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Stadt Wolfsburg Wolfsburg wird grün: Klimaschutz dominiertdie aktuelle politische Diskussion
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Wolfsburg wird grün: Klimaschutz dominiertdie aktuelle politische Diskussion
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00:20 25.06.2019
„Wake up“: Aufgewacht ist die Wolfsburger Stadtpolitik anscheinend. Im Bauausschuss dominierte das Thema Klimaschutz. Nicht nur die Grünen zeigten sich Grün. Quelle: Boris Baschin
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Wolfsburg

Beim Boxen würde man von einem Wirkungstreffer sprechen: Das Ergebnis der Europawahl und die aktuellen politischen Umfragen scheinen auch großen Einfluss auf die Wolfsburger Stadtpolitik zu nehmen. Zu erleben war das am Donnerstagnachmittag bei der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses. Zu fast allen Themen entsponnen sich lebhafte Diskussionen in Sachen Klimaschutz – und in den seltensten Fällen ging die Initiative dabei von den Grünen aus.

Kita-Neubau in Ehmen: Wo bleibt der Bluthänfling

So etwa beim Thema Kita-Neubau in Ehmen am Standort Siebsberg. Der Ortsrat hatte dem Bauvorhaben bereits einstimmig zugestimmt. Gleiches galt für den Bauausschuss. Doch vor dem Votum wurde zunächst ausgiebig über Ausgleichsmaßnahmen diskutiert. Im Rahmen der artenschutzrechtlichen Untersuchungen des Grundstücks wird nämlich vermutet, dass es sich um ein Brutquartier des Bluthänflings handelt. Als Ausgleich plant die Stadt, eine Fläche bei Hattorf entsprechend aufzuforsten.

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Hans-Georg Bachmann von der SPD war mit diesem Vorgehen nicht einverstanden und eilte dem Piepmatz zur Hilfe. „Das wird man dem Hänfling nicht verklickern können, dass er nach Hattorf umziehen soll.“ Er forderte, noch einmal genauer nach geeigneten Stellen für die Ausgleichsmaßnahme in unmittelbarer Nähe zum Bauort zu fahnden – und wollte dies auch als generelle Forderung für künftige Projekte verstanden wissen.

Strom: Wolfsburg soll eigene Anlagen bauen

Zweites Beispiel: die Stromlieferverträge für die Stadt Wolfsburg. Diese laufen aus und müssen neu ausgeschrieben werden. Die Entscheidung wurde den Ausschussmitgliedern leicht gemacht. Entweder 100 Prozent Ökostrom oder die Luxusvariante mit 100 Prozent Ökostrom und einer Neuanlagenquote von bis zu 50 Prozent – das macht jährlich rund 150.000 Euro mehr, als der Bezug von herkömmlichen Strom. Diese Variante hatte die Verwaltung wohlweislich gar nicht erst zur Abstimmung gegeben. Zu recht, wie sich zeigte, denn alle Parteien plädierten vehement für die hochwertige Öko-Variante. Bachmann regte sogar an, zu prüfen, ob die Stadt nicht ihre eigenen Anlagen bauen könnte.

„Energie-Fibel“ für Bauherren

Drittes Beispiel: das Mini-Baugebiet in der Wendschotter Ortsmitte. Auch hier wurde der B-Plan einstimmig empfohlen und dennoch wurde über Klimaschutz diskutiert. Wieder war es Bachmann, der den Stein ins Rollen brachte. Er plädierte allgemein für künftige baurechtliche Regelungen zur Reduktion der Emissionen oder zumindest eine „Energie-Fibel“, die man den Bauherren an die Hand geben könnte. Einig waren sich die Parteien, dass man beim Bau deutlich klimafreundlicher vorgehen könnte. Auf Initiative der PUG-Ratsfrau Bärbel Weist soll dieses Thema in einer Sondersitzung genauer erläutert werden.

Frank Richter von den Grünen freut sich „Ökologisierung der Parteien“

Der Bauausschuss-Vorsitzende Frank Richter von den Grünen leitete diese Sitzung angesichts soviel Engagement für den Umweltschutz sichtlich gut gelaunt. „Die Ökologisierung der Parteien freut mich“, sagte er mit einem schelmischen Grinsen. Und leistete ebenfalls seinen Beitrag zur Diskussion in dem beispielsweise mehr Solaranlagen für die Höfe ins Spiel brachte. „Man muss sich Fragen was Vorrang hat, Denkmal- oder Klimaschutz.“

Von Steffen Schmidt