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Stadt Wolfsburg „Wir missionieren nicht“
Wolfsburg Stadt Wolfsburg „Wir missionieren nicht“
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08:05 16.11.2019
„Eine vaginale Geburt ist auch für das Kind besser“: Prof. Dr. Petry versucht, die Kaiserschnittrate niedrig zu halten. Quelle: Sebastian Bisch
Wolfsburg

Im Klinikum Wolfsburg schwankt der Anteil an Kaiserschnittgeburten seit zehn Jahren zwischen 26 und 28 Prozent, im letzten Jahr waren es 26,81 Prozent. Prof. Dr. Karl Ulrich Petry ist Chefarzt der Frauenklinik vor Ort und erklärt, warum er Kaiserschnitte kritisch sieht.

Das Klinikum Wolfsburg hat weniger Kaiserschnitte und mehr vaginale Geburten zu verzeichnen als der deutsche Durchschnitt. Wie kommt das?

Wir versuchen, unnötige Kaiserschnitte zu vermeiden. In vielen Fällen hilft schon ein Beratungsgespräch weiter, zum Beispiel wenn für eine Frau die erste Entbindung traumatisch war und sie deshalb zum Kaiserschnitt tendiert. Denn die zweite Geburt ist fast immer leichter als die erste, weil der Geburtskanal dann schon gedehnt ist. Und sogar eine Beckenendlage des Kindes [wenn das Kind mit dem Steiß in Richtung Ausgang zeigt und sich nicht von alleine rechtzeitig dreht, Anm. d. Red.], muss nicht zwangsläufig zum Kaiserschnitt führen: In jedem zweiten Fall kann man das Kind von außen noch drehen.

Deutschlandweit liegt der Anteil der Kaiserschnitte fast bei einem Drittel, und nur in wenigen Fällen handelt es sich um Wunschkaiserschnitte. Warum ist dieser Eingriff überhaupt so oft nötig?

Gute Frage. Denn Geburtshelfer und Hebammen sehen die hohe Rate an Kaiserschnitten eher kritisch. Zu einem Teil liegt der hohe Anteil am höheren Durchschnittsalter der Schwangeren. Vorerkrankungen und Bluthochdruck sind dann wahrscheinlicher und können wiederum eher einen Kaiserschnitt notwendig machen.

Auch bei Frauen, die schon ein oder mehrere Kinder per Kaiserschnitt geboren haben, steigt die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Kaiserschnitt. Warum?

Weil das Gewebe der Gebärmutter dann durch die Narben der Kaiserschnitte beeinträchtigt ist. Presswehen könnten dann zu Rissen führen. Das ist aber selten und eher nach mehreren Kaiserschnitten zu erwarten

Was sagen Sie einer Schwangeren, die beim Klinikum um einen Wunschkaiserschnitt bittet?

Nun, wir missionieren nicht. Wer einen Wunschkaiserschnitt möchte und gut informiert ist, der kann ihn auch bekommen. Allerdings weisen wir natürlich auf Nachteile und Risiken hin: Nach einem Kaiserschnitt ist die Mutter stärker gehandicapt. Und generell sind die Beschwerden größer als nach einer vaginalen Geburt. Selbst ein perfekter Kaiserschnitt macht kränker als eine Spontangeburt. Außerdem ist eine vaginale Geburt auch für das Kind besser: Der „Stress“ der Geburt durch den engen Geburtskanal ist wichtig – nach einem Kaiserschnitt hingegen haben die Säuglinge oft Anpassungsschwierigkeiten. Und der Kontakt mit der Vaginalflora ist auch wichtig für die Gesundheit des Kindes. Etwas anderes ist es, wenn eine medizinische Indikation vorliegt, der Kaiserschnitt also notwendig ist: Dann ist er auf jeden Fall die sicherere Alternative für Mutter und Kind.

Viele Schwangere befürchten, auf lange Sicht inkontinent zu werden, wenn sie auf natürlichem Wege gebären. Wie begründet ist diese Angst?

Das stimmt so nicht. Zwar haben Frauen nach einer Schwangerschaft häufiger einen abgesenkten Beckenboden und deshalb mit Inkontinenz zu kämpfen. Aber das liegt an der Schwangerschaft selbst und ist unabhängig von der Art der Geburt.

Von Frederike Müller

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