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Stadt Wolfsburg Street Art als Daumenkino: Neue Ausstellung im Kunstmuseum eröffnet heute
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Street Art als Daumenkino: Neue Ausstellung im Kunstmuseum eröffnet heute
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10:25 27.09.2019
Angriff auf einen gezeichneten Flügel: Rhode kombiniert für seine Bilder Wandmalereien und echte Meschen. Quelle: Kunstmuseum Wolfsburg, Britta Schulze
Stadtmitte

Verspielt wirken die Bilder von Robin Rhode, die das Kunstmuseum jetzt ausstellt – doch sie sind hintergründig, voller Anspielungen auf Politik, Religion und Kulturgeschichte. Wer sich die Zeit nimmt, hat in der Ausstellung „Memory is the Weapon“ (Erinnerung ist die Waffe) einiges zu entdecken.

Bilder bestechen durch Verspieltheit

Rhodes Grundidee ist bestechend simpel: Er malt Gegenstände auf Mauern oder Steinböden und lässt lässt Menschen damit interagieren. So sieht man auf einem Foto ein mit Kreide gezeichnetes Fahrrad und einen Mann, der es „anschiebt“, auf einem anderen Bild attackiert ein Pianist einen aufgemalten Konzertflügel. Das Kunstmuseum zeigt solche Fotografien einzeln, als eine Art Comic zusammengestellt oder zu kurzen Filmen aneinander gefügt, sodass sie wirken wie ein Daumenkino.

Verspielt, aber hintergründig: Die neue Ausstellung im Kunstmuseum zeigt Werke des Südafrikaners Robin Rhode. Zu sehen sind seine Bilder, Animationen und Plastiken bis zum 9. Februar 2020

Doch was auf den ersten Blick nach reiner Experimentierfreude aussieht, offenbart beim näheren Hinsehen oft ernste Hintergründe. Zum Beispiel steht das einfach skizzierte Fahrrad für einen längst vergangenen Skandal: Südafrikanische Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg freiwillig an die Front gingen, bekamen von der Regierung zum Dank Land geschenkt, erzählt Rhode. Zumindest wenn sie weiß waren. Farbige hingegen bekamen ein Fahrrad.

„Ich hinterfrage die Idee von Nationalismus, Grenzen und Identität“ – Robin Rhode (re.) erklärt die Hintergründe seiner Werke. Quelle: Frederike Müller

Andere Bilder haben einen aktuelleren Bezug. In einer Bilderreihe schwenkt ein Mann eine Art Fahne, die aber aus Backsteinen besteht. Das Foto wird nur dadurch möglich, dass sowohl der Mann als auch die „Fahne“ auf dem Boden liegen. Sowohl die Illusion als auch das Spiel mit Leichtigkeit und Schwere sind typisch für Rhode. Und auch in diesen Fotos steckt mehr als Spieltrieb: „Ich hinterfrage die Idee von Nationalismus, Grenzen und Identität“, erklärt Rhode. Dafür eine Fahne zu verfremden, ist für ihn nur folgerichtig: Fahnen seien schließlich nur ein psychologisches Konstrukt, so der Künstler. Dass dieses Thema heute, 15 Jahre nach der Entstehung des Bildes, wieder so aktuell werden würde, habe er selbst nicht geahnt, meint Rhode, der seit 2002 in Berlin lebt.

Eigentlich bezog sich das Foto auf sein Geburtsland, Südafrika, in dem damals seit gerade einmal 10 Jahren Demokratie herrschte. Auch der Titel der Ausstellung ist übrigens ein Bezug zu Rhodes Wurzeln: Die Zeile „Memory is the Weapon“ stammt aus der Autobiografie des Anti-Apartheid-Aktivisten Don Mattera. Erinnerungen bestimmten, wer wir sind, erläuterte Rhode das Zitat. Und dafür solle man sich nicht schämen, sondern stattdessen die eigene Geschichte und Identität annehmen. Mit der Waffe, „weapon“, wiederum sei kein Werkzeug zum Angriff gemeint, sondern zum Selbstschutz.

Der Besucher hat zwei Möglichkeiten

Die Ausstellung lässt sich auf zwei Arten genießen: Wer möchte, kann locker hindurchschlendern und sich von den witzigen Ideen und der Kreativität begeistern und anstecken lassen – und vielleicht hinterher selbst zu Kreide und Kamera greifen. Wer tiefer einsteigen möchte, sollte sich an eine der Führungen halten oder sogar den reichhaltigen englisch-deutschen Ausstellungskatalog zu Rate ziehen, den der Museums-Shop anbietet.

Die Eröffnungsfeier

Die Ausstellung „Memory is the Weapon“ eröffnet am Freitag, 27. September. Das Programm startet um 19 Uhr, ab 21.30 Uhr lädt das Kunstmuseum außerdem zur Eröffnungsparty.

Von Frederike Müller

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