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Volkswagen Käfer-Kult: Wie VW-Fans in den USA den „California Look“ erfanden
Wolfsburg Volkswagen Käfer-Kult: Wie VW-Fans in den USA den „California Look“ erfanden
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19:00 07.08.2019
Hello Herbie! Beim Besuch in Wolfsburg macht Ron Fleming eine Probefahrt im berühmten Hollywood-Käfer. Quelle: Volkswagen
Wolfsburg

Eine der ersten Modeerscheinungen in der Käfer-Szene, die weltweit Ihre Anhänger fand, war der so genannte Cal Look. Ron Fleming zählte in den 1960ern zu den Pionieren des „California Look“, des bis heute populärsten Stils innerhalb der Volkswagen-Tuningszene. Jetzt war Fleming erstmals in Wolfsburg zu Gast, der Geburts- und Heimstätte seines Kultobjekts.

Das Rasenmäherauto überholte das vermeintliche Muscle Car

„Die lustigsten Momente hatte ich oft an der Ampel“, sagt Ron Fleming. „Ich in meinem Käferchen neben einem echten Amischlitten, doppelt so groß, dreimal so schwer. Und dann dieser verdatterte Blick in meinem Rückspiegel, wenn die Ampel auf Grün schaltet und mein Rasenmäherauto binnen Sekunden einige Käferlängen zwischen sich und das vermeintliche Muscle Car bringt.“

Hier einige Bilder vom VW Käfer im „Cal Look“:

In den 1960er Jahren entstand in Kalifornien eine besondere Art des Käfer-Tunings. Alle unnötigen Teile wurden ausgebaut, dafür sorgte ein starker Motor für einige Überraschungsmomente. Einer der Pioniere der Tuning-Szene aus Kalifornien war jetzt zu Besuch in Wolfsburg.

Es war im Jahr 1965. Das vermeintliche Rasenmäherauto war ein umgebauter VW Käfer namens Ovali, und Ron Fleming hatte soeben „Der kleiner Panzers“ gegründet (so buchstabierten sie damals tatsächlich), den ersten und bis heute ruhmreichsten Club der so genannten „California Look“-Szene. Der Tuning-Stil, oft auch „Cal Look“ oder „Cal Style” genannt, markierte eine Art Urknall des internationalen Käfer-Kults. Initiiert hat ihn in den frühen 60ern eine kleine Gruppe von Käfer-Aficionados aus dem Orange County nahe Los Angeles, die ihre Käfer in Eigenregie zu wahren Rennmaschinen umbauten.

Billig und robust, klein und cool

Ron Fleming beschreibt das Lebensgefühl der Pionierzeit so: „Wir waren eine bunte Truppe, die Lust auf Tempo hatte, aber auch auf Understatement.“ Anders als die in den 1950ern bei Rennfans populären Hot Rods traf der Käfer genau den Zeitgeist der 1960er. „Der Käfer war billig und robust, klein und cool zugleich“, sagt Fleming. „Eben kein Angeber-Auto, sondern eins für Individualisten.“ Und wie eingangs erwähnt: „Man sorgte für manch heiteren Überraschungsmoment an der Ampel.“

Hier ein Video über Ron Fleming und den „California Look“:

Und nicht zuletzt: auf den Dragstrips. Die zumeist rund 400 Meter langen Kurzrennstrecken, auf denen die schnellsten Beschleuniger der Tuningszene gekürt wurde, erfreuten sich ab den 1950er-Jahren in den USA stetig wachsender Beliebtheit. Käfer waren dort zunächst Exoten, die jedoch aufgrund ihres geringen Gewichts bald ihre Vorteile ausspielten. Mit immer stärkeren Motoren machten die „Cal Look“-Käfer auf dem Drag Strip immer häufiger von sich reden.

Minimales Gewicht bei maximaler Leistung

Was genau den typischen „California Look“ auszeichnet? „Ganz einfach: Alles weglassen, was nicht unbedingt nötig ist. Raus mit Stoßstangen, Rückbänken, Reserverädern, Zierleisten, Stahlfelgen.“ Ein gewisser Purismus also, verbunden mit cleverem Performance-Tuning. Um die Heckmotor-PS des Käfer möglichst effizient umzusetzen, wählten die Cal-Look-Pioniere große Reifen an der Hinter- und kleine an der – überdies tiefergelegten – Vorderachse. Fertig war die „Nose down“-Optik der ersten „Cal Look“-Generation. „Unser Motto lautete: Minimales Gewicht bei maximaler Leistung. Und das mit möglichst viel Stil“, fasst Fleming zusammen. Das Design der frühen California-Looker war überdies geprägt von lackierten Scheinwerferringen und einfarbigen Originallackierungen, Sportlenkrädern und dem exklusiven Fokus auf Typ 1-Motoren.

Stilprägend für das gesamte Autodesign

Heute dürfte die Zahl der aktiven „Car Looker“-Fans weltweit in die Zehntausende gehen, der “Cal Look“ selbst wandelt und ergänzt sich stetig, je nach Dekade und Zeitgeist. Der frühe „Cal Look“ allerdings gilt heute nicht allein als Meilenstein in der Tuning-Szene, sondern wirkte auch stilprägend für das gesamte Autodesign.

E-Autos sollten auch Spaß machen

Wie sieht jemand wie Ron Fleming die Zukunft des Autotunings in der E-Ära? „Ich glaube, Elektromobilität ist ein wichtiger Schritt für Umwelt und Wirtschaft. Soweit ich sehe, sind Autos wie der ID.3 oder der ID. Buzz schnell, smart und nachhaltig. Aber ich will ehrlich sein: Ich liebe das Geräusch echter Verbrennermotoren. Hoffentlich werden E-Autos bald einen ähnlich starken Lifestyle kultivieren. Indem sie nicht nur sauber sind, sondern auch sportlich. Indem sie nicht nur intelligent sind, sondern auch Spaß machen. Dann haben wir alten Cal-Looker überhaupt nichts dagegen.“

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