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Stadt Wolfsburg #EsIstUnsErnst: So lebt Familie Grabe den Klimaschutz im Alltag
Wolfsburg Stadt Wolfsburg #EsIstUnsErnst: So lebt Familie Grabe den Klimaschutz im Alltag
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00:24 24.06.2019
Sonja, Hedda und Julia Grabe aus Peine haben ihren Alltag umgekrempelt - der Umwelt zuliebe. Quelle: Kathrin Bolte
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Peine

Motiviert durch die „Fridays for future“-Demonstrationen, die aktuellen Debatten über den Umweltschutz und inspiriert von dem Buch „Umweltliebe“ von Jennifer Sieglar machte sich Familie Grabe aus Peine im März diesen Jahres auf, ihr Verhalten zu ändern und umweltbewusster zu leben. „Wir haben einiges verändert, haben aber dennoch nicht das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen“, sind sie sich einig.

„Angefangen hat eigentlich alles, als ich auf die Idee kam, mich vegan ernähren zu wollen“, erinnert sich die elfjährige Hedda. „Mir tun einfach die Tiere leid – und so habe ich bei Youtube geschaut, wie ich mich vegan ernähren kann. Mama hat dann auch ein Kochbuch gekauft – und so probieren wir jetzt vieles aus.

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Familienrat beschließt: umweltbewusster leben!

Solche einschneidenden Veränderungen in der Familie bespricht diese beim gemeinsamen Abendessen. „Dann wird Familienrat gehalten“, erklärt Mutter Sonja Grabe (44) und weiter: „Zuerst denkt man als berufstätige, alleinerziehende Mutter natürlich ,vegan, klar, was soll ich denn sonst noch alles machen?’, aber wenn man sich damit beschäftigt, ist es gar nicht so schwer. Auch wenn es nicht immer klappt, aber wir versuchen so gut es geht wenigstens vegetarisch zu leben.“

Obst und Gemüse saisonal einkaufen

Zudem kauft die vierköpfige Familie Obst und Gemüse nur noch saisonal. Die Milch ist im Glas, ebenso Wasser und Joghurt. „Klar sind da auch mal eine Mango oder Avocado dabei, die um die halbe Welt geflogen sind. Aber man muss ja auch die Gesundheit der Kinder im Blick haben.“ Es sei oft nicht einfach beim Einkaufen, denn „die alternativen Produkte sind nicht immer unbedingt umweltfreundlich verpackt“, kritisiert Sonja Grabe. „Man wird ein bisschen für Umweltbewusstsein in Deutschland bestraft, wenn man in den Supermarkt geht. Das Angebot muss sich ändern – und einiges sollte preiswerter werden.“

Mutter Sonja Grabe ist übrigens auch „Geburtshelferin“ der Klimaschutz-Challenge #EsIstUnsErnst. Sie hatte sich an die Peiner Allgemeine Zeitung gewandt und von dem Umwelt-Engagement ihrer Kinder berichtet, die teilweise auch in der „Fridays for Future“-Bewegung aktiv sind. „Das solltet Ihr mal aufgreifen“ hatte Sie der PAZ in einer E-Mail geschrieben - und das hat die PAZ gemeinsam mit ihren Schwesterzeitungen Aller-Zeitung Gifhorner und Wolfsburger Allgemeine natürlich gerne getan. Das Ergebnis ist die Klimaschutz-Challenge #EsIstUnsErnst.

Ein plastikfreies Badezimmer

Doch zurück zur Familie Grabe. Die 16-jährige Julia Grabe hat sich das Buch „Umweltliebe“ von Jennifer Sieglar als Anreiz genommen. „Die Autorin hat sich jeden Monat eine Challenge auferlegt, durch die die Umwelt entlastet wird. Da sind viele Ideen enthalten, die man schnell umsetzen kann. Ich habe das plastikfreie Badezimmer bei uns umgesetzt. Wir benutzen jetzt zum Beispiel Haarseife oder Deo aus dem Glas.“

„Mami-Taxi? Da verweigere ich mich!“

Zuhause ist die Familie mitten in der Innenstadt. „Zur Schule gehen meine Kinder immer zu Fuß, außer meine Älteste, die fährt mit dem Bus nach Vöhrum. Das Mami-Taxi gibt es bei uns nicht. Alles, was fußläufig oder mit dem Rad erreicht werden kann, geht auch ohne Auto. Da verweigere ich mich auch und überlege ohnehin jetzt gründlicher, ob diese oder jene Fahrt jetzt unbedingt sein muss. Oft kann man auch größere Touren zum Einkaufen oder so miteinander verbinden“, zeigt Sonja Grabe auf. „Ich habe es mir zum Ziel gesetzt, höchstens eine Tankfüllung pro Monat zu verbrauchen.“

Kleidung mit besserer Klimabilanz kaufen

Auch in Klamottenfragen schaut die Familie genauer hin. „Wir kaufen häufig gebrauchte Kleidung oder schauen darauf, aus welchen Materialien sie hergestellt sind“, erklären sie. Julia merkt an: „Man muss nur mal die Augen aufmachen, sich die Angebote richtig anschauen, dann findet man auch Sachen, die eine bessere Klimabilanz haben.“

„Die Politiker nehmen mich nicht ernst und ich kann sie nicht ernst nehmen.“

Mutter Sonja findet es schade, dass gerade die „Fridays for Future“-Generation häufig kritisiert wird. „Man muss sich gedanklich darauf einlassen, neue Wege zu beschreiten und Dinge auszuprobieren. Es ist nicht viel aufwendiger und nicht immer teurer, umweltbewusst zu leben.“ Hedda ist der Meinung: „Die Kinder machen jetzt so viel, aber die Politiker gehen nicht darauf ein. Die nehmen mich nicht ernst – und ich kann sie nicht ernst nehmen.“

„Wo sind die Politiker, die den Stop-Knopf drücken?“

„Wir leben nun mal alle hier – und der Konsumverzicht wäre ein erster Schritt. Doch da hängt wiederum die Wirtschaft dran. Die Politik muss sich positionieren und sagen, wo die Reise hingehen soll. Es müssen Regeln festgelegt werden, ohne dass wir uns dabei zurückentwickeln“, ergänzt Mutter Sonja. „Wo sind die Politiker, die den Stop-Knopf drücken?“, fragt die Familie abschließend.

Das gibt’s zu gewinnen

Unter www.esistunsernst.de können Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 22 Jahren ihr persönliches Umwelt-Engagement mit Text, Video oder Foto vorstellen. Dabei wird kein ausgefeiltes Referat erwartet: für Fotos oder Videos einfach das Handy zücken, ein paar erklärende Sätze und Kontaktdaten hochladen – fertig. Die Kontaktdaten sind wichtig, denn schließlich gibt es etwas zu gewinnen: Der erste Preis ist ein iPad Air 10.5 mit 256 GB Speicherplatz. Platz zwei und drei bekommen je ein HUAWEI MediaPad M5 10.8 mit 32 GB Speicher. Und einen Sonderpreis „Mobilität“ gibt es auch noch: eine Reise inklusive Übernachtung (mit Begleitperson) in die gläserne Manufaktur von Volkswagen in Dresden. Dort wirft der Gewinner oder die Gewinnerin einen Blick hinter die Kulissen der eMobil-Fertigung und bekommt eine exklusive Führung. Die An- und Abreise erfolgt übrigens mit dem E-Shuttle.

Eine Jury entscheidet nach den Sommerferien, wer die meisten Punkte für seine Idee und Umsetzung bekommt. Bei der Bewertung spielt auch die Nachhaltigkeit eine Rolle.

Von Kathrin Bolte