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Stadt Wolfsburg Altes Gewerkschaftshaus ist 60 Jahre alt
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Altes Gewerkschaftshaus ist 60 Jahre alt
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18:03 19.09.2018
Das alte Gewerkschaftshaus in der Siegfried-Ehlers-Straße: Bis 2007 hatte die IG Metall hier ihre Zentrale. Quelle: Photowerk (Archiv)
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Wolfsburg

Voller Stolz fand am 22. August 1958 die feierliche Eröffnung statt. Heute mutet das schlichte Gebäude mit seinen vier Stockwerken und dem dazugehörigen Flachbau eher bescheiden an. Doch vor 60 Jahren war das anders.

Die Gewerkschaft, vor allem die IG Metall, wuchs durch VW stetig, eine Zentrale sollte her und entstand direkt gegenüber vom VW-Werk als „Neue Heimstätte der Schaffenden“, wie die WAZ damals titelte – vorher hatte die Gewerkschaftsarbeit vor allem in Büros am Hohenstein stattgefunden.

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Gewerkschaftshaus sollte „hohen Zielen“ dienen

Viel Prominenz hatte sich zur Einweihung eingefunden. Der große Saal war geschmückt mit Blumen und Fahnen der IG Metall, die Festrede hielt der deutsche DGB-Vorsitzende Otto Brenner, der aus Frankfurt angereist war.

Brenner lobte nicht nur das neue Gewerkschaftshaus, das „hohen Zielen“ dienen sollte, er erinnerte auch an die damals aktuelle DGB-Kampagne für die Fünf-Tage-Woche mit 40 Arbeitsstunden („Samstag gehört Vati mir“). Außerdem warnte der Gewerkschaftschef nachdrücklich vor der drohenden Privatisierung des VW-Konzerns.

Altes Gewerkschaftshaus in der Siegfried-Ehlers-Straße: Heute nutzt die Ostfalia-Hochschule das Gebäude. Quelle: Britta Schulze

Der Braunschweiger Architekt Jürgen Schweitzer, der das Gebäude konzipiert hatte, überreichte dann in einem symbolischen Akt die Schlüssel an den Wolfsburger IG-Metall-Chef Bernhard Tyrakowski, Gratulationen gab es auch von Seiten der VW AG, die unter anderem mit Pressechef Frank Nowotny vertreten war.

Wolfsburgs damaliger Oberbürgermeister Jens-Uwe Nissen wies auf einen Punkt hin, der hohen Symbolwert besaß: Dort, wo sich die neue Zentrale der freien Gewerkschaften erhob, hatten während der NS-Zeit Baracken für Zwangsarbeiter gestanden.

IG Metall wurde Machtfaktor bei VW

Der einstige VW-Betriebsratschef und spätere SPD-Sozialminister Walter Hiller sieht rückblickend in der Eröffnung des Gewerkschaftshauses durchaus einen Meilenstein. „Erst in den 60er- und 70er-Jahren wurde die IG Metall bei VW, aber auch in der Stadt Wolfsburg zu einem Machtfaktor“, so Hiller. „Bei dieser Entwicklung hat das Haus als Zentrum der gewerkschaftlichen Arbeit eine wichtige Rolle gespielt!“ Das DGB-Haus wurde nach der Eröffnung rasch zu einem Treffpunkt für viele Wolfsburger, über die Gewerkschaftsarbeit hinaus.

Im Jahr 2007 zog die Gewerkschaft dann in die neue, deutliche größere Zentrale auf der anderen Straßenseite um. In das alte Gewerkschaftshaus zog die Ostfalia-Hochschule - Leben herrscht in dem Haus auch weiterhin.

Von Carsten Baschin