Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Velpke/Lehre Recherche-Erfolg: Hilfe aus Russland
Wolfsburg Velpke/Lehre Recherche-Erfolg: Hilfe aus Russland
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:03 12.05.2020
Recherche-Erfolg: Uwe Otte und sein Neffe (v.l.) mit den fünf Personalkarten vor dem Gedenkstein in Lehre.
Recherche-Erfolg: Uwe Otte und sein Neffe (v.l.) mit den fünf Personalkarten vor dem Gedenkstein in Lehre. Quelle: Fotos (2): Bosenick
Anzeige

Otte arbeitet die Nazi-Vergangenheit in Lehre auf. Im April kam ihm die Idee, sein spärliches Wissen über die russischen Zwangsarbeiter an die russische Botschaft in Berlin zu schicken. Otte war überrascht: „Die Antwort kam schnell.“

Die Botschaft schickte ihm Kopien von fünf Personalkarten – mit Fotos. „Jetzt haben die Menschen ein Gesicht“, freut sich Otte. Außerdem erhebt die Botschaft zurzeit Inventur über die Kriegsgräber in Deutschland – das in Lehre kannte man in Berlin noch gar nicht. Otte und sein Neffe (13) stellen nun im Auftrag der Botschaft alle Infos zusammen und schicken sie nach Berlin.

Seine neuen Informationen will Otte nun in Lehre zugänglich machen, weiß aber noch nicht, wie. Vielleicht mit einer Ausstellung, einer Neuauflage des vergriffenen Geschichts-Buches „Volksgenossen, die Fahnen raus“ von 1990, an dem er mitgeschrieben hat – oder mit einer Präsentation mit einem Vertreter der russischen Botschaft. Otte: „Ich hoffe, dass der Kontakt bestehen bleibt.“

Zwangsarbeiter in der Muna

Uwe Otte hat Fakten über die russischen Zwangsarbeiter in Lehre gesammelt - auch durch Informationen der russischen Botschaft.

  • In Lehre waren rund 250 russische Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter eingesetzt. Sie stellten bis kurz vor Kriegsende in der Muna Munition her.
  • Nach Kriegsende wurden die Zwangsarbeiter mit Güterwaggons nach Osten gebracht – ihr Schicksal ist unbekannt.
  • Es gibt keine Unterlagen über die Zwangsarbeiter der Muna, fast keine Namen.
  • Die einzigen Namen waren die der neun Toten auf dem Friedhof sowie auf einem Schreiben des Standesamtes der Gemeinde Lehre von 1959, das auch die Marken-Nummern der Soldaten auflistete.
  • Zeitzeugen berichteten Otte, dass die Russen erbärmlich aussahen und um Brot bettelten.
  • Das Stammlager der in Lehre arbeitenden Zwangsarbeiter war das „Stalag XI B“ in Fallingbostel. Dort hat man die Personalkarten der Gefangenen geführt.
  • Aus den fünf Personalkarten der russischen Botschaft geht hervor, dass einer der Arbeiter erschossen wurde. Bei den anderen vier steht „verstorben“.
  • Heimatdichter Fritz Fricke schrieb 1976 in einem Buch, dass man im Zwangsarbeiterlager zwei Russen ertrinken ließ. Otte vermutet, dass dies die beiden Zivilisten waren.
  • Fast alle Namen auf dem Grabstein in Lehre sind falsch geschrieben.

mbb