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Stadt Wolfsburg Tag des Ehrenamts: „Hauptsache, man engagiert sich für etwas“
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Tag des Ehrenamts: „Hauptsache, man engagiert sich für etwas“
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08:13 03.12.2019
Ehrenamt, das Großes bewegt: Holger Ploog hat mit „Kleine Kinder immer satt" schon Tausenden Kindern in verschiedensten Formen geholfen. Quelle: Andrea Posselt
Gifhorn/Peine/Wolfsburg

Eigentlich dürfte Holger Ploog überhaupt keine Zeit haben für ein Interview. Zwischen 15 und 20 Stunden pro Woche investiert er ehrenamtlich in „Kleine Kinder - immer satt“. Als Hobbys nennt der Familienvater Fotografieren, Gartenarbeit, Freunde besuchen und Reisen. Langeweile im Ruhestand ist anders. „Ich stehe nicht gerne im Rampenlicht, ich bin der Netzwerker im Hintergrund“, sagt der Gifhorner (72) mit dem großen Herzen für bedürftige Kinder.

Engagement aus spontaner Entscheidung

Seine braune Augen lächeln, ruhig sagt er: „Fragen Sie, was Sie wissen wollen.“ Er ist bestens vorbereitet, auf dem Tisch liegen Statistiken. So ist das, wenn man als gelernter Diplom-Ingenieur für Fahrzeugtechnik für VW große Projekte angeschoben und umgesetzt hat. „Das kommt mir jetzt als Netzwerker zugute“, sagt Ploog. Viele Jahre lebte er in Mexiko, ist viel in der Welt herumgekommen. Verarmte Kinder auf den Straßen sah er oft – „erschreckend“ fand er das jedes Mal. Und dann kam nach dem Eintritt ins Rentenalter plötzlich ein Anruf. Die Stadt Gifhorn suchte jemanden, der „Kleine Kinder – immer satt“ aufbauen könnte und wollte. „Ja, klar!“, habe er spontan gesagt.

Es geht um nachhaltiges Wirken

Das war vor mehr als zehn Jahren. Mit der Schulverpflegung für Kinder aus armen Familien fing es an. Schwimmkurse und vieles mehr folgte. Wichtig ist Ploog, nachhaltig zu wirken. Nachdem das Gifhorner Projekt „Kleine Kinder – immer satt“ im Bundestag vorgestellt worden war, entschied die Politik, dass Kinder aus Hartz-IV-Familien nicht mehr das Schulessen selbst bezahlen müssen. Da huscht ein stolzes Lächeln über Ploogs Gesicht, als er über diesen Etappensieg berichtet.

Das Rampenlicht mag er weniger

Inzwischen gibt es 14 Kernprojekte mit 27 Kitas und sieben Schulen. Soweit die Statistik. Dann erinnert sich Ploog an ein Gewaltpräventionsprojekt an einer Gifhorner Schule. Zum Schluss wurde er, der eigentlich lieber im Hintergrund bleibt, zur Abschlussveranstaltung eingeladen. Als er das erzählt, schießen ihm die Tränen in die Augen. „So etwas bewegt mich immer, wenn ich dann die Kinder sehe.“ Armen Kindern Gerechtigkeit zuteil werden zu lassen, ihnen gleiche Chancen zu ermöglichen – das treibt ihn an. „Hätte man mich gefragt, ob ich in einem Sportverein Kassierer werden möchte, wäre das nichts für mich gewesen.“

Agenturen helfen bei der Vermittlung

Genau deshalb gibt es inzwischen in den Städten der Region Freiwilligenagenturen. In Gifhorn haben die Dachstiftung Diakonie und der Landkreis ein Zentrum errichtet, das Hilfesuchende und Ehrenamtliche zusammenbringt.

Am 5. Dezember ist Tag des Ehrenamts, eine Anerkennung für die unzähligen Freiwilligen, die das Vereinsleben und viele soziale Einrichtungen unterstützen.

Nancy Happ ist eine der beiden Mitarbeiterinnen. Sie weiß, dass ein Ehrenamt nicht irgendein Job ist. „Die Passung muss schon stimmen.“ Das Konzept geht auf: Seit 2016 gibt es die Vermittlungsstelle. Die Zahl der Freiwilligen stieg zuletzt von 48 im Jahr 2018 auf aktuell 74, die der kooperierenden Einrichtungen von 16 auf 21.

Das Ehrenamt soll vielen auch einen Nutzen bringen

Nicht selten vermittelt Happ Gifhornern, die sich ehrenamtlich engagieren möchten, erst einmal drei mögliche Betätigungsfelder zur Probe. „Vielen ist wichtig, dass sie selbst auch einen Benefit davon haben, sich etwa damit weiterbilden können, neue Qualifikationen erlangen.“ Die Bandbreite ist groß – Gartenarbeit, Vorlesen, Opferhelfer werden sind im Angebot ebenso wie ausgefallene Ehrenamtsjobs wie Lokführer im Westerbecker Moor.

Trend zum kurzfristigen Einsatz

Eckart Schulte von der Diakonischen Jugendhilfe hat dabei etwas ausgemacht: „Der Trend ist, sich für kurzfristige Projekte zu entscheiden und sich nicht langfristig festzulegen.“ Deshalb hätten auch so viele Vereine Probleme, Posten zu besetzen.

Keine kostenlosen Arbeitskräfte

Auch die Lebenshilfe in Gifhorn freut sich über jeden, der sich engagieren möchte. So bieten Ehrenamtliche unter anderem Menschen mit Behinderung ein Fahrradtraining an, sorgen dafür, dass die Räder verkehrstauglich sind. Wichtig ist Berko Härtel, der ehrenamtliches Engagement in der Lebenshilfe koordiniert: „Ein Grundsatz ist, Freiwillige nicht als kostenlose Arbeitskräfte zu betrachten, sondern als Partner auf Augenhöhe, deren selbstlose Unterstützung Anerkennung verdient.“

Ehrenamtskarte als Dankeschön

Ein so umfangreiches Engagement wie das von Holger Ploog ist übrigens nicht der Standard. „Aber das ist auch egal. Hauptsache, man engagiert sich für etwas, das einem Freude macht und der Gemeinschaft hilft“, sagt der Rentner. Dass der Landkreis regelmäßig Engagierten in einer Feierstunde Ehrenamtskarten verleiht, die Vergünstigungen beim Einkauf und Eintritt beinhaltet, findet Ploog „ein schönes Zeichen, dass das Engagement für die Gemeinschaft anerkannt wird“. Der Antrieb für sein Tun ist es aber nicht.

Lust auf Ehrenamt? Hier gibt’s Tipps

Die Freiwilligen-Agentur des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Peinefördert ehrenamtliches Engagement im Landkreis Peine und ist Ansprechpartner für Menschen, die sich engagieren möchten sowie Organisationen, Vereine und Verbände, die Unterstützung durch Freiwillige suchen. Kontakt und Info: Gabriele Daniel, Tel. (05171) 94 09 56 2. Mehr Infos unter https://www.paritaetischer.de/kreisverbaende/peine/unsere-angebote/freiwilligen-agentur/

Die Koordinierungsstelle Bürgerengagement der Stadt Wolfsburggibt Tipps und Hilfe für alle, die sich engagieren wollen. Kontakt und Info: Tel. (05361) 28 19 97 oder per Email unter engagiert@stadt.wolfsburg.de, https://www.wolfsburg.de/leben/lebenslagen/buergerengagement.

VWfördert ehrenamtliches Engagement seiner Mitarbeiter mit der Initiative Pro Ehrenamt, Kontakt und Info: https://www.engagement-macht-stark.de/partnerinnen/volkswagen-pro-ehrenamt/

Das Freiwilligen-Zentrum Gifhorn + Südkreisim Mehrgenerationenhaus Georgshof, Steinweg 20, Gifhorn, vermittelt auch Kontakt zwischen Helfern und Hildesuchenden, Kontakt unter Tel. (05371) 61 95 12 11, Freiwilligen-Zentrum@Dachstiftung-Diakonie.de, https://www.dachstiftung-diakonie.de/freiwilligen-zentrum, Kooperationspartner ist die Koordinierungsstelle zur Stärkung des Ehrenamtes im Landkreis Gifhorn.

Von Andrea Posselt

Was wären die Städte und Gemeinden in der Region ohne ihre Ehrenamtlichen? Sie engagieren sich in der Freizeit in Vereinen, besuchen einsame Senioren, lesen Kindern vor, packen bei den Tafeln mit an. Wie wichtig ist für Sie ehrenamtliches Engagement? Was ist Ihre Meinung? Wer an unserer WAZ-Umfrage teilnimmt, kann einen 100-Euro-Gutschein der Konzertkasse gewinnen.

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