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Stadt Wolfsburg Zuchttier oder Mischling? Auf der Suche nach dem passenden Hund
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Zuchttier oder Mischling? Auf der Suche nach dem passenden Hund
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08:00 23.11.2019
Zuchthund oder Mischling? Der eine schwört auf „seine Rasse“, Tierschützer fordern „stoppt den Rassenwahn". Quelle: Archiv
Gifhorn/Peine

Gerade zur Weihnachtszeit werden oft Gedanken an niedliche Hundewelpen wach. Dass sie als Geschenk nicht unter den Weihnachtsbaum gehören, ist bekannt. Wer aber mit dem Gedanken spielt, sich unabhängig vom Weihnachtsfest einen Hund anzuschaffen, findet hier Denkanstöße bei Züchtern und Tierschützern.

Zuchthund oder Mischling? Tierschützer fordern: „Stoppt den Rassenwahn“.

Die Profis haben das Wort. Es geht dabei auf der einen Seite um den Zuchthund, sein typisches Exterieur, seine angezüchteten Eigenschaften. Den Zuchthunden gegenüber stehen die Mischlinge als Favoriten der Tierschützer, die oftmals gegen „den Rassenwahn“ wettern.

Sandra Pappermann, Tierheim Peine:

„Rassehunde stammen fast immer von Züchtern, auf Grund ihrer Genetik können sie typische Einschränkungen haben“, warnt Sandra Pappermann vom Führungs-Duo des Peiner Tierheims. Das könne zu hohen Kosten durch Tierarzt-Besuche führen. Mischlinge kommen Pappermann zufolge oft aus dem Tierheim, sie verursachten weniger Anschaffungskosten. Die Charaktereigenschaften eines Rassehundes sind laut Pappermann von Vorteil, weil sie zum bestimmten Zweck gezüchtet sind. Auch Fellbeschaffenheit und Größe seien vorhersehbar.

„Ein Mischling kann aber genauso die perfekte Wahl für jede Familie sein“, sagt sie. Nur sollte beachtet werden, dass dabei weder nach Typ oder Rasse definiert werden kann, „dass ist aber auch der Charme, den diese Hunde versprühen, sie sind halt ein Unikat“, sagt sie.

Jeder Züchter sollte laut Pappermann Interesse daran haben, dass seine Welpen in gute Hände kommen. „Er sollte viel erfragen, beobachten und analysieren, um sicher zu gehen, dass er die richtige Stelle für den Welpen gefunden hat“, meint sie.

Bei dem Wunsch nach einem Hund sollte laut Pappermann zuerst der Weg ins Tierheim führen. „Tierheimhunde haben aber immer eine Vorgeschichte und oft schlechte Erfahrungen gemacht“, weiß sie. Häufige Gründe ein Tier abzugeben seien Überforderung und Unwissenheit. „Die Hunde sind die Leidtragenden, die traumatisiert im Zwinger sitzen.“ Daher sei es um so wichtiger, ihnen ein endgültiges Zuhause zu geben.

Udo Kopernik, Verband fürs Deutsche Hundewesen (VDH):

„Bei Rassetieren sind die typischen Zuchtmerkmale gegeben“, nennt VDH-Sprecher Udo Kopernik Vorteile von Zuchthunden. Wer sich erstmals einen Hund anschaffen möchte und ein ruhiges Tier sucht, sollte die Hände von Tieren lassen, die für die Jagd oder als Hüter gezüchtet wurden, meint er. „Die brauchen richtig Beschäftigung.“ Bei Mischlingen sollte man sich Kopernik zufolge zumindest die Mutter ansehen und prüfen, ob ihre Anlagen den Vorstellungen entsprechen. Er ist aber auch überzeugt: „Seriöse Züchter beraten ebenso wie seriöse Tierheimitarbeiter.“

„ Das Tierschutzgesetz verbietet Qualzüchtungen“, sagt der VDH-Profi weiter. Das Dilemma ist Kopernik zufolge jedoch, dass bei den Haltungsanforderungen „gar nichts“ geregelt ist. „Kontrollen erfolgen erst bei gewerbsmäßiger Zucht.“ Besonders die schweratmige englische Bulldogge ist dem VDH-Sprecher zufolge von Qualzucht betroffen. „Sie wird deshalb in unseren Vereinen fast gar nicht mehr gezüchtet.“ Was einem da auf der Straße begegne, das komme nicht vom VDH. Sein Vergleich – „im VDH wurden 280 dieser Welpen aufgelistet, bei der Tierschutzorganisation Tasso 5000 registriert.“ Bei der Qualifikation der Züchter sieht Kopernik „eine Lücke im Tierschutzgesetz“. Es sollte europaweit ein Heimtier-Zuchtgesetz geben“, sagt er. Letztlich mahnt der VDH-Sprecher zur „Vorsicht beim Auslands-Tierschutz und vor der Mitleid-Schiene“. Da würden massenweise Welpen produziert für 20 bis 40 Euro, die dann für 350 Euro verkauft werden. „Das ist ein Milliardenmarkt.“ Sein Tipp. „Sich auf der Internetseite Wühltisch-Welpen.de erkundigen – eine Initiative unter anderem vom Deutschen Tierschutzbund, von Tasso, vom VDH.“ Oder aber: „Zum seriösen Tierheim nebenan gehen und sich dort beraten lassen.“

Jennifer Breit, Verein Stark für Tiere:

„Aus Sicht der Tierschützer spricht nichts für Züchtung“, sagt Jennifer Breit vom Verein Stark für Tiere. Züchtung diene nur dazu, den Markt zu sättigen. „Es geht dabei nur ums Geld und es gibt genügend Tiere, die in den Tierheimen auf ein neues Zuhause warten“, sagt sie weiter und sie stellt fest, dass „der Markt für Qualzüchtungen da ist“. Sie ist überzeugt: „Der Käufer bestimmt stets das Angebot. Der Mensch hat es in der Hand, hier einen Riegel vorzuschieben.“ Sie versichert, dass der Tierschutz stets Vor- und Nachkontrollen bei der Abgabe jeden Tieres macht.“ Tierheimhunde aufzunehmen und damit Not zu lindern – „das sollte an erster Stelle stehen“, sagt die Tierschützerin. Dabei dürfe es aber nicht nur darum gehen, das eigene Ego zu sehen und sich lediglich den unbedingten Wunsch nach einem Hund zu erfüllen. „Es geht in erster Linie immer darum, für das Tier wieder ein Zuhause zu finden.“

Swetlana Fitz, Therapie-Hundeführerin und Züchterin:

Rassetier oder Mischling – „da gibt es keine Unterschiede“, sagt Therapie-Hundeführerin und Züchterin Swetlana Fitz aus Ehra-Lessien. Beim Kauf eines Welpen sei darauf zu achten, dass er nicht ängstlich oder schreckhaft ist, dass er sozial verträglich, menschlich zugewandt und selbstbewusst ist.“ Auch das Thema „Qualzüchtungen“ streift sie. „Diese Züchtungen werden von manchen Vereinen unterstützt, da geht es leider oftmals erst um den Rassestandard und dann um den Tierschutz.“ Qualifikation von Züchter und Käufer sollte es geben“, sagt sie und betont: „Ich wurde als Züchterin kontrolliert.“ Ihre Hündin habe drei Würfe mit 13 Welpen gehabt – da habe sie auch die Käufer kontrolliert. Offenbar mit Erfolg – „von den 13 Tieren sind nach wie vor elf in erster Hand.“ Hunde stets zuerst aus dem Tierheim aufzunehmen, „das muss nicht immer an erster Stelle stehen“, meint sie und rät: „Das Verhalten dieser Hunde sieht man nicht beim Gassigang“, es offenbare sich erst im Rudelverband, in der Familie. Folge sei, dass der Hund zum „Wanderpokal wird“ und wieder zurück ins Tierheim gebracht wird. Um Tierheim-Tieren zu helfen, würde sie es begrüßen, sie auf Probe nach Hause zu holen und sich dann zu entscheiden. „Und dabei ist es völlig egal, ob es ein Mischling oder ein Rassetier ist.“

Von Hilke Kottlick

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