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Volkswagen „Schwer in Worte zu fassen“: Azubis berichten von Erlebnissen in Auschwitz
Wolfsburg Volkswagen „Schwer in Worte zu fassen“: Azubis berichten von Erlebnissen in Auschwitz
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18:18 05.11.2019
Empfang im Rathaus: Oberbürgermeister Klaus Mohrs begrüßt die VW-Azubis. Quelle: Roland Hermstein
Wolfsburg

Man merkt es den rund 30 jungen Menschen aus Deutschland und Polen, die dort im Wolfsburger Rathaus sitzen, an: Dieses Erlebnis hat sie ein Stück weit verändert. Gut zwei Wochen lang hatten die VW-Azubis aus den beiden Ländern gemeinsam in Auschwitz gearbeitet, geschwitzt, gelernt, erlebt, gelacht und auch geweint, um die Gedenkstätte und die unfassbaren Gräueltaten, für die dieser Ort längst zum Synonym und Symbol geworden ist, vorm Verfallen und Vergessen zu bewahren. Am Dienstag nun wurden die Teilnehmer des mittlerweile 30 Jahre alten Gemeinschaftsprojekts von VW-Konzern und Internationalem Auschwitz Komitee von Oberbürgermeister Klaus Mohrs sowie einigen Vertretern aus dem Stadtrat im Rathaus empfangen und begrüßt.

„Nur schwer in Worte zu fassen“

Gelegenheit für die jungen Menschen, das Erlebte Revue passieren zu lassen und zu teilen. Und das taten sie mit sehr persönlichen berührenden Worten. Es sei ein sehr „bewegende, einmalige Erfahrung“ gewesen, sagte etwa die Emdener Auszubildende Melissa. „Was wir erlebt haben und was das mit uns gemacht hat, ist nur schwer in Worte zu fassen“, berichtete sie. Man habe das Gefühl gehabt, die schreckliche Geschichte des Ortes nachfühlen, die schrecklichen Schicksale der Menschen in dem Konzentrationslager nachfühlen zu können. „Eine Führung allein, könnte das niemals so rüberbringen“, dankte sie Volkswagen für diese Gelegenheit.

Ein Erlebnis, das nachwirkt

Auch hinterher habe sie noch viel darüber nachgedacht. Bei der Verarbeitung habe das Gruppenerlebnis sehr geholfen. „Wir haben uns super verstanden und waren eine sehr ehrliche Gruppe. Wir konnten über alles reden – egal ob aus Polen oder Deutschland“, erzählte Melissa sichtlich gerührt.

Volkswagen und die Gedenkstättenarbeit

Seit mittlerweile über 30 Jahren fördert der Volkswagen Konzern in Kooperation mit dem Internationalen Auschwitz Komitee die Gedenkstättenarbeit. Regelmäßig helfen Auszubildende, die KZ-Gedenkstätten Auschwitz und Auschwitz-Birkenau als Erinnerungsorte zu erhalten. Die Gedenkstättenarbeit und die Jugendbegegnungen in Oswiecim (deutsch: Auschwitz) sind ein gemeinsames Projekt des Internationalen Auschwitz Komitees und des Volkswagen Konzerns.

Das Internationale Auschwitz Komitee (IAK) wurde 1952 von Überlebenden gegründet, damit Auschwitz nicht vergessen wird. Im IAK sind Organisationen, Stiftungen und Holocaust-Überlebende aus 19 Ländern vereinigt. Das IAK informiert auf Deutsch, Englisch, Französisch und Polnisch auf www.auschwitz.info.

In den vergangenen 30 Jahren haben sich mehr als 3000 polnische und deutsche Jugendliche, Berufsschüler aus Polen sowie Auszubildende aus dem Volkswagen Konzern, an den Jugendbegegnungen beteiligt. Ziel des Programms ist die Sensibilisierung für die historische und gegenwärtige Verantwortung von Volkswagen, resultierend aus der Rolle während der Zeit des Nationalsozialismus.

Seit 2008 gibt es zudem ein Führungskräfte-Programm, an dem bislang rund 450 Meisterinnen und Meister sowie Managerinnen und Manager teilgenommen haben. Zur Agenda gehören Treffen mit Zeitzeugen und Überlebenden des Holocaust. Das Internationale Auschwitz Komitees begleitet diese Begegnungen und Studienaufenthalte. Sie sind fester Bestandteil der Erinnerungskultur bei Volkswagen.

Wichtiger denn je

Gerührt von den persönlichen Worten der Auszubildenden zeigte sich auch Christoph Görtz, Leiter der Volkswagen-Akademie und Berufsausbildung: „Diese Worte zeigen, wie wichtig dieses Projekt ist. Ich freue mich sehr, das mitzuerleben.“ Gerade in der heutigen Zeit, in der Fremdenhass und Antisemitismus in Deutschland und überall auf der Welt wieder erstarken würden, sei die Gedenkstättenarbeit eine enorm wichtige Aufgabe, um die Erinnerung an das unvorstellbare Grauen für die kommenden Generationen wachzuhalten, betonte Klaus-Jürgen Herzberg von der IG Metall.

Erfahrung und Auftrag zugleich

Bei der Erinnerung an ihre eigenen Erlebnisse im Rahmen der Gedenkstättenarbeit kamen Ylenia Pisu, stellvertretende Vorsitzende der Volkswagen Jugendvertretung, sogar Tränen. „Ihr habt ein großes Geschenk bekommen, jetzt ist es eure Aufgabe, Fremdenhass und Diskriminierung, wo immer ihr darauf stoßt, entschieden entgegenzutreten“, forderte sie die Auszubildenden auf.

Von Steffen Schmidt

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