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Velpke/Lehre Wie Familie Schwechheimer einen hunderte Jahre alten Bauernhof gerettet hat
Wolfsburg Velpke/Lehre Wie Familie Schwechheimer einen hunderte Jahre alten Bauernhof gerettet hat
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11:05 12.12.2019
Hochzufrieden: Antonia und Bastian Schwechheimer haben sieben Jahre und viel Geld investiert – bereuen es nicht. Quelle: Roland Hermstein
Wahrstedt

Raus aus dem Neubaugebiet, rein ins Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert: Antonia und Bastian Schwechheimer haben diesen Schritt gewagt und in Wahrstedt ein ganzes Anwesen umgebaut. Sieben Jahre lang haben sie entkernt, neu verputzt und angebaut, bis ein Reittherapiehof und mehrere Wohnungen entstanden waren – nun hat die Samtgemeinde Velpke sie dafür mit einem Preis geehrt.

„Bauen im Bestand“ heißt die Auszeichnung, die die Gemeinde nun zum vierten Mal verliehen hat. „Artgerechtes Umbauen“ nennt Bastian Schwechheimer das, was seine Frau und er in den letzten sieben Jahren geleistet haben.

Bis dahin wohnten die Schwechheimers in einem Einfamilienhaus in Kästorf. „Aber wir hatten keine Lust mehr auf so eng bebaute Wohngebiete“, erklärt der 46-Jährige. Zwei Jahre lang suchte das Ehepaar nach einem neuen Domizil, am liebsten mit Fachwerk, alten Böden, einem Platz fürs Pferd und Ausbaumöglichkeiten, um später auch den Schwiegervater mit beherbergen zu können. „Unsere Suchkriterien spuckten immer wieder den Hof in Wahrstedt aus, aber wir haben ihn weggeklickt“, erzählt Antonia Schwechheimer. „Wir dachten: Wer will denn in Wahrstedt wohnen?“

Rundgang – Die Bilder zeigen den fertigen Hof:

Antonia und Bastian Schwechheimer haben es geschafft. Der alte Bauernhof, den sie in Wahrstedt gekauft haben, ist inzwischen ein wunderbareres Zuhause geworden: für die Familie, die Mieter und sieben Pferde.

Doch als sich nach zwei Jahren nichts anderes gefunden hatte, gaben sie dem riesigen alten Hof eine Chance. Und nach der ersten Besichtigung stand fest: Das wird unserer. „Wir hatten eine Bruchbude erwartet, aber es war alles so hübsch!“, erinnert sich die 41-Jährige.

Gerümpel, feuchte Wände, verwaiste Ställe

Zunächst jedoch standen einige Hürden im Weg. Der Vorbesitzer hatte sein gesamtes Hab und Gut in den Gebäuden gelassen, in der alten Scheune war der Tierurin jahrelanger Landwirtschaft in die Wände gekrochen und die Schweineställe waren längst noch nicht soweit, Pferde aufzunehmen.

Die Schwechheimers krempelten die Ärmel hoch, klopften mit Hammer und Meißel selbst den Putz ab, entkernten das Hauptgebäude und bauten vier Wohnungen in die alte Scheune ein, die nun sogar Balkone hat. Nach nur sechs Wochen zog die Familie in das Haupthaus, die Nebengebäude brauchten noch länger, bis sie fertig wurden. Inzwischen gibt Antonia Schwechheimer hier auch ihre Reittherapiestunden.

Die anderen Wahrstedter packten mit an

„Ohne die Dorfgemeinschaft wäre es nichts geworden“, erklärt Bastian Schwechheimer. „Wir haben so viele nette Leute kennengelernt. Der Eine hat einen kleinen Trecker, der Andere einen Bagger, der Dritte die nötige Ahnung.“ So wurde der Umbau ein richtiges Gruppenprojekt und vermutlich einer der Gründe, warum die Familie so schnell in die Dorfgemeinschaft aufgenommen wurde: Heute ist Bastian Schwechheimer in der Feuerwehr und im Sportverein, Antonia wurde in den Kirchenvorstand gewählt. „Wir wollen hier nie wieder weg“, sind sich die beiden einig.

Der Hof ist mittlerweile ein richtiges Zuhause für das Paar und seine Mieter geworden. Die Neu-Wahrstedter haben noch einen weiteren Pferdestall für die inzwischen fünf eigenen und zwei Einstellpferde gebaut, einen Unterstand für Heu und Stroh, ein Reitzelt und einen Hot Tub, in dem man selbst im Winter draußen gemütlich im warmen Wasser planschen kann, mit Blick auf das stolze alte Anwesen und die Pferdeweide – ein bisschen Luxus darf auch sein.

Bastian Schwechheimer: „Ich hätte geheult“

Auch wenn der Umbau noch mal die mehrfache Kaufsumme gekostet hat, bereuen die beiden ihre Entscheidung nicht. „Ich hätte geheult, wenn der Hof abgerissen worden wäre“, sagt Bastian Schwechheimer. Und das hätte passieren können, denn das Gut stand nicht unter Denkmalschutz.

Und auch andere scheinen sich zu freuen, dass der alte Hof mit seinen Fachwerkgebäuden erhalten geblieben ist. Wer sie für den Preis nominiert hat, wissen die Schwechheimers nicht.

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Von Frederike Müller

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