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Volkswagen Das sind Osterlohs Forderungen an den VW-Vorstand
Wolfsburg Volkswagen Das sind Osterlohs Forderungen an den VW-Vorstand
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13:23 20.03.2019
Die Produktion bei Volkswagen: Betriebsratschef Bernd Osterloh stellt Bedingen zur Beschäftigungssicherung. Quelle: Boris Baschin/dpa
Wolfsburg

Klare Worte von Bernd Osterloh bei der Betriebsversammlung am heutigen Mittwoch im Volkswagenwerk: Der VW-Betriebsratschef hat – wie zuvor schon angekündigt – der Unternehmensseite Bedingungen gestellt, um mit der Belegschaft an der Transformation des Unternehmens zu arbeiten. Unter anderem forderte er für die Kernmarke VW zehn Jahre Beschäftigungssicherung bis Ende 2028.

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Der Vorstand müsse seine Hausaufgaben machen

Osterloh wandte sich gegen vom Unternehmen ausgerufene pauschale Abbauziel von bis zu 7000 Arbeitsplätzen. Der Zahl fehle jede Grundlage, so Osterloh. Unter den geeigneten Voraussetzungen und vor allem in der richtigen Reihenfolge sei der Betriebsrat wie schon in der Vergangenheit bereit, Wege zu verhandeln. Für eine digitale Transformation müsse der Vorstand aber zunächst seine eigenen Hausaufgaben machen.

Probleme bei WLTP und gebrochene Zusagen

Er zählte Probleme auf, die aus seiner Sicht dem Management zuzuschreiben sind: Probleme beim WLTP-Abgastest, eine riskante Einkaufsstrategie, erhebliche Verzögerungen in zentralen Fahrzeugprojekten und gebrochene Zusagen aus der erst kürzlich verabschiedeten Planungsrunde.

Osterloh sagte vor rund 20.000 Kolleginnen und Kollegen in und vor der Halle 11: „Bevor all diese Fragen nicht beantwortet und mit klaren Vereinbarungen versehen sind, wie wir diese Fehler beheben, werden hier keinerlei Gespräche zu weiteren Effizienzsteigerungen stattfinden.“ Osterloh verwies in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf die Mobilisierungsfähigkeit der IG Metall und auf eine äußerst angespannte Stimmung der Belegschaft.

Angleichung der Beschäftigungssicherung

Der Betriebsratsvorsitzende forderte zudem eine Angleichung der Beschäftigungssicherungen. Diese Garantien variieren derzeit je nach VW-Standort und reichen entweder bis Ende 2025 oder bis Ende 2028. „Ende 2028 muss für alle VW-Standorte in Deutschland gelten“, sagte Osterloh.

In Richtung des Vorstands sagte Osterloh: „Wir sind bereit, auch diesen Wandel entlang der demographischen Linie mit Ihnen zu gestalten. Wir haben überhaupt nichts dagegen, dass wir die einmalige Chance nutzen, die Volkswagen durch die jetzt kommenden geburtenstarken Jahrgänge hat. Um uns herum entlassen viele andere Unternehmen Menschen, um diesen Umbruch zu verkraften. Bei Volkswagen können wir das aufgrund des Wandels sozialverträglich gestalten.“

Altersteilzeit für alle Beschäftigte

Er forderte die rasche Öffnung der Jahrgänge 1962 bis 1964 für die Altersteilzeit und machte klar: „Wir werden eine Differenzierung der Altersteilzeit zwischen Produktionsbereichen und Büros nicht zulassen. Wenn Sie ernsthaft meinen, wir lassen zu, dass die Kollegen in der Produktion nach hartem Arbeitsleben im Dreischichtbetrieb länger an Bord bleiben als andere Beschäftigtengruppen, dann träumen Sie. Wir lassen die Belegschaft nicht spalten. Wir fordern Altersteilzeit für alle Beschäftigten.“

Aufbau von Zukunftsarbeitsplätzen

Abschließend mahnte Osterloh einen schnelleren Aufbau der Zukunftsarbeitsplätze an – und zwar vorrangig in der VW-Heimat. Die dabei von Unternehmensseite genannten 2000 Beschäftigungsverhältnisse könnten – allein mit Blick auf den Nachholbedarf bei IT-Fachkräften – nur „ein erster Fingerzeig“ sein.

Osterloh: „Unsere Eigenleistung liegt zum Beispiel in der Fahrzeug-IT im Schnitt nur bei unter zehn Prozent.“ Außerdem müsse endlich ein funktionierendes Budget für die Qualifizierung her, um die eigenen Beschäftigten fitzumachen für den Wandel und künftige Aufgaben. Bisher habe die Unternehmensseite praktisch nichts aus dem seit 2017 bereitgestellten 100-Millionen-Euro-Topf abgerufen. „Das ist einfach nur ein Armutszeugnis“, sagte Osterloh.

Von der Redaktion

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