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Stadt Wolfsburg Warum einige Landwirte ihre Wiesen jetzt mit Drohnen durchsuchen
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Warum einige Landwirte ihre Wiesen jetzt mit Drohnen durchsuchen
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00:22 10.06.2019
Mittels Drohne werden Rehkitze vor der Wiesenmahd heute oft aus der Luft gesucht und gefunden. Quelle: Sven Warnecke
Wolfsburg

Ralph Schräder, Vorsitzender der Jägerschaft in Wolfsburg, und Kai Lindner, Leiter des Hegerings Fallersleben, haben die ersten Mäharbeiten auf großflächigen Wiesen wie jetzt im Barnbruch mit gerunzelter Stirn beobachtet. Die beiden sorgen sich um Rehkitze. Einer ihrer Feinde ist das Mähwerk. „Landwirte sind verpflichtet, vor der Mahd zu prüfen, dass keine Wildtiere zu Schaden kommen“, mahnt Lindner. Und das sei auch nicht zu viel verlangt.

Appell an Landwirte, Pferdehalter und Firmen

Er müsste es wissen – denn er ist selbst Landwirt. Die Jäger würden gern bei der Prüfung helfen, versichern Schräder und Lindner. „Einfach beim zuständigen Hegeringleiter anfragen“, raten beide. Und Lindner richtet diesen Appell nicht nur an seine direkten Berufskollegen, sondern auch an Pferdehalter, städtische Mitarbeiter oder Firmen.

Darauf sollten Landwirte achten

Nicht jedes Wildtier kann gerettet werden – aber die Landwirte sind aufgerufen, die Gefahr während der Erntezeit möglichst gering zu halten. Hier Handlungsempfehlungen der Deutschen Wildtierstiftung:

Schnitthöhe: Je höher der Schnitt, desto geringer sind Verluste bei kauernden Tieren oder brütenden Vögeln.

Mahdrichtung: Mäht man von innen nach außen, bietet das ausgewachsenen Tieren die Chance zur Flucht. Es hilft auch, nur Teilstücke in zeitlichem Abstand zu mähen und Randstreifen ungemäht zu lassen.

Schnittzeitpunkt und -frequenz: Späte Schnitte – ab Mitte Juli – vermindern die Verluste deutlich. Und ein größerer Abstand zwischen der ersten und der zweite Mahd erhöht die Chance für Zweitgelege bei Bodenbrütern.

Technologie: Messerbalkenmähwerke verursachen wenige Wildtier-Tode als Kreiselmäher. Das Anbringen von Blenden rund um das Mähwerk oder von Ketten an einem Ausleger scheucht zudem direkt vor der Mahd noch viele Tiere auf.

Nicht nur Rehkitze sind jetzt besonders gefährdet. Für Feldhasen gilt die Gefahr sogar von März bis Oktober, bei Rebhuhn und Wachtel von Mai bis September, die Feldlerche ist von April bis August auf den Wiesen unterwegs und der Igel von April bis Oktober.

Rehkitz nicht mit bloßen Händen wegtragen

Wichtig ist, dass die Kitze nicht mit bloßen Händen weggetragen werden – denn dann nimmt ihr Fell menschlichen Geruch an und sie werden von der Familie nicht mehr akzeptiert. Die Jäger benutzten für die jüngsten im Zweifelsfall Handschuhe oder große Pappkartons. Im Anschluss an die Mahd wird Bambi dann wieder freigelassen.

Drohnen mit Wärmebildkamera im Einsatz

„Zum Glück haben wir hier nur wenige ganz große Flächen“, sagt Lindner. Da reicht es meist, wenn mehrere Helfer die Wiese zu Fuß und mit offenen Augen oder mit Hunden durchstreifen. In anderen Gegenden greifen Landwirte auch zu Hilfsmitteln wie fliegenden Drohnen mit Wärmebildkamera. Das schützt übrigens nicht nur Rehe, sondern auch Rebhühner oder Fasane – früher in der Region rund um Wolfsburg häufig anzutreffen, inzwischen aber auch hier nur noch sehr selten zu finden.

Gerichtsurteile gegen Landwirte wegen getöteter Rehkitze

Was passieren kann, wenn so eine Prüfung nicht stattfindet, zeigen zwei Gerichtsverhandlungen aus jüngster Zeit: Im Saarland wurde ein Landwirt wegen 15-facher Jagdwilderei verurteilt. Er hatte 2018 mit einem neun Meter breiten Mähwerk zwölf Rehkitze, eine trächtige Geiß und zwei Böcke zerstückelt oder so schwer verletzt, dass sie getötet werden musten. In Langlingen fanden 13 Rehkitze bei Erntearbeiten eines Bauern aus Gifhorn auf gepachtetem Land den Tod, er wurde in Celle zu einer Geldstrafe verurteilt. „Man rechnet damit, dass deutschlandweit mehr als 100.000 Kitze den Mähtod erleiden“, sagt Ralph Schräder. „Wenn man noch 250.000 Tiere draufrechnet, die im Verkehr den Tod finden – eine große Anzahl davon sind Rehe – dann ist das eine gigantische Zahl!“

Beratung und Hilfe bei der Prüfung der Ernteflächen gibt es auf Anfrage, Kontaktadressen findet man unter www.jaegerschaftwolfsburg.de.

Von Andrea Müller-Kudelka

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