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Velpke/Lehre Streit zwischen verdi und Logistik-Unternehmen combi
Wolfsburg Velpke/Lehre Streit zwischen verdi und Logistik-Unternehmen combi
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10:04 20.06.2019
Info-Stand vor dem Firmengelände: Die Gewerkschaft ver.di bezog in Flechtorf Stellung. Combi kritisiert das Vorgehen. Quelle: ver.di
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Flechtorf

Die Gewerkschaft ver.di erhebt teilweise schwere Vorwürfe gegen das Logistik-Unternehmen combi. Das Lübecker Unternehmen, das auch einen Sitz in Flechtorf betreibt, weist die Vorwürfe als „haltlos“ zurück und wirft der Gewerkschaft „geschäftsschädigendes Verhalten“ vor.

Combi beschäftige ver.di schon seit einiger Zeit. „Es bleibt nicht verborgen, dass sich das Unternehmen in Flechtorf immer weiter ausbreitet und unsere ver.di-Betriebsräte in den anderen Logistikbetrieben bestätigen uns, dass ihnen Aufträge für Volkswagen verloren gehen und combi diese dann durchführt“, erklärt Sven Paschke von ver.di Wolfsburg.

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Laut ver.di habe Combi weder einen Tarifvertrag noch gebe es einen Betriebsrat. „Auch das Betriebsgelände in Flechtorf wirft Fragen auf, zum Beispiel ob es dort überhaupt die vorgeschriebenen Sozialräume gibt“, so Paschke. Alicja Bartosik von der Beratungsstelle für mobile Beschäftigte ergänzt: „Zum Teil sind die Kollegen zwölf Stunden täglich für Volkswagen im Lkw unterwegs. Dies sind alles Anzeichen für den Verdacht auf prekäre Beschäftigung.“

Combi-Geschäftsführer Thomas Dreyer kritisiert das Vorgehen von ver.di scharf. Die Behauptung der „prekären Arbeitsverhältnisse“ sei völlig haltlos. „Die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen und besonders des Arbeitszeitgesetzes wird bei uns fortlaufend geprüft. Tagtäglich werden wir von Polizei, Zoll und BAG besonders hierauf kontrolliert“, beschreibt der Geschäftsführer. Freiwillig habe das Unternehmen zudem die neuesten Fahrzeuge bereits mit modernen Tachographen aufgerüstet, welche von den Behörden aus der Ferne augelesen werden können, um die Kontrollen zu vereinfachen.

Das Unternehmen habe bereits in der Vergangenheit mit ähnlichen Behauptungen aus anonymer Quelle zu kämpfen gehabt. „Unser Auftraggeber Volkswagen hat uns deshalb genau auf den Vorwurf der Bezahlung unter Mindestlohnniveau geprüft“, berichtet Dreyer. Gleiches gelte für den Zoll und die Steuerbehörden. „Bis heute ist nicht ein einziger Hinweis substanziiert worden“, betont Dreyer. Im Gegenteil: Man habe den Lohn im April sogar freiwillig um 10 Prozent erhöht.

Auf dem Firmengelände werden zudem sehr wohl Sozialräume vorgehalten. Das Gelände in Flechtorf diene aber hauptsächlich als Parkplatz für den Fuhrpark. Für die Fahrer halte man deswegen im Wolfsburger Umland voll ausgestattete Wohnungen vor. Generell könne man sich ein Vorgehen, wie es von ver.di behauptet wird, gar nicht leisten. „So könnten wir auf dem angespannten europäischen Arbeitsmarkt gar keine Kraftfahrer rekrutieren können. Wir müssen uns im Wettbewerb nicht nur im pekuniären Bereich, sondern auch mit dem Arbeitsumfeld abheben“, erklärt Dreyer.

Von Steffen Schmidt