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Volkswagen Warum VW so cool auf den Klimaprotest reagiert
Wolfsburg Volkswagen Warum VW so cool auf den Klimaprotest reagiert
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19:48 14.08.2019
Die Umweltaktivisten hatten den Globus im Eingangsbereich der VW-Autostadt erobert. Quelle: Imago-images

Herr Riepe, Klimaaktivisten haben einen Autozug gestoppt und das Foyer der Autostadt besetzt. Haben Sie damit gerechnet, dass so etwas passieren wird?

Ich kann nur für die Autostadt sprechen. Eine derartige Demonstration hatten wir in der Autostadt noch nie, aber wir haben schon damit gerechnet, dass so etwas passieren könnte – gerade auch, weil wir in der Vergangenheit den Dialog mit Aktivisten durchaus gesucht hatten. Unsere Grundhaltung ist: Sicherheit steht an erster Stelle, und wir bieten den Dialog an. Wir haben nun nichts anderes gemacht, als das umzusetzen.

Sie haben schon ein bisschen mehr gemacht, als nur den Dialog anzubieten. Sie haben den Klimaaktivisten auch vegane Speisen und Säfte in Glasflaschen angeboten. Solch ein Entgegenkommen ist ja eher ungewöhnlich.

Aus anderen Aktionen – etwa von Greenpeace – haben wir gelernt, dass Deeskalation das beste Mittel ist. Es ist wichtig, sachlich zu bleiben.

Haben Sie externe Kommunikationsberater, die in solch einem Krisenfall helfen?

Nein, das haben wir komplett selbst gemacht. Man kann sich ohnehin nicht auf alle möglichen Situationen vorbereiten. Klar ist nur, dass die Grundhaltung eines wertschätzenden Miteinanders in jedem Fall wichtig ist.

„Das haben wir noch nie erlebt“: Tobias Riepe, Pressesprecher der Autostadt Quelle: Marek Kruszewski

Wird der Konzern jetzt Anzeige gegen die Klimaaktivisten erstatten?

Die Aktion in der Autostadt ist beendet, und wir werden keine Anzeige erstatten.

Was ist mit den Kosten? Wollen Sie die jemandem in Rechnung stellen?

Nein. Die Aktivisten haben drei Plakate in unserem Globus aufgehängt. Zwei haben sie mitgenommen, das dritte hängen wir jetzt ab und werden es in das Fundbüro der Autostadt geben.

In der Berichterstattung über die Aktion der Klimaschützer steht Volkswagen jetzt sehr gut da. Sie konnten darstellen, dass der Konzern im Dialog mit Klimaschützern ist, dass Volkswagen das Thema ernst nimmt und immerhin 30 Milliarden Euro für den Umstieg auf Elektromobilität ausgibt. Das war ja fast kostenlose Werbung für VW.

Wir konnten noch einmal inhaltlich erläutern, dass Klimaschutz und Dekarbonisierung wesentliche Bestandteile der Strategie des Volkswagen-Konzerns sind. Das sind Fakten, es handelt sich hier nicht um Werbung.

Sie haben es hier mit einem schwierigen Gegner zu tun. Die Aktivisten von Extinction Rebellion setzen sich für Klimaschutz ein und vertreten die Interessen der Allgemeinheit. Sie dagegen vertreten nur die Interessen des Konzerns. Wie verhält man sich da – auch in Zukunft?

Die Aktivisten haben kein demokratisches Mandat, es sind Interessenvertreter. Mit anderen Interessenvertretern, die sich auch für Klimaschutz einsetzen, stehen wir in einem engen Dialog. Und den werden wir auch fortsetzen.

Demonstranten verlassen Autostadt

Am Mittwochmittag war alles vorbei: Auch die kleine Gruppe von Umweltaktivisten, die im Foyer der VW-Autostadt in Wolfsburg ihre Protestplakate entrollt hatten und in die dort an der Decke aufgehängte Globusskulptur geklettert waren, haben um die Mittagszeit ihre am Dienstag begonnene Protestaktion gegen die Autoindustrie beendet. Sie hatten im Eingangsbereich der Autostadt auch übernachtet.

Bereits in der Nacht zu Mittwoch hatte die Polizei die Demonstration mit gut 30 Teilnehmern aufgelöst, die am Dienstag ein Bahngleis in der Nähe des Volkswagen-Werks blockiert hatten, indem sich Aktivisten an die Gleise ketteten und sich über dem Mittellandkanal abseilten. Nach Polizeiangaben verlief der Einsatz friedlich. Wie ein Polizeisprecher gestern sagte, wurden die letzten Aktivisten gegen Mitternacht von den Gleisen geholt. Gegen sie wurden Ermittlungsverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr eingeleitet.

Die Aktivisten protestierten nach Angaben eines Teilnehmers gegen die Autoindustrie, die maßgeblich verantwortlich für die Klimakrise sei. Mit der Aktion habe man die Produktion bei Volkswagen verzögern wollen. Nach Angaben des Unternehmens hatte die Blockade aber keine Folgen für Produktion und Auslieferung.

Zur Person

Tobias Riepe, 46 Jahre alt, ist seit gut neun Jahren Leiter der Unternehmenskommunikation der Autostadt. Davor war er als Pressesprecher unter anderem für die Bertelsmann AG und AOL tätig. An der Freien Universität Berlin hat er Kommunikationswissenschaften und Betriebswirtschaftslehre studiert.

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Von Ronald Meyer-Arlt

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