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Stadt Wolfsburg Diese Wolfsburgerin produziert so gut wie keinen Müll
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Diese Wolfsburgerin produziert so gut wie keinen Müll
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14:59 13.11.2019
Müllfrei Leben: Angelika Frank versucht nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip einzukaufen. Quelle: Ann Kathrin Wucherpfennig
Wolfsburg

Randvolle Mülltonnen, Armeen Gelber Säcke vor Wohnhäusern: Nicht nur in Wolfsburg, sondern weltweit wird viel zu viel Müll produziert. Die Wolfsburgerin Angelika Frank zeigt, dass es auch anders geht: Die 69-Jährige lebt nahezu abfallfrei. Sie befolgt das so genannte „Cradle-to-Cradle“-Prinzip.

Cradle-to-Cradle heißt übersetzt „Von der Wiege bis zur Wiege“. Dabei werden Produkte wiederverwertet, so dass wenig bis kaum Abfall entsteht. Angelika Frank lebt seit Jahren so. Aber: „Das ist gar nicht so einfach. Die Tücke steckt im Detail“, so Frank.

Alle Materialien werden gekauft

Um schon beim Einkaufen wenig Müll anzusammeln, geht die 69-Jährige mit Gemüsenetz und Baumwolltasche in den Supermarkt oder den Bioladen. Dabei achtet sie besonders auf die Verpackung der Produkte. „Als Cradler ist eine fundierte Materialkenntnis sehr wichtig, damit ich Verpackungen richtig einordnen und verwerten kann“, betont Frank. Denn es ist wichtig, dass alle Materialien wiederverwendet beziehungsweise recycled werden können. Beim Cradle-to-Cradle-Prinzip gibt es übrigens kein generelles Plastikverbot. „Ich achte natürlich darauf, dass wenig Plastik im Einkaufskorb landet, aber vermeiden kann und muss ich es nicht.“ Vielmehr müsse darauf geschaut werden, dass die Plastik-Verpackung richtig getrennt und entsorgt werden können.

Recycling ist oberstes Gebot

Frank achtet nicht nur beim Einkauf auf wiederverwertbare Dinge, sondern hat das Cradle-to-Cradle gänzlich in ihr Leben eingebaut: Vor Kurzem suchte die ehemalige Rektorin einen passenden Rucksack – und wurde fündig. „Ich habe mich für ein funktionales und schickes Modell entschieden, das aus elf PET-Flaschen besteht.“ Das ist Cradle-to-Cradle wie es im Buche steht: Alte Materialien werden fachgerecht entsorgt, weiterverarbeitet und für neue Produkte verwendet.

10 Tipps zur Müllvermeidung

1.Essen und Trinken für Unterwegs sollte in Mehrwegdosen und -flaschen eingesteckt werden.

2.Beim Einkaufen sollte auf die Plastiktüte an der Kasse verzichtet werden. Stattdessen lohnt sich ein Beutel, der hält mehr aus und sieht in den meisten Fällen auch schicker aus.

3.Im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt sollte zu den losen Waren gegriffen werden. Die unverpackten Lebensmittel können anschließend mit dem sogenannten Gemüsenetz mit nach Hause genommen werden.

4.In Drogerien sind die kleinen bunten Probepackungen immer sehr verlockend. Aber günstiger und umweltfreundlicher sind große Packungen. Mit der kleinen Verpackung wird nämlich fast zweieinhalbmal so viel Kunststoff verbraucht.

5.Wer auf Plastikverpackungen bei Seife, Duschgel und Shampoo komplett verzichten will, sollte zu fester Seife greifen. Ansonsten können wiederverwendbare Flaschen in einem Unverpackt-Laden aufgefüllt werden.

6.Mikroplastik ist auf den ersten Blick unsichtbar: In manchen Zahncremes und Peelings ist Mikroplastik enthalten. Auf dem Etikett sind diese Stoffe mit „Polyethylen“ (PE), „Polyamid“ (PA) oder „Polyethylenterephthalat“ (PET) ausgezeichnet.

7.Reparieren statt neu kaufen: Wer selbst kein handwerkliches Geschick hat oder hohe Reparaturkosten fürchtet, kann in Repair-Cafés vorbeischauen. Dort kümmern sich Ehrenamtliche um kaputte CD-Player, Fahrräder oder Kaffeemaschinen.

8.Manche Dinge werden nur einmal im Jahr gebraucht und irgendwann werden sie entsorgt. Damit Anschaffungskosten und Platz in der Wohnung gespart wird, können solche Dinge mit Nachbarn und Freunden geteilt werden.

9.Vor jedem Shopping-Ausflug sollte der überfüllte Kleiderschrank genau untersucht werden. In manchen Fällen ist die ungetragene Jeans nur nicht zu sehen. Und falls doch ein neues Kleidungsstück gebraucht wird, sollte auf Qualität geachtet werden.

10. Klar, die Bestellung im Internet ist schnell und einfach. Aber es entsteht zu viel Verpackungsmüll. Lieber sollte regional eingekauft werden, damit wird Abfall vermieden und der lokale Einzelhandel unterstützt.

Daher ist die Cradlerin auch besonders stolz auf ihren neuen bunten Teppich im Arbeitszimmer. Der gewebte Teppich besteht aus Recycling-Polyamid und wurde bei einer holländischen Firma hergestellt. „Sobald der Teppich abgenutzt ist, wird er abgeholt. Zudem lassen sich die Stoffe trennen und sind zu 100 Prozent recycelbar.“

Müllfrei Leben: Angelika Frank versucht nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip einzukaufen. Quelle: Ann Kathrin Wucherpfennig

Sobald Abfall vermieden werden kann, tut Angelika Frank das auch: Zum Beispiel verzichtet sie auf Zahnpasta, dafür benutzt sie sogenannte Zahnputz-Tabletten. Diese werden in einer kleinen Papiertüte verkauft und ersetzen zwei Tuben Zahnpasta. Im nächsten Schritt will Frank festes Shampoo – ähnlich einer Seife – für den Körper und die Haare ausprobieren. „Das erinnert mich an meine Kindheit, da wurde es auch so gemacht.“

Gleichgesinnte suchen

Das Cradle-to-Cradle-Konzept wurde vom deutschen Chemiker Michael Braungart und dem amerikanischen Architekt William McDonough entwickelt. Im Jahr 2012 sah Frank den Mitbegründer Braungart bei einer Veranstaltung in der Autostadt und war von Anfang an vom Konzept begeistert. Deshalb hat sie damals als Leiterin des Ratsgymnasiums das Thema an ihre Schule geholt und mit Schülern Cradlte-to-Cradle-Projekte umgesetzt.

Nach ihrer Pensionierung hat sie mit Fritz Hempel eine Regionalgruppe vom Verein „Cradle-to-Cradle“ gegründet. „Im Moment treffen wir uns regelmäßig mit acht Cradlern und tauschen uns über neue Projekte aus“, sagte Frank.

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Von Ann Kathrin Wucherpfennig

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