Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Stadt Wolfsburg Mordprozess: Angeklagter Wolfsburger erinnert sich angeblich nicht an die Tat
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Mordprozess: Angeklagter Wolfsburger erinnert sich angeblich nicht an die Tat
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:40 21.11.2019
Landgericht Braunschweig: Der Angeklagte sitzt neben seinem Anwalt Michael Hoppe. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Braunschweig/Wolfsburg

Es sei ein ganz gewöhnlicher Tag gewesen, erzählt der 47 Jahre alte Ukrainer am Donnerstag beim Prozessauftakt vor dem Landgericht. Warum er schließlich mehrfach mit einem 20 Zentimeter langen Küchenmesser auf seine Ehefrau einstach, während die gemeinsame zehnjährige Tochter daneben stand, das bleibt auch nach seiner mehr als zweistündigen Befragung völlig im Dunkeln. Denn der Wolfsburger gibt an, keinerlei Erinnerungen an die grauenhafte Bluttat zu haben.

Mord oder Affekthandlung?

Dass er am 10. Juni seine Frau in der Wohnung in der Teichbreite getötet hat, daran gibt es jedoch keine Zweifel. Es gibt eine Augenzeugin, kein anderer kommt für die Tat in Frage und auch der Angeklagte selbst ist davon überzeugt, seine Frau getötet zu haben. Nur warum? Dazu fehlt ihm jede Erinnerung. Das aber dürfte genau die entscheidende Frage in dem Prozess werden. Denn die Staatsanwaltschaft plädiert auf Mord aus niederen Beweggründen, demnach muss ein Motiv zu Grunde liegen.

Eine kaputte Ehe

Das meint die Staatsanwaltschaft gefunden zu haben. Das Opfer wollte sich von ihrem Mann trennen und die Tochter mitnehmen. Die Trennung habe der Mann nicht akzeptieren wollen, ist sich die Staatsanwältin sicher. Das versucht der Angeklagte zu widerlegen: Mit der Ehe sei es seit der Ankunft in Deutschland 2015 stetig bergab gegangen, erzählt er. Davon, dass seine Frau die Scheidung eingereicht hatte, habe er schon eine Woche vor der Tat gewusst – und sich damit abgefunden. „Ich wollte zurück in die Ukraine, es war schon alles vorbereitet. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich die Trennung wahrscheinlich mehr als sie.“

„Es traf mich wie ein Blitz“

An dem schicksalhaften Abend nun isst die kaputte Familie noch gemeinsam zu Abend. Nur am Rande werde über die Trennung geredet, „es war ja schon alles klar“, begründet der Angeklagte. Dann aber soll seine Frau etwas zu ihm gesagt haben. „Es traf mich wie ein Blitz und danach weiß ich nichts mehr“, behauptet er. Er greift sich ein Messer und geht auf seine Frau los. Diese flüchtet kriechend ins Treppenhaus, wo er mehrmals auf sie einsticht. Die zehnjährige Tochter sieht alles mit an und versucht sogar, sich schützend über ihre Mutter zu legen. Auch die Tochter wird verletzt, ihr schlägt der Angeklagte mit der Faust gegen die Schulter.

Frau stirbt zwei Tage nach Angriff im Krankenhaus

Die schwer verletzte Frau schleppt sich noch eine Etage nach unten, wo Nachbarn versuchen, sie zu versorgen. Auch die Tochter bleibt bei ihrer Mutter und wird von den Nachbarn beruhigt und getröstet. Trotz einer Not-OP stirbt die Frau zwei Tage später im Krankenhaus an den Folgen der Messerstiche.

Was war der Auslöser?

Von dieser ganzen Bluttat will der Angeklagte nichts wissen. Seine Erinnerung setzte erst danach wieder ein. Was es war, dass ihn so die Kontrolle hat verlieren lassen, das könne er nicht sagen. „Da denke ich schon seit einem halben Jahr drüber nach“, sagt er.

Staatsanwältin glaubt Angeklagtem nicht

Die Staatsanwältin kauft ihm diese Geschichte nicht ab – auch weil er sich bei Fragen zu Details, die außerhalb des Zeitfensters der Tat liegen, immer wieder auf Erinnerungslücken beruft. „Sie ziehen das immer als Erklärung heran, wenn es für sie passt“, wirft sie ihm vor. Etwa, wenn es um ein Telefongespräch zwischen dem Angeklagten und seinem Bruder unmittelbar nach dem Mord geht. Da soll er gesagt haben: „Ich hab meine Frau platt gemacht, weil sie soviel Unsinn erzählt hat“. Der Angeklagte sagt, er könne sich nur daran erinnern, gesagt zu haben „die Polizei kommt gleich“.

Vieles passt nicht zusammen

Zudem gibt es Widersprüche. So gab der Angeklagte selbst an, seit zwei Jahren – da deutete seine Frau zum ersten Mal eine Trennung an – ein „Gefühl des Verrats“ in sich zu tragen. Und noch am Tag vor der Tat habe er versucht sich mit Tabletten das Leben zu nehmen. Etwas, was so gar nicht zu seiner geplanten Zukunft in der Ukraine passen will. Interessant sind auch Zeugenaussagen, die von Morddrohungen in der Vergangenheit berichten. Vor dem Gericht waren diese Zeugen am Donnerstag allerdings noch nicht geladen. Und die anwesenden Nachbarn sprechen einhellig von einer „ruhigen Familie.“ Streit habe man vorher nie mitbekommen.

Urteil schon am 17. Dezember

Ob es sich also um Mord oder eine Affekthandlung – worauf wohl die Strategie der Verteidigung abzielt – handelt, wird die entscheidende Frage im Laufe des Prozesses sein. Besonders die Aussage des psychiatrischen Gutachters könnte zum Zünglein an der Waage werden. Fortgesetzt wird der Prozess am 26. November und am 12. Dezember mit weiteren Zeugenaussagen und eben dem Bericht des Gutachters. Ein Urteil wird wahrscheinlich am letzten Verhandlungstag, dem 17. Dezember, gesprochen.

Von dpa/lni

Wolfsburg ist mit seinen 81 Jahren eine junge Stadt – umso erstaunlicher ist es, dass Wolfsburg nur wenige Jahre nach seiner Gründung eine Rolle spielt in einer der größten deutschen Illustrierten...

21.11.2019

Augenscheinlich sind Therapien mit Tieren sehr erfolgreich. Sollten sie deshalb von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert werden? Was ist Ihre Meinung? Wer an unserer WAZ-Umfrage teilnimmt, kann einen 100-Euro-Gutschein der Konzertkasse gewinnen.

21.11.2019

Hunde im Seniorenheim? Für Ergotherapeutin Andrea Voßwinkel sind ihre zwei Vierbeiner ideale Begleiter bei der Arbeit – und die besten Eisbrecher bei schwierigen Patienten.

21.11.2019