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Stadt Wolfsburg Versuchter Totschlag: Haftstrafe für Ehemann
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Versuchter Totschlag: Haftstrafe für Ehemann
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19:13 29.11.2018
Anwalt Tornow (l.) mit dem Angeklagten: Der 63-Jährige will nicht in Revision gehen.
Anwalt Tornow (l.) mit dem Angeklagten: Der 63-Jährige will nicht in Revision gehen. Quelle: Andrea Müller-Kudelka
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Vorsfelde

Das Urteil ist gefällt: Der wegen versuchten Totschlags angeklagte 63-Jährige aus Vorsfelde (WAZ berichtete) wird sechs Jahre und sechs Monate Haft absitzen müssen – davon ein Jahr im klassischen Vollzug, den Rest der Zeit in einer Entziehungsanstalt.

Brutalität zeigt Folgen

Der Mann hatte seine Ehefrau unter Alkoholeinfluss nach einem Streit um einen Autoschlüssel geschlagen, getreten und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Der Vorsitzende Richter am Landgericht in Braunschweig betonte, die Reue des Täters sei glaubhaft und eine Persönlichkeitsstörung als mildernder Umstand zu berücksichtigen. Die Verletzungen und Folgen für das Opfer wegen der Brutalität seien aber so schwer, dass ein Strafmaß im oberen Bereich des Üblichen angemessen sei.

Kein Zweifel an der Tötungsabsicht

Strafverteidiger Michael Tornow hatte die Forderung der Staatsanwaltschaft (sieben Jahre Haft) als weit überzogen bezeichnet und darauf hingewiesen, dass das schon die Mindeststrafe bei vollendeter Tötung ist. „Es war ja auch nicht weit weg“ erinnerte jetzt Richter Dr. Ralf-Michael Polomski an Bilder vom Tatort, die „selbst gestandene Polizeibeamte“ schockiert hatten. Das Gericht sei überzeugt, dass der Angeklagte mit Tötungsabsicht gehandelt und erst von der Frau abgelassen habe, als diese sich nicht mehr rührte, weil sie ohnmächtig war. Etwa acht Minuten dauerte diese Raserei – von ihrem Notruf bis zum Eintreffen der Polizei.

Schmerzensgeld-Höhe nicht festgelegt

Klaus Peineke, Rechtsanwalt der Ehefrau, hatte 20.000 Euro Schmerzensgeld gefordert. Durchaus angemessen, gerade angesichts ihres Verlustes von Geruchs- und Geschmackssinn, befand das Gericht. Es sei aber abzuwarten, wie die Heilung voranschreitet und ob sich nicht weitere Folgen zeigen. Deshalb fiel zur Höhe noch kein Beschluss. Nach erster Aktendurchschicht hatte Dr. Polomski sogar eine Verurteilung wegen versuchten Mordes in Erwägung gezogen (zehn Jahre Haft). Die Zeugenaussagen und das Verhalten des Angeklagten während des Prozesses sorgten jedoch für eine andere Einschätzung.

Perspektiven

„Ihr Leben ist ein Trümmerhaufen“, resümierte der Richter. Durch extrem brutales Vorgehen habe der 63-Jährige bei der Frau, die ihm vertraute und selbst nach dem fünften in Wut zerstörten Fernsehgerät noch zu ihm hielt, verspielt. Die Haftstrafe innerhalb einer psychiatrischen Einrichtung eröffne ihm trotzdem „eine gute Perspektive“. Seine Frau werde noch lange leiden, auch nach der bereits eingereichten Scheidung. Revision will der Angeklagte voraussichtlich nicht einlegen.

Von Andrea Müller-Kudelka