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Volkswagen US-Justiz ermittelt gegen sechs VW-Manager
Wolfsburg Volkswagen US-Justiz ermittelt gegen sechs VW-Manager
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05:00 13.01.2017
Im Visier der US-Justiz: Der frühere VW-Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer (gr. Bild). Bereits verhaftet wurde VW-Manager Oliver S. (kl. Bild). Quelle: Archiv
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Washington/Wolfsburg

Die Vorwürfe gegen die sechs amtierenden und ehemaligen Führungskräfte lauten auf gemeinschaftlichen Betrug an den USA und den VW-Kunden sowie Verletzung des Luftreinhaltegesetzes. Die sechs Männer sind eher dem mittleren Management oder der zweiten Reihe als der Konzernspitze zuzurechnen:

  • Heinz-Jakob Neußer (56): Er leitete von Juli 2013 bis September 2015 als VW-Markenvorstand die Entwicklungsabteilung von VW-Pkw und war zuvor seit 2011 für die Motorenentwicklung zuständig. Neußer wird in der Anklageschrift eine direkte Verantwortung für die illegale Abschalteinrichtung („defeat device“) zugeschrieben, die die Abgaswerte manipulierte. Zudem soll er die beteiligten Ingenieure ab 2012 dazu angehalten haben, den Betrug weiter zu verschleiern. Neußer wurde im September 2015 suspendiert.
  • Jens H. (50): Er leitete als Neußers Vorgänger von Mai 2007 bis März 2011 die VW-Motorenentwicklung.
  • Richard D. (68): Er arbeitete seit 2003 an leitender Stelle in der Motoren-Entwicklung mit, war zuständig für die Abgasnachbehandlung. Von 2006 bis 2013 leitete D. laut den US-Behörden ein Team von Ingenieuren zur Entwicklung des ersten Dieselmotors, der die neuen, strengeren US-Abgasgrenzwerte einhalten sollte.
  • Bernd G. (69): Der Krisenmanager und „Feuerwehrmann“ arbeitete von 2007 bis Oktober 2010 für VW als Verantwortlicher für Qualitätsmanagement und war Chef des Ausschusses für Produkt-Sicherheit (APS).
  • Jürgen P. (59): Er war von  1990 bis heute bei VW für Qualitätsmanagement und Produktsicherheit zuständig, außerdem für den Kontakt mit den US-Behörden.

Ob sich diese fünft VW-Manager jemals vor einem US-Gericht verantworten müssen, ist unklar.  Deutschland liefert in der Regel Staatsbürger nicht an ausländische Gerichtsbarkeiten aus.

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VW-Manager bleibt weiter in Haft

Anders sieht es bei Oliver S. (48) aus: Er leitete von 2012 bis Februar 2015 das Umwelt- und Ingenieurbüro von VW in Auburn Hills, Michigan, bevor er in die Wolfsburger Zentrale zurückkehrte. Hier arbeitete S. bis September 2015 in der Entwicklungsabteilung direkt unter Neußer. Konkret soll Oliver S., als US-Behörden VW bereits auf die Schliche gekommen waren, versucht haben, die Manipulation zu vertuschen und die Ermittler in die Irre zu führen. Oliver S. war am Samstag in Florida von Beamten der US-Bundespolizei FBI festgenommen worden.

Nach einer Anhörung vor einem US-Bundesgericht in Miami im Bundesstaat Florida am Donnerstag Nachmittag (Ortszeit) lehnte der Richter eine Freilassung des Deutschen auf Kaution ab.

Der Richter begründete seine Entscheidung mit einer drohenden Fluchtgefahr aufgrund der Schwere der Vorwürfe. Der Anwalt des 48-Jährigen erklärte nach der Anhörung, er werde nun die Freilassung seines Mandanten vor einem Gericht in Detroit beantragen, wo der Fall verhandelt werden soll.

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