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Stadt Wolfsburg Brillen für einen Ureinwohner: Wolfsburger Optiker fährt extra nach Norwegen
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Brillen für einen Ureinwohner: Wolfsburger Optiker fährt extra nach Norwegen
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14:05 07.11.2019
Beginn einer Freundschaft: Der Wolfsburger Optiker Ehme de Riese (links) hat dem norwegischen Ureinwohner John Skognes eine Brille verpasst. Quelle: Foto: Privat
Wolfsburg

Ein ungleicheres Paar kann man sich kaum vorstellen: Der Wolfsburger Optiker und Paradiesvogel Ehme de Riese steht Arm in Arm mit John Skognes, einem norwegischen Ureinwohner mit dem Gesicht, das an einen alten Indianer erinnert, langen Haaren und grauem Fleece-Shirt. Der Zufall hat die beiden zusammengeführt – und das Ergebnis dieser neuen Freundschaft sitzt bunt auf Skognes’ Nase: de Riese hat dem Norweger zwei ganz individuelle Brillen angefertigt und ist dafür einfach mal 1400 Kilometer weit gefahren.

Norwegen scheint für den Wolfsburger Optiker generell einige überraschende Zufälle bereitzuhalten. Im Sommerurlaub war de Riese mit seiner Familie auf der Suche nach einem Stellplatz für sein Wohnmobil, als er zufällig auf einen ehemaligen Kollegen traf: Dierk Rengstorf hat in Gifhorn den gleichen Beruf ausgeübt, bevor er vor 35 Jahren nach Norwegen auswanderte, wo er sein Ferien- und Seminarcenter auf seinem Bauernhof betreibt. Dass Ehme de Riese ausgerechnet bei ihm unterkam, sollte sich später noch als sehr nützlich erweisen.

Es war eigentlich nur eine Zufallsbekanntschaft. Doch der Wolfsburger Optiker Ehme de Riese und der norwegische Künstler John Skognes haben sich angefreundet.

Denn der Wolfsburger de Riese wollte aus Norwegen gern ausgefallene Tassen als Geschenk für seine Mitarbeiter mitbringen. Dierk Rengstorf empfahl ihm einen Künstler, der abgeschieden in den Bergen wohne. Ohne moderne Technik oder ein Auto lebt John Skognes einzig fürs Fischen und für seine Kunst, die Keramik, die er bis zu zweimal im Jahr in Oslo ausstellt. Er gehört zum Volk der Samen, den Ureinwohnern Norwegens, die inzwischen eine winzige Minderheit darstellen.

Mit einer Brille beginnt die Freundschaft

Doch als de Riese nach zweieinhalb Stunden bei Skognes’ Haus ankam, wurde er nicht allzu überschwänglich begrüßt: „Er wollte von mir buntem Vogel gar nichts wissen!“, lacht de Riese. Nur de Rieses Beruf und seine ausgefallene Brille weckten anfangs das Interesse des Norwegers.

Besonders faszinierte den Künstler, dass die Brillen handgefertigte Einzelstücke sind, genau wie die Keramiken von John Skognes. „Wenn Du mir eine Brille machst, dann bin ich der Einzige, der diese Brille trägt?“ „Versprochen!“, antwortete de Riese. Nun aber sollte es nicht irgendeine Brille sein: „John Skognes wollte unbedingt so ein buntes Unikat von Ehme“, berichtet de Riese. Der Same hatte schon lange nur mit einem zerschlissenen Modell aus dem Supermarkt Vorlieb genommen. Der nächste Optiker ist 150 km entfernt, und Skognes besitzt nur ein Fahrrad.

Der Ehrgeiz des Optikers ist geweckt: Auf dem Dachboden seines Freundes Rengstorf findet er glücklicherweise noch ein alten Gläserkasten zum Augenvermessen. Längst nicht mehr Standard, tut der Kasten doch, was er soll: Am nächsten Tag fährt de Riese damit abermals in die Berge und bestimmt die Sehstärke des Samen.

De Riese bringt die Brillen selbst nach Norwegen

Zurück in Wolfsburg lässt de Riese zwei Gestelle fertigen, in denen er die Farben von Skognes Atelier auffängt. Und anstatt sie in ein Päckchen zu schnüren, macht er sich selbst nochmals auf den Weg und fährt über 1400 Kilometer, um sie persönlich auf einem Silbertablett zu überreichen. „Die Freude, Tränen in den Augen des Mannes zu sehen, der zu Anfang nichts von mir wissen wollte, war es mir wert!“, erklärt der Wolfsburger.

Im April wird de Riese das nächste Mal hinfahren – dann will Skognes ihn in sein Kunsthandwerk einweihen. Und wenn alles klappt, möchte der Optiker seinem neuen Freund schon bald eine eigene Ausstellung in Wolfsburg organisieren.

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