Tausende Jobs bei VW-Tochter in Gefahr: MAN kündigt Beschäftigungssicherung
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Tausende Jobs bei VW-Tochter in Gefahr: MAN kündigt Beschäftigungssicherung

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12:44 29.09.2020
MAN-Beschäftigte protestieren in Nürnberg gegen die geplanten Massenentlassungen: Jetzt hat der Vorstand der VW-Tochter tatsächlich die Beschäftigungssicherung aufgekündigt.
MAN-Beschäftigte protestieren in Nürnberg gegen die geplanten Massenentlassungen: Jetzt hat der Vorstand der VW-Tochter tatsächlich die Beschäftigungssicherung aufgekündigt. Quelle: dpa
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München/Wolfsburg

Es hatte sich bereits angekündigt: VW-Tochter MAN hat die für die deutschen und österreichischen Standorte bis 2030 geltenden Beschäftigungssicherungs- und Standortverträge aufgekündigt. Damit werden betriebsbedingte Kündigungen flächendeckend ab Oktober 2021 möglich. Der Nutzfahrzeughersteller MAN befindet sich in einer wirtschaftlichen Krise, vor kurzem wurde bekannt, dass der neue Vorstand plant, 9500 Arbeitsplätze zu streiche und Standorte in Deutschland und Österreich zu schließen. Auch das Komponentenwerk in Salzgitter ist ernsthaft gefährdet. Die Produktion soll ins polnische Krakau ausgelagert werden. Damit wären über 1000 Jobs in der Region in Gefahr. Der Betriebsrat übt scharfe Kritik an den Plänen und kündigt einen harten Kampf an.

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Das Unternehmen sehe sich aus wirtschaftlichen Gründen zu den Kündigungen der Verträge gezwungen, heißt es in einer MAN-Mitteilung. Ohne nötige Einschnitte sei das Unternehmen nicht in der Lage, in Zukunftsthemen wie CO2-Neutralität, Digitalisierung und Automatisierung zu investieren. Zur Umsetzung der Transformationspläne habe die Unternehmensführung der Arbeitnehmerseite vertrauensvolle Gespräche angeboten, um die Zukunft des Unternehmens gemeinsam zu planen. Diese Gespräche sollen jetzt in Kürze beginnen.

Sollten sich Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite bis Jahresende auf ein gemeinsames Programm zur Neuausrichtung von MAN einigen, könnten abhängig vom Verhandlungsergebnis die Sicherungsverträge ganz oder teilweise wieder in Kraft gesetzt werden, heißt es weiter. Das Unternehmen zeigte sich zuversichtlich, dass es zu einer Einigung kommen werde. MAN-Personalvorstand Martin Rabe sagte: „MAN steht vor herausfordernden Zeiten. Der gesamte Vorstand ist sich sicher, dass sich beide Seiten dieser Verantwortung bewusst sind und wir sehr zeitnah zu konstruktiven und zielgerichteten Verhandlungen kommen können.“

Betriebsrat sieht Bruch mit der Unternehmenskultur bei Volkswagen

Ob diese Zuversicht angebracht ist, scheint indes fraglich. Die Kündigung der Verträge hat die Fronten zwischen Management und Belegschaft jedenfalls weiter verhärtet. Der Konzernbetriebsrat bei Volkswagen kritisierte die Maßnahme scharf. „Das Aufkündigen der Beschäftigungssicherung ist ein Bruch mit der Kultur in unserem Unternehmen. Es handelt sich hierbei um einen Angriff auf die gesamte Volkswagen-Familie. Eine solche Vorgehensweise wird nicht ansatzweise zum Erfolg führen. Daher werden wir im Laufe der Verhandlungen dafür sorgen, dass die umfangreiche Beschäftigungssicherung wieder in Kraft tritt“, sagte der Konzernbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh am Dienstag in Wolfsburg.

Er betonte, dass der MAN-Vorstand vor diesem Schritt keine ausreichenden Bemühungen unternommen habe, Alternativen zu seinem Streichprogramm zu sondieren. Dabei habe der MAN-Konzernbetriebsrat längst entsprechende Pläne ausgearbeitet.

Osterloh: Krise bei MAN ist Schuld des Managements

Osterloh erklärte weiter: „Das Management im Volkswagen-Konzern war schon immer gut beraten damit, Restrukturierungen nicht mit dem Schreckgespenst der Arbeitslosigkeit zu verbinden. Stattdessen hat es sich stets als Erfolgskonzept erwiesen, gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern nach kreativen Wegen zu suchen, um mit sozialverträglichen Lösungen und neuen Beschäftigungsperspektiven aus Krisen herauszukommen. Bei der MAN erleben wir aktuell eine Abkehr von diesem erprobten Konsens. Das versetzt uns in höchste Alarmbereitschaft.“

Die Krise bei MAN sei auf Managementversäumnisse zurückzuführen. Es könne deshalb nicht sein, dass die MAN-Belegschaft die Last des Umbaus einseitig schultern müsse. „Das kann nur gemeinsam gelingen. Und in diesem Geist müssen jetzt die Gespräche anlaufen“, sagte Osterloh. Eigentlich habe die Arbeitnehmerseite kein Interesse an einer Eskalation und suche deswegen den Konsens am Verhandlungstisch. Man lasse sich von der Aufkündigung der Verträge aber nicht erpressen, sagte Osterloh und kündigte an, das weitere Vorgehen eng mit Konzernpersonalvorstand Gunnar Kilian abzustimmen, in dessen Zuständigkeit die MAN seit wenigen Wochen fällt.

Von Steffen Schmidt