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Stadt Wolfsburg Buchensterben im Hohnstedter Holz: „Wir können nichts tun“
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Buchensterben im Hohnstedter Holz: „Wir können nichts tun“
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17:11 10.09.2019
Andreas Baderschneider, Marlene Düngelhoef und Dirk Schäfer, Landesforsten informieren über das Buchensterben im Hohnstedter Holz. Quelle: Britta Schulze
Wolfsburg

Das Baumsterben beginnt in der Krone. Erst verliert die Buche ihre Blätter, dann wird sie anfällig für Pilze und am Ende fallen mit einem lauten, traurigen Knacken die Äste zu Boden – der Baum ist tot. Das Hohnstedter Holz gehört zu den am schlimmsten betroffenen Gebieten in Niedersachsen, das Buchen-Sterben ist im vollen Gange. Die Landesforsten informierten am Dienstag vor Ort über die „katastrophale Situation“.

Hohnstedter Holz: 200 alte Eichen und Buchen

Das 280 Hektar große Waldgebiet südlich von Mörse und Ehmen gehört ökologisch wertvollsten Wäldern im Land. Das liegt vor allem an dem vielfältigen Laubbaumbestand – unter anderem stehen hier über 200 Jahre alte Rotbuchen und Eichen –, der vielen verschiedenen Tierarten ein Zuhause bietet.

Eine Bildergalerie zum Hohnstedter Holz:

Vor allem in dem Wald südlich von Mörse und Ehmen haben die Buchen schwere Dürreschäden erlitten.

Und nun liegen Teile des Waldes im Sterben: Vor allem die Rotbuchen – sie gelten als die „Mutter des Waldes“ – leiden unter dem fehlenden Regen. Im Gegensatz zu Eichen können sie mit Trockenheit nicht gut umgehen, werden anfällig für Pilze und Fäule. Der Hitze-Sommer 2018 mit langen Trockenperioden war hart, aber auch das Frühjahr und der Sommer 2019 brachten nicht genug Regen – und verschärfte die Lage beträchtlich. In zwei Metern Tiefe sei der Waldboden staubtrocken. Kurzum: „Dem Deutschen Wald geht es sehr schlecht. Uns stehen schwierige Zeiten bevor“, sagt Andreas Baderschneider, Leiter des Forstamtes Wolfenbüttel.

In Zukunft wird alter Baumbestand fehlen

Wolfsburgs Revierförster Dirk Schäfer muss hilflos mit ansehen, wie der Wald buchstäblich unter seinen Händen wegstirbt. „Wir können nichts tun.“ Der Wald sei sehr strukturreich entwickelt worden, deshalb auch so wertvoll. In Zukunft wird sich der Wald optisch deutlich verändern, alter Baumbestand wird fehlen. Und: Auch der Bestand von Vogelarten und anderen Tieren, die in den Buchen brüteten, werde vermutlich zurückgehen. „Wir haben jetzt eine Situation wie wir sie noch nie gehabt haben“, so Schäfer.

WAZ-Talk mit Revierförster Dirk Schäfer

Über die aktuelle Situation in den Wolfsburger Wäldern, insbesondere im Hohnstedter Holz, sprach die WAZ mit Revierförster Dirk Förster.

WAZ: Kann man das Buchesterben aufhalten? Zum Beispiel durch großflächige Bewässerung?

Schäfer: Nein, wir können nichts machen. So viel Wasser wie man für den Wald bräuchte, kann man gar nicht aufbringen. Es wären rund 250 bis 300 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter nötig.

WAZ: Aber das Klima wird voraussichtlich immer extremer. Gibt es eine Möglichkeit, trockenresistentere Bäume zu pflanzen?

Schäfer: Die Sache ist die: Wir haben diesen Wald hier zu einem strukturreichen Mischbestand aufgebaut. Hier gibt es viele verschiedene Laubbäume, viele verschiedene Tierarten. Das macht ihn so schützenswert und besonders. Aber die Buche kann im Gegensatz zur Eiche und anderen Laubbäumen nicht gut mit Trockenheit umgehen. Das wissen wir. Und deshalb müssen wir uns mit Umweltämtern und anderen Experten Gedanken machen, wie die Zukunft des Waldes aussehen kann. Vielleicht sollte man in Zukunft eher Eichen pflanzen...

WAZ: Durch das Baumsterben und die daraus resultierende Fällungen wird die Optik des Waldes gänzlich verändert...

Schäfer: Absolut. Der Wald wird ausgedünnter werden. Der alte Baumbestand wird fehlen. Bis der Wald wieder so aussieht, wie wir ihn jetzt kennen werden 200 Jahre vergehen.

In den nächsten Woche beginnen großflächige Baum-Fällungen in dem Wald, einige Bereiche müssen komplett abgesperrt werden, manche Wege dürfen dann nicht betreten werden. Waldspaziergänger sollten sich darauf einstellen. Es werden 5000 bis 6000 Kubikmeter Holz abgeschlagen.

Fällarbeiten im Wald

Rote und blaue Punkte zieren die Rinden. Unzählige Bäume sind im Hohnstedter Holz markiert – ein trauriges Zeichen. All diese Bäume müssen gefällt werden. Betroffen sind vor allem Buchen. Die Landesforsten beginnen nächste Woche mit den umfassenden Forstarbeiten und werden Teile aus Sicherheitsgründen sperren müssen. Darauf sollten sich Spaziergänger einstellen und auf Warnschilder achten.

Der Wald liegt im Sterben – Schuld ist das Klima und die immer extremer werdenden Trockenperioden. Wolfsburgs Revierförster Dirk Schäfer entschied sich mit Experten der Landesforsten, das Hohnstedter Holz und auch das Hattorfer Holz zu kartieren. Alle schwer geschädigten oder abgestorbenen Bäume wurden mit Punkten markiert – und werden gefällt. Lässt der Spaziergänger seinen Blick durch den Wald schweifen, wird er unzählige Bäume mit Punkten finden...

Das Buchesterben hat nicht nur schlimme ökologische, sondern auch wirtschaftliche Folgen. Teils könne das abgestorbene Holz nur nach zu minderwertigem Brennmaterial oder Spanplatte verarbeitet werden.

Die Fällarbeiten werden mindestens zwei Monate dauern. „Die Förster arbeiten aus Sicherheitsgründen mit einer Fällhilfe“, erklärt Andreas Baderschneider, Leiter des Forstamtes Wolfenbüttel. Das heißt, sie stehen nicht wie üblich unterm Baum, sondern fällen ihn aus der Entfernung.

Auch für die Waldbesucher gehen durch herabfallende Äste erhebliche Gefahren aus. „Ohne Fällung der Bäume wäre die Sperrung des kompletten Waldes unumgänglich“, so Schäfer. Dies möchte man aber vermeiden. „Uns ist daran gelegen, dass der Wald sicher betreten werden kann.“

Hohnstedter Holz: Der Wald südlich von Mörse und Ehmen. Quelle: WAZ

Von Claudia Jeske

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