Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Stadt Wolfsburg Wohnheim: Einrichtungen unterstützen Obdachlose
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Wohnheim: Einrichtungen unterstützen Obdachlose
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:00 12.01.2017
Carpe Diem: Marion Unterhuber und Graziano Pilotta helfen ehrenamtlich.
Anzeige
Wolfsburg

„Niemand legt bei uns einen Seelenstriptease ab, aber so ziemlich jeder Besucher hatte schon mit Wohnungslosigkeit zu tun“, sagt Jasmin Hinze. Die 33-Jährige leitet den Tagestreff Carpe Diem der diakonischen Gesellschaft Wohnen und Beraten an der Poststraße. Dort gibt es wochentags ein warmes Mittagessen, Wasch- und Duschmöglichkeiten sowie eine kleine Kleiderkammer. „300 Menschen kamen im vergangenen Jahr regelmäßig zu uns“, berichtet Hinze. Aus ihrer Sicht gibt es in Wolfsburg zu wenig bezahlbaren Wohnraum. Die Folge: verdeckte Wohnungslosigkeit. So weiß sie von Menschen, die regelmäßig bei wechselnden Bekannten übernachten.

Tanja Weiler, Schatzmeisterin beim DRK-Ortsverein Wolfsburg-Mitte, wünscht sich, dass gerade Obdachlose die Kleiderkammer am Walter-Flex-Weg 12 aufsuchen würden. „Viele wissen offenbar gar nicht, dass es uns gibt“, vermutet sie. Damit sich das ändert, waren Mitte Dezember Frauen und Männer aus dem Wohnheim Borsigstraße zu Gast, um sich mit warmer Kleidung auszustatten. Hintergrund: Ursprünglich hingen am „Warmnachtsbaum“ in der Innenstadt Tüten mit Handschuhen, Mützen, Schals und warmen Socken. Da auch Passanten rücksichtslos zugriffen, brachen die Ehrenamtlichen aus der DRK-Kleiderkammer die Aktion kurzerhand ab (WAZ berichtete). „Darüber sind wir sehr verärgert und traurig“, sagt Tanja Weiler.

Anzeige

Kaum Berührungspunkte mit Obdachlosen hat dagegen die Wolfsburger Tafel an der Kleiststraße. „Vielleicht kommen zehn im Jahr“, weiß Mitarbeiterin Sabine Ricke.

Keine genauen Zahlen

Obdachlosigkeit spielt sich in Wolfsburg zu einem Großteil im Verborgenen ab. „Wie viele Menschen in Wolfsburg auf der Straße leben, entzieht sich unserer Kenntnis“, sagt Stadtsprecherin Elke Wichmann auf WAZ-Anfrage. Dafür nennt sie aktuelle Belegungszahlen der städtischen Obdachlosenunterkunft an der Borsigstraße. Dort sind demnach 138 Personen untergebracht – gegenüber 146 Ende 2015.

Die Zahlen bedeuten einen deutlichen Anstieg im Vergleich zu 2011, als 103 Personen am Jahresende in den Räumlichkeiten lebten. Die Gründe für Obdachlosigkeit sind vielfältig. Dazu zählen nach Erkenntnissen der Stadt Wolfsburg unter anderem Arbeitslosigkeit, Trennung, Verschuldung, Erkrankungen und Suchtprobleme, wobei besonders Spielsucht und der Konsum von Drogen mit psychoaktiven Substanzen steigen.

joe