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Stadt Wolfsburg Wie ein Fotograf den Westen erfand
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Wie ein Fotograf den Westen erfand
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12:00 22.08.2019
Die Mächtigen hautnah: Will McBrides Bild von John F. Kennedy, Willy Brandt und Konrad Adenauer zeigt seine unverwechselbare, sehr persönliche Art zu fotografieren. Quelle: Foto: Will McBride
Wolfsburg

Ein karierter Hut ziert Konrad Adenauers Kopf, sein Mantel ist feucht vom Regen. In der rechten Hand hält er eine weiße Rose, die er dem Betrachter entgegenstreckt – und ist da nicht die winzige Andeutung eines Lächelns in seinem hageren Gesicht? 1964 entstand das Foto, das den Altbundeskanzler in seinem Garten in Rhöndorf zeigt, in einer fast schon heiteren Pose.

Festgehalten hat den Moment der amerikanische Fotograf Will McBride. Ulf Erdmann Ziegler, Schriftsteller und Kunstkritiker, hat ihm mit dem bebilderten Essay „Die Erfindung des Westens“ ein biografisches Denkmal gesetzt – und betrachtet darin zugleich aus kulturgeschichtlichem Blickwinkel die junge Bundesrepublik. Am Dienstag, 3. September, liest Ziegler im Foyer des Kunstmuseums aus seinem Buch und stellt sich anschließend den Fragen des Publikums. Die WAZ sprach vorab mit dem Autor über seine Arbeit.

McBride war überzeugt, dass es geht“

Herr Ziegler, haben Sie Will McBride mal persönlich getroffen?

Tatsächlich habe ich ihn mal in Frankfurt besucht, weil ich gern zusammen mit ihm ein Buch machen wollte. Daraus wurde aber nichts – das, was er sich überlegt hatte, war viel zu groß für den kleinen Verlag, mit dem ich verbunden war. Aber McBride war überzeugt, dass es geht, und er hat einfach weitergesucht, bis er jemanden fand, der so groß dachte wie er selbst.

Der Titel Ihres Buches deutet an, dass McBride die junge Bundesrepublik nicht einfach nur abgelichtet, sondern quasi mit erschaffen habe – wie meinen Sie das?

Als Amerikaner hatte er einen ganz speziellen Blick, den eines Außenseiters, der aber auf uramerikanische Weise voller Zuversicht in die Zukunft schaut. Mit diesem Blick ist es ihm gelungen, sehr früh, wenn nicht gar als Erster, zu sehen, wohin sich Deutschland entwickeln würde: weg vom staubgrauen Spießerland und hin zu einer offenen Gesellschaft jenseits von Konventionen. Dieser Aufbruch, dieses Neue ist in seinen Fotos, aber er hat auch selbst daran teil gehabt.

Das Foto von Adenauer im Garten, aber auch das Bild von ihm, John F. Kennedy und Willy Brandt im Cabrio vorm Brandenburger Tor haben etwas fast schon Intimes. Kannte McBride all diese prominenten Politiker persönlich?

Zumindest diese drei hatte er tatsächlich zuvor schon kennen gelernt. Nur so war es ihm möglich, das Bild im Cabrio zu machen – er ist so nah an die drei herangegangen, dass es fast wirkt, als säße er selbst mit im Wagen.

„Seine Fotografien haben ein Geheimnis“

Wann haben Sie sich entschlossen, diesen Künstler zum Thema eines Buches zu machen?

Als McBride 2015 starb, habe ich für die taz einen Nachruf über ihn geschrieben. In diesem Moment wurde mir klar, wie bedeutend er war, in der Fotografie und für die Bundesrepublik. Seine Fotografien haben ein Geheimnis, und dem wollte ich auf den Grund gehen. McBride hatte sich selbst sehr subtil selbst stilisiert, aber ich wollte ihn kulturgeschichtlich entschlüsseln, wissen, wie er „den Westen erfunden“ hat.

Reden Sie mit – wir laden Sie ein!

Künstler, Spießer, kleine Geister und große Erwartungen: Die Bundesrepublik der Fünfziger- und Sechzigerjahre war ein Kaleidoskop von Gegensätzen und zugleich der Nährboden für das moderne, in vielerlei Hinsicht befreite Deutschland. In Ulf Erdmann Zieglers Buch „Die Erfindung des Westens“ wird all das auf amüsante und faszinierende Weise in Beziehung gesetzt zum Leben und Wirken des Fotografen Will McBride. Die WAZ und das Kunstmuseum laden Sie ein, am Dienstag, 3. September, um 18 Uhr zur Lesung mit anschließender Diskussion ins Foyer des Museums zu kommen. Museumsdirektor Dr. Andreas Beitin und WAZ-Chefredakteurin Stefanie Gollasch moderieren den Abend und freuen sich darauf, mit Ulf Erdmann Ziegler und Ihnen ins Gespräch zu kommen. Der Eintritt ist frei, die Platzzahl ist aber eng begrenzt. Wenn Sie dabei sein möchten, melden Sie sich bitte bis Freitag, 30. August, per E-Mail unter Veranstaltungen@kunstmuseum-wolfsburg.de oder telefonisch unter (0 53 61) 26 69 23.

Von Stefanie Gollasch

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