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Stadt Wolfsburg Wie in der Zuckerfabrik rund um die Uhr Süßes entsteht
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Wie in der Zuckerfabrik rund um die Uhr Süßes entsteht
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08:00 07.11.2019
Die Zuckerfabrik in Clauen ist schon von Weitem sichtbar. Quelle: Nordzucker
Clauen

In der Zuckerfabrik in Clauen gibt es alles Mögliche zu sehen – nur keinen Zucker. Lediglich auf Bildschirmen in der Steuerungszentrale ist das Endprodukt zu ahnen, die Monitore zeigen den Weg des Zuckers über Förderbänder. Die Zuckerproduktion ist mittlerweile hoch technisiert, die Rüben werden in großen Maschinen verarbeitet. Nur durch Schaugläser kann man hin und wieder einen Blick auf den jeweiligen Produktionsschritt werfen und verfolgen, wie aus der erdverkrusteten Rübe feiner weißer Zucker wird.

Es riecht süßlich-herb, wenn man sich der Zuckerfabrik Clauen im Landkreis Peine nähert. Es ist der Duft der kalten Jahreszeit in dieser Gegend – während der Kampagnemonate September bis Dezember/Januar, also der Zeit, in der in der Fabrik Zucker gewonnen wird, ist er je nach Wind oft über mehrere Kilometer wahrnehmbar. Typisch sind auch die weithin sichtbaren Wolken aus Wasserdampf, die aus den hohen Türmen der Fabrik aufsteigen.

Alle arbeiten unter „Volldampf“

Unzählige Trecker und Lastwagen fahren täglich vor, um die zuvor gerodeten Zuckerrüben zur Weiterverarbeitung in die Fabrik zu bringen: sechs Tage die Woche, rund um die Uhr. Nur Sonn- und Feiertage sind in der Regel ausgenommen, doch selbst hier gibt es Ausnahmen.

In vielen Schritten wird aus Zuckerrüben Zucker.

Es rumpelt, wenn sich die Anlieferfahrzeuge der Zuckerfabrik nähern, und mit jeder Anlieferung beginnt der gleicheAblauf: Bei der Ankunft auf dem Rübenhof wird das Fahrzeug gewogen, am sogenannten Rüpro automatisch eine Probe entnommen und an das Labor zur Ermittlung des Zuckergehaltes sowie der Menge des anhaftenden Drecks geschickt. Dann treten die Rüben den Weg durch die maschinelle Verarbeitung an. Sie werden gewaschen und klein geschnitten, für das Herauslösen des Zuckers aus den Zellen werden zusammen mit dem Wasser Kalk und Kohlensäure zu Hilfe genommen. Der Saft, der dann entsteht, ist zunächst ziemlich dünn, wird aber durch zweimaliges Verdampfen so eingedickt, dass eine Art Sirup entsteht. Um schließlich die gewünschte Größe an Zuckerkristallen zu erhalten, werden sogenannte Impfkristallen hinzugefügt, die das Wachstum der natürlichen Kristalle anregen – auch noch in einer zähflüssigen Masse.

Zucker ist durchsichtig

Diese Masse kühlt dann langsam ab und wird dabei sanft bewegt, damit die Kristalle weiter wachsen können. Im letzten Arbeitsschritt schließlich werden in riesigen Zentrifugen die Zuckerkristalle vom Sirup getrennt, jetzt erst wird auch der weiße Zucker erkennbar. „Eigentlich ist Zucker durchsichtig, nur durch die Lichtbrechung erscheint er weiß“, erklärt Winfried Gählert, Betriebsleiter der Nordzucker AG im Werk Clauen. Etwa zehn Stunden dauere es, bis aus der angelieferten Rübe fertiger Zucker entstanden ist. Übrig bleibt der abgeschleuderte Sirup, die Melasse, die für die Fütterung von Tieren sowie zur Gewinnung von Alkohol weiterverwendet werden kann.

In Clauen gibt’s nur losen Zucker

Zum Schluss wird der fertige Zucker in Clauen im großen Silo gelagert, bis Silofahrzeuge ihn ganzjährig zum Endabnehmer bringen. Diese großen Gebinde gehen nicht an die Endverbraucher, die sich ihren Kaffee süßen oder Kuchen backen wollen – für sie werden im Uelzener Nordzucker-Werk die bekannten Kilotüten und weitere Produkte abgefüllt.

Für die Herstellung der süßen Kristalle sind in Clauen nur wenige Mitarbeiter nötig. Zu ihnen gehören Industriemechaniker und Elektriker, Mess- und Regeltechniker, Rohrleitungsbauer, IT-Spezialisten, Laboranten und Verwaltungskräfte sowie einige Aushilfskräfte während der Kampagne. Dann jedoch herrscht Hochbetrieb, die technischen Angestellten arbeiten im Schichtbetrieb. Immer bereit, falls es an irgendeiner Stelle zu Störungen kommen sollte. Nebenbei müssen Verschleißteile ausgetauscht und die Anlagen fortlaufend überprüft werden.

Überwachung der Betriebsabläufe

Doch trotz der regen Betriebsamkeit geht es auffällig ruhig zu: Konzentriert sitzen die Verantwortlichen an den jeweiligen Bildschirmen in den Steuerungszentralen und beobachten über Kameras und Bildschirme die Stationen, die eine Rübe von der Anlieferung bis zur Verladung auf die Silo-Lastwagen durchläuft. Fließbilder zeigen, ob die Abläufe störungsfrei vonstatten gehen oder ob irgendwo von Hand eingegriffen werden muss – so ganz ohne menschliches Zutun läuft es dann eben doch nicht.

Weiterverwertung von Abfällen

Dafür ist die Zuckerfabrik eine erstaunlich nachhaltig arbeitende Anlage. Denn die Nebenprodukte, die anfallen, werden alle weiterverwendet. In der Reinigung der Rüben aussortierte Steine werden zum Teil zerkleinert im Straßenbau weiterverwendet. Auch der für die Zuckergewinnung eingesetzte Kalk wird später wieder abfiltriert und kann dann, bekannt unter dem Namen Carbokalk, in der Landwirtschaft als Dünger genutzt werden.

Ein weiteres vermeintliches Abfallprodukt sind Pellets. Um möglichst viel Zucker aus den Rüben zu gewinnen, werden sie zu etwa sieben Zentimeter langen Schnitzeln mit einem Durchmesser von etwa 0,5 Zentimeter zerkleinert. „Die Form kann man ungefähr mit Pommes vergleichen, nur etwas kleiner“, meint Andreas Affeldt, Leiter der Zuckerfabrik in Clauen. Da der Zucker nur ausgewaschen wird, bleiben die Schnitzel übrig. Sie werden getrocknet und gepresst und in Pelletform als begehrtes Tierfutter verkauft. Das Rübenkraut kann in Biogasanlagen verwertet werden.

Kraftstoff aus Zuckerrüben

Und die Rüben, die nicht für die Lebensmittelerzeugung genutzt werden können, finden Verwendung in der Herstellung von Bioethanol. Dies geschieht zum Beispiel in Klein Wanzleben in Sachsen-Anhalt. In unmittelbarer Nähe zur Zuckerfabrik hat die Nordzucker AG dort eine Anlage zur Herstellung von Bioethanol aufgebaut.

Informationen zur Zuckerfabrik in Clauen

Etwa drei Monate dauert die Ernte der Zuckerrüben, und vier Monate vergehen, bis die geernteten Rüben von den Feldern abgefahren und in den Fabriken zu Zucker verarbeitet sind. Rund 1,3 Millionen Tonnen Zuckerrüben wurden im vergangenen Jahr in die Zuckerfabrik Clauen transportiert, die 1869 gebaut wurde. Täglich haben etwa 520 Lieferfahrzeuge die Fabrik angefahren.

Großes Einzugsgebiet

Pro Tag wurden letztes Jahr 9400 Tonnen Rüben zu Zucker verarbeitet, in der gesamten Kampagne konnten so 202 000 Tonnen Weißzucker gewonnen werden.

Das Einzugsgebiet erstreckt sich vom östlichen Landkreis Hildesheim über den gesamten Landkreis Peine bis kurz vor Braunschweig, Salzgitter und Hannover. Circa 1000 landwirtschaftliche Betriebe der Region liefern die süßen Früchte an das Werk Clauen, das zur Nordzucker AG mit Sitz in Braunschweig gehört.

Je nach Wachstums- und Erntebedingungen können die Rüben einen Zuckergehalt von teils über 20 Prozent anreichern, der Durchschnitt liegt jedoch bei etwa 18 Prozent.

Nur wenig Abfall

In der Verarbeitung kann fast die ganze Rübe verwendet werden, für die Herstellung von einer Tonne Zucker fallen nur 1,5 Kilo Abfall an. Neben dem Zucker werden Futtermittel und Dünger hergestellt und so die Reste weiterverarbeitet. Wasser wird aufbereitet und dem Produktionskreislauf wieder zugeführt, Wärme und Strom im hauseigenen Kesselhaus selbst produziert. Und auch bei den weithin sichtbaren Wolken, die über der Fabrik aufsteigen, handelt es sich fast ausschließlich um Wasserdampf. Laut Angaben von Nordzucker entstehen Kohlendioxid-Emissionen von 288 Kilogramm je Produktion von einer Tonne Zucker.

Einladung zur Werksbesichtigung

Übrigens: Die Nordzucker AG lädt dazu ein, selbst die Zuckerfabriken zu besuchen und sich direkt vor Ort über die Produktion von Zucker zu informieren. Ansprechpartner ist die Nordzucker AG unter der Telefonnummer (05 31) 2 41 10 oder Anfrage per E-Mail an info@nordzucker.de. Im Werk Clauen kann unter (0 51 28) 40 51 35 nachgefragt werden.

Von Antje Ehlers

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