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Stadt Wolfsburg Tagesmütter wollen sichtbarer werden
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Tagesmütter wollen sichtbarer werden
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00:28 11.05.2019
Info-Tour mit Luftballons: Rund ein Dutzend Tagesmütter packten die betreuten Kinder in Karren und Wagen und marschierten durch die Fuzo bis zum Kunstmuseum. Quelle: Roland Hermstein
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Wolfsburg

Sie wollen sichtbarer werden für Eltern, die Tagesmütter aus Wolfsburg. Mit einem Marsch durch die Fußgängerzone, bunten Ballons und Gesang vor dem Kunstmuseum starteten sie am Mittwoch eine Aktionswoche.

Initiatorin Anja Meyer hätte sich noch mehr Mitstreiterinnen gewünscht. „Für viele ist es schwierig, mit den Kindern in die Stadt zu kommen“, gab Olga Becker-Worms zu bedenken.

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Sie kommt aus Hattorf und ihre Tochter Amanda unterstütze sie, als sie sich mit der Vierer-Karre auf den Weg machte. „Mir ist wichtig, dass wir nicht nur als Notlösung gesehen werden“, betonte sie.

Lob für Flexibilität

Einige ältere Frauen schauten kritisch – ihrer Ansicht nach gehören Kinder unter drei Jahren noch gar nicht in eine Betreuung. Rentnerin Gisela Koch dagegen weiß: „Oft geht es nicht anders.“ Sie arbeitete vor 30 Jahren selbst als Tagesmutter. Freundin Birgit Pietsch stimmte ihr zu – und ein Loblied an: „Die Kindertagespflege ist flexibler, die Gruppen sind kleiner und oft näher am eigenen Wohnort.“

Offene Türen für Gäste

Wie individuell Tagesmütter auf ihre (höchstens) fünf Betreuungskinder eingehen können, will Olgas Becker-Worms am Donnerstag auch CDU-Politiker Frank Roth zeigen. „Er hospitiert bei mir“, erzählte sie. Weitere Gäste sind von 15 bis 17.30 Uhr am Sölkenberg 15 willkommen. Ebenfalls offenen Türen gibt es am Freitag, 10. Mai, von 15 bis 17.30 Uhr im GrossFamilienNest „die kleinen raben“, Rabenbergstraße 32.

Nicole Stützer aus Wendschott ist seit 2013 Tagesmutter. Seit Eröffnung der GroßFamilienNester sei es schwieriger für Selbstständige geworden, sagt sie. „Viele Eltern springen ab, wenn sie doch noch einen Platz dort oder in einer Kita bekommen.“ Auch die junge Mutter Janina Schimak aus Hehlingen, die den Marsch beobachtete, würde einen Kita-Krippenplatz vorziehen, sobald ihr Kind eineinhalb Jahre alt ist. Allerdings: „Meine Bekannte ist schon zweimal abgelehnt worden.“ Die Anerkennung der Tagemütter, so glaubt sie, werde sich wohl bald steigern. „Bisher lief es in Wolfsburg offenbar zu gut, jetzt werden die Plätze aber knapper.“

Kindertagespflege in Wolfsburg

Rund 60 Kindertagespflegepersonen gibt es in Wolfsburg. Sie sind vorwiegend selbstständig tätig und schließen Verträge über die Betreuungszeiten und Vergütung direkt mit den Eltern ab.

Die Stadt Wolfsburg fördert die Betreuung mit 4,50 Euro pro Kind und Stunde. Allerdings wird der Anspruch begrenzt, falls Eltern keine Vollzeitbeschäftigung nachweisen. Stunden, die über den rechtlichen Anspruch hinausgehen, müssen Eltern komplett aus eigener Tasche bezahlen.Unter anderem wegen der Abrechnungs- und Bewilligungspraxis kam es 2018 zu Protesten (WAZ berichtete).

Betreut eine Person ein Kind mehr als 15 Stunden pro Woche oder länger als drei Monate, braucht sie eine Pflegeerlaubnis – und muss Qualifizierungen vorweisen. Die Überprüfung und Vermittlung übernimmt in Wolfsburg der Familienservice am Rathausplatz, der aus dem früheren Tagesmütterverein hervorgegangen ist. Die jetzige Landtagsabgeordnete Immacolata Glosemeyer (SPD) hatte ihn einst gegründet. „Wir haben vieles erreicht“, sagt sie.

Allerdings sind damit auch die Aufgaben gewachsen – und so haben einige Tagesmütter das Gefühl, dass inzwischen zu wenig Zeit bleibt, ihre Interessen angemessen zu vertreten. Deshalb schlossen sich bisher 18 Personen zu einer Regionalgruppe des Bundesverbands für Kindertagespflege zusammen.

Vertreterinnen dieses Verbands, des Familienservice und aus dem Geschäftsbereich Jugend arbeiten mittlerweile in einem gemeinsamen Qualitätszirkel daran, die Rahmenbedingungen weiterzuentwickeln.

Von Andrea Müller-Kudelka