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Stadt Wolfsburg Umweltschützer kritisieren Forstarbeiten
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Umweltschützer kritisieren Forstarbeiten
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00:21 20.05.2019
Holzeinschlag: Der Harvester kommt normalerweise beim Fällarbeiten auf größeren Flächen zum Einsatz – wie hier am Deister. Zurzeit setzen die Landesforsten ihn auch in Naturschutzgebieten ein. Quelle: Andreas Kannegießer
Wolfsburg

Schon während der jüngsten Sitzung des Bürgerdienste-Ausschusses hatte Andrea Herweg (PUG) kritisch nachgefragt, warum im Barnstorfer Wald – mitten im Naturschutzgebiet mit Tieren wie dem Schwarzstorch oder Salamandern – trotz Brut- und Setzzeit eine Waldfläche gerodet wurde. Das Umweltamt hatte damals versichert, geschützte Arten seien nicht gefährdet gewesen. Doch die Fällarbeiten wegen der Borkenkäfer-Plage gehen überall weiter und die Umweltschützer protestieren immer lauter. Der Borkenkäfer könne keine Entschuldigung für rücksichtsloses Wirtschaften sein, meinen sie.

Hattorfer Teiche

Axel Seligmann beschwert sich in einem offenen Brief auch über Mäharbeiten an Waldwegen und rund um die Hattorfer Teiche im Bereich der Stadtforst. Stadtförster Dirk Schäfer sagt dazu, gemäht werde jetzt nur auf Randstreifen von Wegen, wo Vögel sowieso nicht brüten. Und die Entfernung des Schilfs sei notwendig gewesen, um eine Verlandung der Teiche zu verhindern.

Vorwurf: Fehlplanung

Der BUND-Vorsitzende Gerhard Chrost ist richtig wütend: „Die tun so, als gäbe es keinen Naturschutz“ schimpft er und wirft speziell den Landesforsten eine Fehlplanung vor: Statt im Herbst auch Laubbäume für den Verkauf zu schlagen hätten sie lieber die Nadelhölzer weiter dezimieren sollen. Weil jetzt ein engagierter Umweltschützer in einem Wolfsburger Naturschutzgebiet ein verwaistes Katzenjunges fand, bei dem es sich vermutlich um eine seltene Wildkatze handelt (der DNA-Test läuft), fordern die Umweltschützer noch vehementer einen Stopp der Arbeiten. „Wir fordern ein Umdenken“, so Chrost. Er erinnert an die Klage des BUND nach der Herrichtung von Wegen im Drömling im Jahr 2018, die auch das Umweltamt gerügt hatte. „Aber selbst da wurde noch niemand zur Verantwortung gezogen!“

Und Andrea Herweg meldet sich nochmals zu Wort: „Die Dringlichkeit, Fichten zu retten, ist zumindest hier in Wolfsburg überhaupt nicht nachzuvollziehen“, sagt sie. Schließlich sollten die meisten Nadelbäume auf lange Sicht sowieso durch Laubbäume ersetzt werden. Und diese Laubbäume seien durch den Borkenkäfer gar nicht in Gefahr. „Warum wird nicht im Herbst oder Winter gefällt?“

Erklärung der Landesforsten

Weil es dann zu spät wäre, die Vermehrung der Borkenkäfer einzudämmen, sagt der Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten Dennis Glanz. Die Umwandlung der Waldstruktur solle „nach Möglichkeit nicht über Freiflächen, die sich zwangsläufig nach Borkenkäfer-Massenvermehrungen bilden würden, sondern über einen sanften langfristigen Waldumbau unter Erhaltung des Waldcharakters und des Waldklimas erfolgen“. Chrosts Vorwurf einer Fehlplanung weist er zurück und erklärt, bei den jetzt gefällten Bäumen handele es sich um frisch befallene. „Das ist schon die nächste Generation der Käfer“, so Glanz. Die Brut habe den Winter in der Bodenstreu überlebt und sei ausgeflogen, sobald es wärmer wurde.

Zu viele Käfer

Es seien landesweit so viele Käfer, dass ein Acht-Stunden-Arbeitstag kaum ausreiche. Ständig werde nachkontrolliert, immer wieder rückten „Mann und Maus“ zu unterschiedlichen Standorten aus – auch mit Maschinen wie Harvester (Holzernte) oder Forwarder (Holzrückemaschine). „Wir würden die nicht fahren lassen, wenn es nicht notwendig wäre – auch wegen der Arbeitssicherheit“, sagt er. „Zur Zeit ist es wirklich krass!“

Vorschriften für Brut- und Setzzeit gelockert

In der Brut- und Setzzeit ziehen Vögel und andere Wildtiere ihren Nachwuchs groß – deshalb gelten in Niedersachsen vom 1. April bis 15. Juli in der freien Landschaft zum Beispiel eine Anleinpflicht für Hunde und Einschränkungen für Baumfällarbeiten sowie das Beschneiden von Büschen. Forstarbeiten und landwirtschaftliche Tätigkeiten sind aber grundsätzlich ganzjährig erlaubt. Nur für Landschaftsschutzgebiete gelten auch hier Sonderregelungen – normalerweise. Angesichts der Borkenkäferplage hat das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz im März 2019 auch diese Einschränkung vorübergehend ausgesetzt. Innerhalb von Natura 2000-Gebieten darf sonst zwischen März und September Holz nur geerntet werden, wenn die untere Naturschutzbehörde dem zugestimmt hat. So sollen die Fortpflanzungs- und Ruhestätten geschützter Tierarten besonders geschont werden. 2019 ist es aber möglich, eine „sachgemäße Bekämpfung des Borkenkäfers sowie eine fachgerechte Aufarbeitung des Holzes“ in den Schutzgebieten vorzunehmen. Sogar der punktuelle Einsatz von Insektiziden ist gestattet, etwa um gestapeltes Holz gegen Borkenkäfer zu behandeln.

Glanz versichert: „Gleichwohl nehmen die Mitarbeiter der Niedersächsischen Landesforsten und die beauftragten Unternehmen Rücksicht auf Belange des Biotop- und Artenschutzes.“ Der Naturschützer, der das Katzenjunge gefunden hat, versichert seinerseits, die Waldarbeiter dort hätten keine Ahnung davon gehabt, dass sie sich gerade in einem Naturschutzgebiet befinden. Er meint: „Menschen machen Fehler. Größe hätte es aber, die Fehler einzugestehen und die Arbeiten jetzt zu stoppen.“ Glanz meint: „Wir haben nur zwei Möglichkeiten – den Wald retten oder die Bäume stehen lassen.“

Von Andrea Müller-Kudelka

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