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Stadt Wolfsburg Messerattacke am Nordkopf: So spannend war der Prozessauftakt
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Messerattacke am Nordkopf: So spannend war der Prozessauftakt
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20:01 23.07.2019
Prozessauftakt wegen versuchten Mordes: Der Angeklagte (sitzend rechts) mit seinem Anwalt Michael Tornow (sitzend links). Quelle: Foto: Steffen Schmidt
Wolfsburg

Wegen versuchten Mordes muss sich ein 35-jähriger Algerier aus Wolfsburg seit Dienstag vor dem Braunschweiger Landgericht verantworten. Beim Prozessauftakt verweigerte der Angeklagte, der zum Tatzeitpunkt als Asylbewerber in Wolfsburg registriert war, die Aussage. Das Opfer, ebenfalls ein algerischer Staatsbürger, wurde dafür ausführlich befragt.

Zahlreiche weitere Zeugen werden an den noch folgenden Verhandlungstagen vernommen. Ein Urteil in dem spektakulären Fall ist nach derzeitigem Stand nicht vor Mitte August zu erwarten.

Vier Messerstiche mitten in der Innenstadt

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, am 1. Oktober 2018 am Nordkopf in der Bahnhofspassage von hinten unvermittelt dreimal mit einem Messer auf seinen Landsmann eingestochen zu haben. Die Stiche trafen das 34-jährige Opfer, das sich zum Tatzeitpunkt auf einem Fahrrad befand, im Gesäßbereich. Als der Algerier sich umdrehte, um sich zu schützen, wurde ihm Reizspray ins Gesicht gesprüht und ein weiterer Stich in den Brustbereich zugefügt.

Schwer verletzt konnte sich das Opfer in das in unmittelbarer Nähe befindliche Tunesische Café retten, von wo er schließlich ins Klinikum gebracht wurde. Der letzte Messerstich hatte die Rippen durchschlagen und die Lunge verletzt.

Sicherheitskontrollen am Gericht

Brisant: Der Prozessauftakt fand unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Zuschauer mussten sich einer Sicherheitskontrolle samt Metalldetektor unterziehen, bevor sie den Gerichtssaal betraten durften. Der Grund: Das Opfer hatte angegeben, mehrfach von Freunden des Angeklagten bedroht worden zu sein.

Das erste Mal hätten sie ihn bereits kurz nach der Tat im Krankenhaus aufgesucht und 7000 Euro geboten, damit er nicht gegen den Angeklagten aussage. Nehme er das Angebot nicht an, würden ihm weitere Angriffe drohen. Zudem handele es sich laut Opfer bei dem Angeklagten um ein Mitglied einer Bande, die in den Drogenhandel verstrickt sei.

Opfer widerspricht teilweise früheren Aussagen

Das Opfer identifizierte den Angeklagten, der erst im Februar in Paris festgenommen wurde, vor Gericht eindeutig als seinen Peiniger. Allerdings verstrickte er sich bei seinen Aussagen, die von einem Dolmetscher übersetzt worden, teilweise in Widersprüche zu früheren Angaben bei der Polizei. Dort hatte er anfangs ausgesagt, den Täter nicht erkannt zu haben. Bei späteren Vernehmungen und auch vor Gericht versicherte er das Gegenteil.

Zudem führte er vor Gericht ganz neue Details ein. So habe der Täter während des Angriffs „Ich töte dich“ gesagt. Bei seinen Aussagen vor der Polizei war davon nie die Rede. Dort hatte er auch angegeben, den Angeklagten nur flüchtig zu kennen. Nun hieß es, er habe die Wohnung des besten Freundes des Angeklagten und mutmaßlichen Rädelsführers der Drogen-Bande eine Woche lang tapeziert und sei dort stets auf den Angeklagten getroffen.

Richter und Anwalt haken nach

Die Richter hakten ob dieser Widersprüche mehrfach nach. Und auch der Anwalt des Angeklagten ließ nicht locker: „Bei den meisten Menschen lässt die Erinnerung mit der Zeit nach, bei Ihnen scheint das umgekehrt zu sein. Sie haben hier die Aufgabe, zwischen dem zu trennen, was sie wirklich wissen, und dem was sie im Nachhinein gehört haben.“

Ein Motiv ist bislang nicht in Sicht

Der Angeklagte rechtfertigte sich mit den gegen ihn gerichteten Drohungen und der daraus resultierenden Angst. Doch die Widersprüche könnten dennoch eine große Rolle bei der Urteilsfindung spielen. Denn: Außer dem Opfer gibt es für die Tat selbst – obwohl sie sich mitten in der Innenstadt abspielte –wohl keine weiteren Augenzeugen. Nur der flüchtende Angeklagte soll gesehen worden sein. Ein weiterer Knackpunkt: Auch von Hinweisen auf ein Tatmotiv fehlt bisher jede Spur. Die Verhandlung dürfte also noch einen spannenden Verlauf nehmen.

Von Steffen Schmidt

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