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Stadt Wolfsburg Theater: Der Schein der heilen Welt im Dorfe
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Theater: Der Schein der heilen Welt im Dorfe
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15:47 22.10.2019
Schicksal eines Verlierertypens: Hubert Fängewisch (im Bademantel) hat sein ganzes Leben im Dorf Maunke gewohnt. Quelle: Tobias Broska
Stadtmitte

Einen skurrilen Monolog bekamen am Montagabend die rund 50 Gäste im Wolfsburger Scharoun-Theater zu hören. Im Fokus des Stücks „Unser Dorf soll schöner werden: der Bademantel tragende Ureinwohner von Maunke, Hubert Fängewisch (Ronny Thalmeyer). Ein anfangs lustig, sympathisch und etwas kauzig wirkender Mann redet sich im Laufe des Stückes um Kopf und Kragen.

Plastikschäferhund und Zigeunerschnitzel

Nach betreten der Hinterbühne des Wolfsburger Theaters fanden sich die Zuschauer im Wohnzimmer des pensionierten Bergmannes und langjährigen SPD-Mitgliedes Hubert Fängewisch im Dorf Maunke wieder. Abgegrenzt mit roten Absperrseilen, bewacht von einem Plastikschäferhund, sitzt der gut genährte Miesgram Fängewisch in einem Sessel und wäscht seine Füße.

Er schwadroniert von seinem liebsten Tag der Woche. „Am besten ist es, wenn das Zigeunerschnitzel auf dem Tisch liegt, das kühle Pils daneben, Sebastian Vettel im TV und die Frau beim Kegeln.“ Nachdem er seine Füße vom lästigen Schweißgeruch gesäubert hat, zählt er all seine verborgenen Talente auf. Singen, Dichten, Fußballspielen und einiges mehr. Leider hatte keines seiner Talente in der Vergangenheit große Beachtung geschenkt bekommen, was ihm deutlich zu schaffen macht.

Hochpunkt seines Lebens: Der Preis für das schönste Dorf

Schlagartig erhellt sich seine Miene jedoch wieder und der eben noch grimmig dreinblickende Hubert verteilt Gesangszettel und Bier an die Zuschauer. Es sollte gefeiert werden, wie sie es in Maunke zu jedem Anlass Tradition ist. Tradition war ihm sowieso sehr wichtig, wie zum Beispiel seine Mitgliedschaft im Knappen-Verein, bei dem er Fahnenträger war. Nachdem er eine Schallplatte eingelegt hat, singt er zusammen mit dem Publikum seine Lieblingslieder.

Bis hierher konnte man schmunzeln und lachen mit Fängewisch und seiner kauzigen Art. Voller Stolz erzählt er von dem Wettbewerb um das schönste Dorf der Region. Wie am Tag, als die Kommission ins Dorf kam, alle Häuser auf Vordermann gebracht waren und nur die schönsten Dorfbewohner auf die Straße durften. Und damals wurden seine Träume wahr. Maunke gewann den Preis „Unser Dorf soll schöner werden“. Er erzählt von den darauf folgenden rauschenden Festen und Feiern.

Abrupt wird es wieder sehr ernst. Er erzählt vom Tod seines Jungen, den er über alles geliebt hatte, darüber, dass der Zweitgeborene ihm nichts recht machen kann und er mit ihm immer unzufrieden ist. „Der Junge wollte nicht saufen, nicht mit zum Schützenverein oder mal mit anderen im Dorfe abhängen“, ein „totaler Pflegefall“, schnaubt Fängewisch verächtlich.

Nach einer abgebrochenen Lehre und einem missglückten Versuch, bei der Bundeswehr Fuß zu fassen, kommt der Junge wieder nach Hause. „Als er sich dann die langen Haare geschoren hatte und mit dem trinken anfing, konnte ich auch etwas Sympathie für den Bengel empfinden“, erzählt Hubert.

Sohn rutscht endgültig ins Nazi-Milieu ab

Die Veränderungen in seinem Sohn übersieht Fängewisch ganz bewusst, bis dieser einen Anschlag auf einen Ausländer begeht und dafür ins Gefängnis kommt. Jedoch nicht, ohne vorher die SS-Uniformen Sammlung im Keller oder die jährlichen Führergeburtsfeiern zu erwähnen und dafür zu sorgen, dass sein Vater aus der SPD ausgeschlossen und im Dorfe geächtet wird.

Schlussendlich steht Fängewisch vor dem Scherbenhaufen seines Lebens und ist wütend auf alles und jeden. Besonders zwei Hauptfeinde hatte er nun ins Auge gefasst: Die Lügenpresse und den „Neger“, der bei einem Brandanschlag fast ums Leben kam. Dieser hätte sich gefälligst von Maunke fernhalten sollen, diesem Dorf, das einst den Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ gewonnen hat.

„Es war wirklich mal ein anderes Stück, das wir hier im Theater zu sehen bekamen. Mein Mann und ich haben seit drei Jahren ein Abo im Theater und schauen uns viele Stücke an. Es war sehr gesellschaftskritisch und regt zum Nachdenken an“, resümierte Gisela Wende (55) aus Wolfsburg.

Von Tobias Broska

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