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Stadt Wolfsburg Nach Tod eines Schülers herrschen Trauer und Fassungslosigkeit
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Nach Tod eines Schülers herrschen Trauer und Fassungslosigkeit
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00:20 22.06.2019
Theodor-Heuss-Gymnasium in Wolfsburg: Ein zehnjähriger Schüler starb bei einem Unfall auf einer Klassenfahrt. Quelle: Florian Heintz
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Wolfsburg

Am Tag nach dem tödlichen Unfall eines Wolfsburger Schülers (10) auf Klassenfahrt sitzt der Schock am Theodor-Heuss-Gymnasium tief. Am Mittwoch standen Seelsorger den Kindern und Jugendlichen zur Seite, um ihnen in der Trauer über den plötzlichen Verlust ihres Mitschülers zu helfen. Derweil laufen die Ermittlungen der Polizei zur Ursache des tragischen Loren-Unfalls auf dem Gelände des Waldpädagogikzentrums Hahnhorst in Schwaförden weiter.

Schüler versammeln sich zu stillem Gedenken

Waldpädagogikzentrum Hahnhorst in Schwaförden: Hier starb ein zehn Jahre alter Junge aus Wolfsburg, nachdem er unter eine Lore gekommen war. Quelle: Andreas Behling

Die Landesschulbehörde schickte am Mittwoch acht Krisenbetreuer zum THG, darunter zwei Schulpsychologen, Seelsorger und ein Pastor. „Wir sind natürlich alle bestürzt, dass ein Schüler ums Leben gekommen ist“, sagte Andreas Herbig, Pressesprecher der Landesschulbehörde. Die größtmögliche Unterstützung der Schulgemeinschaft habe jetzt oberste Priorität. Unterricht findet derzeit ohnehin nicht statt – die eine Hälfte der Schule hat Projektwoche, die andere befindet sich auf Klassenfahrten. Trotzdem seien Eltern und Schüler am Mittwoch ins THG gekommen, um das Gespräch mit Lehrern und Betreuern zu suchen. Am Donnerstag soll es außerdem einen Elternabend der betroffenen fünften Klasse geben. Ob in der nächsten Woche wieder regulärer Unterricht stattfindet, steht noch nicht fest. „Wir lassen die Schule nicht allein“, betonte Herbig.

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Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Verden die Ermittlungen zur Aufklärung des tödlichen Unfalls übernommen. „Wir versuchen in Absprache mit der Staatsanwaltschaft, die Ursachen dieses Unglücks aufzudecken“, sagte der Sprecher der Polizeiinspektion Diepholz, Thomas Gissing. Nach ersten Erkenntnissen ereignete sich das Unglück am Dienstag beim Spielen auf einem auf Schienen stehenden Wagen auf dem Gelände des Waldpädagogikzentrums bei Diepholz. Die etwa 25 Kinder einer fünften Klasse des Theodor-Heuss-Gymnasiums hielten sich dort seit Montag auf einer Klassenfahrt auf.

Viele Kinder spielten an der Lore

Während einer Frühstückspause auf dem Gelände habe sich eine Gruppe von Schülern mit dem Zehnjährigen zu der etwa 20 Meter entfernten Lore begeben – ein Wagen, wie er früher etwa zum Transport von Kohlen benutzt wurde. „Fest steht, es haben viele Kinder an, um und auf der Lore gespielt“, so Gissing. Dabei habe sich der Wagen bewegt und der Junge sei von einem der Lorenräder überrollt worden. Trotz Wiederbelebungsversuchen starb er an der Unfallstelle.

Wurde Aufsichtspflicht eingehalten?

„Bei den Ermittlungen wird alles in irgendeiner Form in Betracht gezogen“, sagte Gissing. So werde sicherlich geprüft, ob es seitens der Lehrer oder anderer Personen Aufsichtspflichtverletzungen gegeben habe. Die Landesschulbehörde will zunächst keine eigene Untersuchung einleiten. „Wir gehen erstmal davon aus, dass die Aufsichtspflicht gewahrt wurde“, sagte Sprecher Herbig.

Keine Klarheit über Obduktion

Weitere Erkenntnisse erhoffen sich die Ermittler aus den Aussagen der Zeugen. Ob die Kinder offiziell vernommen werden oder ob die Aufarbeitung durch Gespräche in der Schule erfolgt, die ihre Ergebnisse dann der Polizei zur Verfügung stellt, steht laut Polizeisprecher Gissing noch nicht fest. „Man versucht, die Kinder soweit es geht nicht mehr zu belasten.“ Noch nicht klar war zunächst, ob auch die Leiche des Zehnjährigen obduziert werden soll.

Bislang ermitteln Staatsanwaltschaft und Polizei wegen eines „tragischen Unglücksfalls“, sagte der Sprecher. Sollten sich Hinweise dafür ergeben, kann seinen Angaben zufolge aber auch ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet werden.

Landesforsten äußern sich „geschockt und bestürzt“

Die für das Waldpädagogikzentrum zuständigen Niedersächischen Landesforsten wollten sich zunächst nicht zum Unfallhergang äußern. „Wir sind geschockt und tief bestürzt, unsere Gedanken sind bei den Eltern, Angehörigen und Freunden des Jungen, denen nun unser ganzes Mitgefühl gilt,“, sagte Klaus Merker, Präsident der Niedersächsischen Landesforsten.

Auch Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs drückte seine Anteilnahme aus. „Nach diesem tragischen Unfall bin ich in Gedanken bei den Eltern, Schülern und Lehrern. Ich wünsche ihnen, dass sie einen Weg finden, mit dem Erlebten und dem Verlust umzugehen“, sagte Mohrs.

Von Florian Heintz