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Stadt Wolfsburg Vergewaltigung in einer Beziehung: Arrest, Beratung und Geldstrafe
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Vergewaltigung in einer Beziehung: Arrest, Beratung und Geldstrafe
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00:21 02.12.2018
Amtsgericht Wolfsburg: Vor Gericht stand ein 20-Jähriger, der seine damalige Freundin vergewaltigt hat.
Amtsgericht Wolfsburg: Vor Gericht stand ein 20-Jähriger, der seine damalige Freundin vergewaltigt hat. Quelle: Tim Schulze (Archiv)
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Stadtmitte

Ein zum Tatzeitpunkt gerade erst 18 Jahre alter Täter wurde jetzt vom Jugendschöffengericht am Amtsgericht Wolfsburg zu drei Wochen Dauerarrest, acht Beratungsgesprächen und einer Geldstrafe von 500 Euro verurteilt, nachdem er die Vergewaltigung (sexuelle Nötigung in besonders schwerem Fall) gestanden und sich explizit beim Opfer entschuldigt hatte.

Zwei junge Menschen (er heute 20 und sie 26) treffen im Gerichtssaal aufeinander, beide am Boden zerstört, das sieht man ihnen deutlich an. Es ist ihnen peinlich. Sie haben Angst, was gleich auf sie zukommen wird: Er, weil er sich für eine Straftat verantworten muss, die er bereut. Sie, weil sie zum Opfer einer Straftat geworden ist, die sie im schlimmsten Fall gleich erneut in Form der verbalen Aufarbeitung in einer öffentlichen Verhandlung durchleben muss. Sie waren einmal ein Liebespaar, und nun steht der Vorwurf der Vergewaltigung im Raum. Ein Verbrechen. Was war geschehen?

Kennengelernt haben sie sich auf einer Fahrt mit dem Flixbus: Er, der junge Geflüchtete aus Syrien (gerade 18) und sie (damals 24), eine deutsche Studentin. Man tauschte Telefonnummern aus, es kam zu einer Beziehung, die mehrere Monate andauerte. Sie besuchte ihn regelmäßig – auch über Nacht – im Flüchtlingsheim in Meinersen, es wurden Zärtlichkeiten ausgetauscht. Aber dann, im Herbst 2016 kam diese eine Nacht, in der er mehr wollte als sie. Sie sagte eindeutig „Nein“ und er tat es doch. Weil er sich einfach nicht beherrschen konnte, wie er selbst aussagt. Das ist die Tat in Kurzform, auf Details wird verzichtet.

Das Schwierige in diesem Fall: Es gab eine Beziehung, sie hat ihm vertraut. Und auch, wenn im Laufe der Beziehung bereits andere Zärtlichkeiten ausgetauscht worden waren: „Ein Nein ist und bleibt ein Nein!“, stellte die Rechtsanwältin der Nebenklägerin klar. Als die Richterin weitere Nachfragen stellte, schämte sich der Angeklagte und bat seinen Verteidiger, für ihn zu antworten. Aber die Richterin machte deutlich: „Das können wir ihnen hier nicht ersparen, dem Opfer ist auch nichts erspart geblieben.“ Abschließend konnte aufgrund des Geständnisses auf eine erneute Aussage des Opfers verzichtet werden – was entsprechend strafmildernd berücksichtigt wurde.

Von der Redaktion