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Stadt Wolfsburg Wie Wolfsburg und Halberstadt Freunde wurden
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Wie Wolfsburg und Halberstadt Freunde wurden
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16:11 06.11.2019
Sichtbares Zeichen: Erinnerungstafel auf dem Weg nach Halberstadt an der B 79. Quelle: Foto: Archiv
Wolfsburg

Der 24. Oktober 1989 war für Wolfsburg und Halberstadt (DDR) ein wichtiger Tag: An diesem Dienstag stimmte die Stadtverordnetenversammlung von Halberstadt dem Partnerschaftsvertrag zwischen beiden Städten zu – vor 30 Jahren ein brisantes Politikum. Denn die DDR taumelte zu diesem Zeitpunkt bereits ihrem Ende entgegen, zwei Wochen gingen die Grenzen auf.

Ehemaliger Wolfsburger Bürgermeister Kolbe war vor 30 Jahren dabei

Der damalige Wolfsburger Bürgermeister Manfred Kolbe (CDU) war vor 30 Jahren im Halberstädter Rathaus dabei. „Städtepartnerschaften zwischen Bundesrepublik und DDR waren eine Seltenheit und politisch durchaus heikel“, sagt er rückblickend. „Auf Seiten der DDR fiel die Entscheidung auf allerhöchster Ebene“. Im Klartext: Erich Honecker, mächtigster Mann der DDR, hatte die Verbindung zwischen Halberstadt und Wolfsburg offenbar kurz vor seinem erzwungenen Rücktritt am 18. Oktober 1989 noch persönlich erlaubt.

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Die DDR zerfiel zu diesem Zeitpunkt bereits. Massendemonstrationen, Massenflucht über die CSSR (Tschechien) und Ungarn, hektische Umbesetzungen in Partei- und Staatsführung – die Zeichen an der Wand waren deutlich. Halberstadts Bürgermeister Herbert Weber (SED) sprach dann auch bei der Billigung des Partnerschaftsvertrags zu Recht von einer „derzeit sehr komplizierten Lage“.

In Wolfsburg spürte man die großen Veränderungen in der DDR

„Wir Wolfsburger spürten natürlich auch, dass sich in der DDR große Veränderungen abzeichneten, aber nur die wenigsten ahnten wohl, dass wenig später Grenzen und Mauern fallen würden“, so Manfred Kolbe, der bei der Billigung des Vertrags zu der 35-köpfigen Delegation aus Wolfsburg gehörte, die vom damaligen Oberbürgermeister Werner Schlimme (CDU) angeführt wurde. „Man bemerkte auf Seiten der Halberstädter Offiziellen eine große Unsicherheit, von Offenheit konnte keine Rede sein“, so Kolbe.

 Die Verhandlungen für diese deutsch-deutsche Städtepartnerschaft waren langwierig gewesen. Nur gut 62 Kilometer Luftlinie von einander getrennt, war auf DDR-Seite das Misstrauen groß – Kontakte zum Klassenfeind in der Bundesrepublik waren selten, auch zu Zeiten der Entspannungspolitik zwischen Ost und West. So hatte die DDR zunächst von Halberstadt nicht viel wissen wollen, sondern (vergebens) Eisenach als Partnerstadt ins Spiel gebracht. Doch Wolfsburg beharrte auf Halberstadt im nahen Sachsen-Anhalt.

Früherer Wolfsburger Stadtdirektor Odenbreit erinnert sich

Bei Vorbereitungsbesuchen in Halberstadt war die Stimmung nicht immer freundlich, wie sich der frühere Wolfsburger Stadtdirektor Günter Odenbreit erinnert. Bei einer Reise nach Halberstadt habe man die dreiköpfige Gruppe aus Wolfsburg im Rathaus lange warten lassen, dann sei man schließlich auf eine Parteisekretärin gestoßen, die aus ihrer Ablehnung keinerlei Hehl machte. Odenbreit: „Sie erklärte sehr deutlich, dass sie die Partnerschaft mit einer Stadt aus der Bundesrepublik ablehnte.“ Schließlich lud die Parteisekretärin die Wolfsburger in ein überheiztes Büro unter dem Dach ein, forderte die Gäste aber erst nach zehn Minuten auf, doch die Mäntel abzulegen. Am Ende allerdings taute die Dame etwas auf und kochte für die Besucher sogar Kaffee – und zwar Westkaffee, den sie in ihrem Büroschrank gelagert hatte.

Wolfsburg und Halberstadt besiegeln Städtepartnerschaft

Nachdem die Städtepartnerschaft am 24. Oktober 1989 offiziell besiegelt worden war, durfte die Delegation aus Wolfsburg noch einen Tag in Halberstadt bleiben. Dabei erlebten die Teilnehmer ungewöhnliche Situationen. Sie wurden um D-Mark angebettelt, sahen lange Schlangen vor den Geschäften – und konnten sich das Lachen kaum verkneifen, als eine CDU-Ratsfrau einem überrumpelten SED-Politiker spontan eine Niedersachsen-Anstecknadel gleich neben das Parteiabzeichen an Revers heftete.

1990 sollte dann ein Partnerschaftsprogramm in Kraft treten, das zehn Punkte umfasste. Stattfinden sollten unter anderem Friedensseminare, Konzerte, Fotoausstellungen und ein (eher unpolitischer) Kegelvergleich. Doch die Geschichte wollte es anders: Was nach der Grenzöffnung passierte, ging weit über diese offiziellen Punkte hinaus. Bereits am ersten Wochenende nach dem Mauerfall strömten Zehntausende DDR-Bürger nach Wolfsburg, darunter auch Menschen aus Halberstadt, die bemalte Pappplakate trugen mit der Aufschrift: „Halberstadt grüßt die Partnerstadt Wolfsburg“ – die Erlaubnis von Erich Honecker benötigten sie dafür nicht mehr.

Eine Freundschaft feiert Geburtstag

Nach der Grenzöffnung vor 30 Jahren und der folgenden Wiedervereinigung wurde die Partnerschaft zwischen Halberstadt und Wolfsburg rasch mit Leben erfüllt, unabhängig von politischen Vorgaben. Schon wenige Tage nach der überraschenden Grenzöffnung verkehrte täglich ein Bus zwischen den Städten, die Kosten für den Ausflug nach Wolfsburg betrugen 22,90 Ostmark – in kürzester Zeit waren die Fahrten für die ersten zehn Tage ausverkauft. In Wolfsburg gab es zudem dem Halberstadt-Kreis, dem Kirchengemeinden und Privatleute angehörten. Er sammelte Spenden für Halberstädter Krankenhäuser und Kinderheime, bat um Obst, Schokolade, Windeln oder Creme. Ein Bulli des DRK brachte die Sachspenden in die Partnerstadt. Später half Wolfsburg noch in weitaus größerem Maße zum Beispiel beim Wiederaufbau der Halberstädter Altstadt und der Dom-Sanierung, aber auch mit Fahrzeugen für die Halberstädter Feuerwehr und ähnlichen Maßnahmen. Schon bald gab es auch Kontakte zwischen Chören oder Fahrradgruppen, Führungen für Besuchergruppen aus der jeweils anderen Stadt, Fußballspiele und Konzerte – zwei Städte als echte Partner.

Zum 30-jährigen Jubiläum der Partnerschaft und der Grenzöffnung soll auch in diesem Jahr ein Programm stattfinden. Geplant sind unter anderem Fotoausstellungen in beiden Städten. In Wolfsburg findet die Finissage der Ausstellung „In der Stadt“ am Samstag, 26. Oktober, um 11 Uhr in der Bürgerhalle des Rathauses statt. Außerdem gibt es ein deutsch-polnisches Konzert mit Musikschülern der Partnerstädte, am Samstag, 9. November, um 18 Uhr im Gartensaal des Wolfsburger Schlosses.

Von Carsten Baschin

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