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Stadt Wolfsburg Classic Comedy auf der Sommerbühne
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Classic Comedy auf der Sommerbühne
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22:00 23.06.2019
Klassik und Humor vereint: Das Rainer Hersch Orkestra begeisterte auf der Sommerbühne. Quelle: Britta Schulze
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NORDSTADT

Ein sehr außergewöhnliches Klassikensemble begeisterte am Samstagabend das Publikum der Internationalen Sommerbühne im Schloss Wolfsburg. Das „Rainer Hersch Orkestra“ überzeugte mit hervorragender musikalischer Qualität und großartigem britischen Witz.

Vorbild: Monty Python

Als Rainer Hersch noch ein Londoner Schuljunge war, nutzte er die Zeit, in der er nicht Klavier spielte, um die Werke der legendären Comedytruppe „Monty Python“ zu sehen. Der Einfluss dieser exzellenten Humoristen war auch am Samstagabend im Innenhof des Schlosses Wolfsburg zu spüren.

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Beethoven im Punk-Stil

Mit großer Souveränität veranstaltete Hersch mit seinem Orchester den größten Blödsinn. Ob eine auf wenige Sekunden verkürzte Version der kleinen Nachtmusik oder Beethovens 9. Sinfonie im Reggae- oder Punkstil: Das Orchester überzeugte auch bei schrägsten Humor noch durch hohe Musikalität.

Publikum in Action

Das Publikum konnte sich dabei allerdings nicht entspannt zurücklehnen. Schon beim ersten Stück mussten alle mitarbeiten, klatschend, singend oder winkend. Rainer Hersch dirigierte Orchester und Publikum gleichermaßen souverän und mit viel Verve. Es gibt wohl keinen anderen Dirigenten, der körperlich so viel gibt und ständig Anweisungen ruft.

Zuschauer darf dirigieren

Seine Musiker, allesamt hervorragend ausgebildete Klassikmusiker, machten dabei sehr professionell alles mit, auch wenn es mal bis in ein irrwitziges Tempo ging oder wenn ein Zuschauer dirigieren durfte. Selbst in dieser Situation gaben sie alles, die Noten entsprechend der in diesem Falle seltsamen Anweisungen zu spielen.

Eine großartige Show lieferte das Rainer Hersch Orkestra auf der Internationalen Sommerbühne am Schloss Wolfsburg ab. Tolle Werbung für die klassische Musik.

Das klang natürlich furchtbar, wie auch die Blockflöteneinlagen, die Rainer Hersch und seine Musiker zwischendurch gaben. Das entsetzliche Gequietsche erinnerte sofort an die eigene Schulzeit.

Kanonenschläge aus dem Publikum

Höhepunkt war Tschaikowskys Overtüre von 1812, bei der das Publikum die Kanonen mit knallenden Papiertüten beisteuerte. Rainer Hersch dirigierte dabei das Publikum, hielt in der einen Hand den Taktstock und in der anderen die Fernbedienung, um auf dem Beamer immer zur richtigen Zeit die Anweisungen für das Publikum einzublenden.

Werbung für die Klassik

Der Abend war ein Riesenspektakel – großartige Werbung für die klassische Musik, aber auf keinen Fall für die Blockflöte. Das Publikum bedankte sich mit stehenden Ovationen und rhythmischem Applaus.

Von Robert Stockamp