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Stadt Wolfsburg Was Wolfsburger Einzelhändler von der Bonpflicht halten
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Was Wolfsburger Einzelhändler von der Bonpflicht halten
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16:53 26.12.2019
Unnötiger Papiermüll: Francesca Semeraro (l.) und Elvira Meinke zeigen nicht angenommene Kundenbons. Quelle: Boris Baschin
Wolfsburg

Ein Besuch im Kiosk an der Porschestraße nebenan reicht, um die Auswirkungen des neuen Kassengesetzes auf die Umwelt zu errechnen: Die Quittung über eine Packung Kaugummi hat eine Länge von rund 14 Zentimetern. Eingedenk der Breite des Belegs würden bei täglich mehreren hundert Kunden in wenigen Tagen genug Zettel zusammenkommen, um bequem die Wände des Kiosks tapezieren zu können.

Einen Probelauf hat Valeska Schollbach bereits hinter sich. „Da sind manchmal wahre Girlanden an Bons entstanden“, sagt die Verkäuferin. Natürlich würden auch jetzt auf Wunsch Bons gedruckt, damit Kunden beim weiteren Shopping den Kauf der Zeitschrift im Kiosk belegen können. Aber ein Bon für eine Streichholzschachtel im Wert von zehn Cent? „Das ist reine Umweltverschmutzung. Sinn ergeben die Belege für den Kunden höchstens bei Garantiefällen“, meint auch Kunde Nelson Gündermann.

60 Kilometer Kassenbons im Jahr

Am 1. Januar 2020 tritt die Kassensicherungsverordnung in Kraft – oder kurz: das Kassengesetz. Es verpflichtet Händler und Gastronomen, dem Kunden für jeden Kauf einen Kassenbeleg zu übergeben. Das soll Umsatzsteuerbetrug verhindern. Für die Kioske von André Fedyk bedeutet es vor allem mehr Papiermüll.

„Das Gesetz verursacht Kosten und ist in Bezug auf die Umweltdebatte sehr fragwürdig. Wir erfüllen bereits die Registrierkassenpflicht, auf jeden Bon haben wir zehn Jahre lang Zugriff“, erklärt der Geschäftsführer der City Shop West Kiosk GmbH. In seinem Filialnetz würden allein nur für das Kioskgeschäft im Jahr 435 000 Kassenbons zusammenkommen – das reicht für eine 60 Kilometer lange Papierkette. Umweltverbände kritisieren, dass die Belege auf Thermopapier nicht recycelbar seien.

„Für den Kunden ist es nur von Vorteil“

Nicht jeder sieht das Gesetz kritisch: „Transparenz ist Standard heutzutage“, sagt Gmyrek-Geschäftsführer Michael Göhlich. Schon seit Jahren werde den Kunden ein Bon ausgedruckt. Zusatzkosten kämen daher auf seinen Betrieb nicht zu. „Für den Kunden ist ein Bon nur von Vorteil, weil er seine Ausgaben im Blick hat“, meint Göhlich. Dem Umweltgedanken versuche man an anderer Stelle Rechnung zu tragen, etwa beim Umstieg auf umweltfreundlicheres Packpapier für die Wurstwaren.

Ein Bon für den Brötchenkauf

Auch die Bäcker müssen künftig bei jedem Brötchenkauf dem Kunden einen Bon auf den Tresen legen. Bei Leifert erfordert die Umstellung keinen großen Aufwand. Schon jetzt werde auf Wunsch oder bei EC-Zahlungen ein Beleg ausgegeben, sagt Geschäftsführerin Anette Leifert. Künftig würden die Kassen einfach so eingestellt, dass diese den Bon automatisch druckten. Was sie von dem Gesetz hält? „Es ist nun einmal Pflicht. Wir haben zwar einen Antrag auf Befreiung ans Finanzamt gestellt, aber noch keine Antwort erhalten“, ergänzt Leifert.

Auch Cadera-Geschäftsführer Hendrik Wolf-Doettinchem sagt, dass die Umstellung auf Bonpflicht keinen großen Aufwand erfordere. Die Menge des zusätzlichen Papiermülls, der dadurch in den Filialen entsteht, schätzt er auf zwei Tonnen pro Jahr. Doch im Verhältnis zu der Papiermenge, die durch Werbebeilagen jährlich an die Haushalte verteilt werde, sei das wenig. Um die Umwelt zu entlasten, sei es effektiver, zum Beispiel die Verwendung von Plastiktüten für Schnittbrot zu reduzieren.

„Unnötige Bürokratie für die Händler“

Die Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg sieht das Gesetz nicht nur wegen Kosten und Müllverursachung problematisch: „Wir sehen mit der Belegpflicht unnötige Bürokratie auf die Händler zukommen“, sagt Volker Linde, IHK-Bereichsleiter Standort- und Politikberatung. „Bons sollten im Massengeschäft, wo es um Kleinstbeträge geht, nicht zwingend erforderlich sein.“ Um Steuerhinterziehung zu verhindern, gebe es deutlich wirkungsvollere Maßnahmen wie etwa unangekündigte Kontrollen und Testeinkäufe des Finanzamts im Handel.

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Von Christian Opel

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