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Volkswagen Grünen-Chef kritisiert Elektro-Strategie von VW
Wolfsburg Volkswagen Grünen-Chef kritisiert Elektro-Strategie von VW
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12:46 07.05.2019
Streitgespräch: VW-Chef Herbert Diess (l.) und Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Grünen. Quelle: Volkswagen
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Berlin

Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck hat die Strategie von Volkswagen-Chef Herbert Diess kritisiert, zunächst Autos der Premiumklasse mit E-Antrieb auszurüsten. Die Zahl der Kunden, die sich ein Auto um 100.000 Euro leisten könnten, sei begrenzt, sagte Habeck der „Welt“ in einem Doppelinterview mit VW-Chef Diess. „Wenn Sie 2025 kein E-Mobil für unter 20.000 Euro anbieten, dann werden Sie – so fürchte ich – im Markt scheitern.“ Dann müsse sich VW konzentrieren auf Porsches und SUVs und sei nicht mehr Volkswagen. „Dann bieten Sie nur noch Premiumwagen an und müssten sich in PW umbenennen“, sagte der Grünen-Politiker.

VW elektrisiert zunächst Top-Modelle

Diess hatte die Konzernstrategie nach Angaben des Blattes so beschrieben: „Wir machen als erstes den Audi e-tron elektrisch, dann kommt der Porsche Taycan, also Autos im Preissegment 80, 90, 100.000 Euro, die zusätzliche Kosten durch die teurere Batterie gut verkraften.“ Damit – und vor allem mit Plug-in-Hybriden – werde VW die von der EU vorgegebenen Flottenziele für die CO2-Emission pro Kilometer erfüllen. „Das bedeutet unterm Strich, dass die CO2-Vorgaben und die Flottenziele zunächst einmal nicht dazu führen, dass die Autos kleiner werden“, sagte Diess dem Blatt.

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Diess regt Förderung kleiner E-Autos an

Im nächsten Jahr komme dann der Volkswagen ID in der Größe des Golf. „Das ist unser Kernsegment, und da werden wir ein sehr attraktives Elektrofahrzeug anbieten, beginnend bei unter 30.000 Euro“, sagte Diess. So viel koste ein „gut ausgestatteter Golf Diesel“ heute auch. Um E-Mobilität auch im unteren Preissegment erschwinglich zu machen, appellierte Diess an die Politik, zu „überlegen, wie man kleine Autos fördern kann, weil das ökologisch der richtige Weg wäre.“

VW will Elektroautos für unter 30.000 Euro anbieten

Der VW-Generalbevollmächtigte für Außenbeziehungen, Thomas Steg, kündigte in der „Welt“ an, dass sich Volkswagen bei der Umstellung auf E-Autos an die Spitze der Branche setzen wolle. „Ich gebe hiermit das Versprechen ab, dass wir die Elektromobilität gewissermaßen demokratisieren werden. Volkswagen wird Elektroautos für unter 30.000 Euro und weniger anbieten“, sagte er: „Damit wird Elektromobilität für den größten Teil der Menschen erschwinglich.“

VW weist Forderung nach Verbot für Verbrennungsmotoren zurück

Zugleich wies VW Forderungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) nach einem Verbot von Verbrennungsmotoren in Deutschland ab 2025 zurück. „Das ist utopisch und politisch sicher nicht mehrheitsfähig“, sagte Steg. DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch hatte dem Blatt gesagt: „Die Autobauer tun so, als könnten wir in unserem deutsch-gallischen Dieseldorf einfach so weitermachen. Können wir aber nicht.“

Grünen-Chef: Steuer-Subventionen für Diesel und Dienstwagen abbauen

Grünen-Chef Robert Habeck bekräftigte außerdem die Forderung seiner Partei, Dieselkraftstoff und alle Dienstwagen mit Verbrennungsmotor auf Dauer nicht länger steuerlich zu begünstigen. „Die steuerlichen Subventionen für Diesel und für Dienstwagen müssen in den nächsten Jahren rigoros ökologisch umstrukturiert werden“, sagte er der „Welt“. „Absehbar sollte das Dienstwagenprivileg nur noch für emissionsfreie Fahrzeuge gelten. Dies setze einen starken Anreiz, die Fahrzeugflotte ökologisch umzurüsten, und würde die Konzerne ermutigen, den Weg zu einer emissionsfreien Mobilität zu gehen.

Diesel wird geringer besteuert als Benzin

Von den Neuzulassungen werden mehr als 60 Prozent auf gewerbliche Halter zugelassen, ein Teil dient als Dienstwagen. Die niedrige pauschale Besteuerung von Dienstwagen ist ein Anreiz für Arbeitgeber, einen Teil des Gehalts in dieser Form „auszuzahlen“. Diesel wird geringer besteuert als Benzin. Die Begünstigung ergibt einen jährlichen Steuerausfall von gut sieben Milliarden Euro.

VW-Chef verteidigt Dienstwagenförderung

VW-Chef Diess betonte hingegen, wie sehr die steuerliche Förderung von Dienstwagen der deutschen Autoindustrie nütze. Sie begünstige einen starken Heimatmarkt für die Premiumhersteller, „und darum können sie auch im Export stark sein.“

Im Verkehr sind die klimaschädlichen Treibhausgasemissionen seit 1990 nicht gesunken. Sie sollen aber bis 2030 um 40 bis 42 Prozent sinken. So steht es im Klimaschutzplan, zu dem Union und SPD sich im Koalitionsvertrag bekennen.

Seit Jahresbeginn muss ein Arbeitnehmer, der sein E-Auto auch als Dienstwagen nutzt, nur einen reduzierten Satz von 0,5 Prozent des inländischen Listenpreises als geldwerten Vorteil versteuern. Bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor sind es 1,0 Prozent. Die Regelung ist bisher auf drei Jahre befristet.

Die Pläne von VW zur Elektromobilität

Volkswagen setzt voll auf die Elektromobilität und investiert viele Milliarden Euro. Weiterführende Links zum Thema:

– 17.03.2019 – VW-Chef Diess: Elektroantrieb hat Schlüsselrolle bei Klimawandel

– 12.03.2019 – Pläne: Volkswagen will in zehn Jahren 22 Millionen E-Autos bauen

– 12.03.2019 – Kommentar: VW setzt auf E-Mobilität – und muss diesmal glaubwürdig liefern

– 04.03.2019 – Elektromobilität: VW öffnet E-Baukasten auch für andere Hersteller

– 15.02.2019 – E-Mobilität: VW verlangt Unterstützung der Politik

– 13.02.2019 – Aus der Krise: VW investiert in neue E-Modelle

– 16.11.2018 – Aufsichtsratssitzung: VW investiert 44 Milliarden Euro in E-Autos und Digitales

– 14.11.2018 – Elektro-Offensive: VW will E-Autos auch in Emden und Hannover bauen

– 16.10.2018 – VW-Chef warnt: Deutscher Strommix schlecht für E-Mobilität

Von dpa/htz