dann eben auf schönem Teppich statt pflegeleichtem Plastikboden.

Volkswagen Nutzfahrzeuge bringt den vollständig neu konzipierten Multivan auf den Markt. WAZ-Mitarbeiterin Simone Willmann hat den Bulli ausgiebig getestet.

Wirklich praktisch dagegen sind die zwei Schiebetüren und die optionale Easy-Entry-Funktion: Per Fuß-Wischgeste kann man nicht nur die Heckklappe, sondern auch die Seitentüren öffnen, wenn man mal beide Hände voll hat. Auch an eine induktive Handyladeschale und ausreichend USB-C-Buchsen sowie ein Head-Up-Display hat VW gedacht.

Aber Achtung an alle Wochenendausflügler: Statt der zur Liegefläche umbaubaren Sitzbank gibt es nun nur noch sieben Einzelsitze mit dem Tisch-Tool. Somit fehlt eine Schlafmöglichkeit im (Multi-)Van. VW verspricht als Lösung zumindest ein Nachrüst-Camping-Paket für die Zukunft. Für Wohnwagen- oder Bootsbesitzer relevant: Auch Zuladung und Zuglast hat sich durchaus spürbar reduziert.

Blick ins Innere: Statt der zur Liegefläche umbaubaren Sitzbank gibt es nun sieben Einzelsitze mit dem Tisch-Tool. Quelle: ULI_SONNTAG

Überraschung bei den Motoren

Für Fachleute weniger, für die Kundschaft jedoch überraschend: Der neue Multivan ist vorerst nur als Benziner oder mit Plug-in-Hybrid verfügbar. Auch die bisher meistverkaufte Antriebsart beim Vorgänger T6.1, der Diesel, soll erst ab zweitem Quartal 2022 auf den Markt kommen. Als Benzin-Motoren stehen wahlweise ein 1,5-Liter-Motor mit 100 kW (136 PS) oder 2-Liter-Motor mit 150 kW (204 PS) zur Auswahl. Der Plug-in-Hybrid verfügt nur über einen kleinen 1,4-Liter Otto-Motor mit 110 kW (150 PS) zuzüglich einem Elektromotor, der die Leistung auf bis zu 218 PS steigern kann.

Allerdings gibt es mehrere kleine Haken bei dem Plug-in-Hybrid: Die Reichweite beträgt nur „bis zu 50 Kilometer“ – erfüllt also noch nicht mal mehr die ab 1. Februar 2022 geforderten 60 Kilometer zur Förderung von PHEVs. In den Genuss der Förderung kommt der T7 vorerst dennoch über ein Hintertürchen, denn der berechnete CO2-Ausstoß pro Kilometer liegt mit 34 bis 37 Gramm unter der zulässigen Höchstgrenze. Auch gibt es keinen Schnellader für den Plug-in-Hybrid, die Ladung dauert fast fünf Stunden.

Erste Testfahrt bringt gemischte Gefühle

Die neue Sitzposition – gut fünf Zentimeter weniger hoch und viel weiter weg vom Motor – ist gewöhnungsbedürftig. Das neue Fahrwerk des T7 dagegen ist eine Wucht: Absolut handlich, das altbekannte Wanken ist passé. Schon der kleine Benziner macht seine Sache ganz gut, der größere natürlich richtig Spaß.

Der Plug-in-Hybrid dagegen wirkt leider mehr gewollt als gekonnt. Das Downsizing (nur 1,4 Liter Hubraum) führt zu einem geradezu mitleiderregendem Hochdrehen der Drehzahlen, bevor das DSG endlich erlösend hochschaltet – auch im Modus „D“, nicht mal „S“ für Sport, wirkt jedes deutliche Gas-Geben wie ein Kickdown.

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Von Simone Willmann