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Stadt Wolfsburg So gefährlich sind Nutrias und Co. in Wolfsburg
Wolfsburg Stadt Wolfsburg So gefährlich sind Nutrias und Co. in Wolfsburg
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19:34 15.08.2019
Unbeeindruckt: Die Wolfsburger Nutrias sind sehr zutraulich – und in der Autostadt längst ein gewohnter Anblick. Quelle: dpa
Wolfsburg

Mit Sorge beobachten die Wolfsburger Jäger die rasant wachsende Nutria-Bevölkerung. Die Nagetiere, die hier längst ebenso zum Stadtbild gehören wie die vielen Kaninchen, können große Schäden anrichten – und sie sind nicht die einzige invasive Tierart in Wolfsburg, von der Gefahren ausgehen.

An der Aller, am Schloss und in der Autostadt

„Invasiv“ bedeutet in diesem Fall, dass eine Tierart eingeschleppt wird, sich unkontrolliert vermehrt und Probleme macht. Die Nutrias sehen zwar unheimlich putzig aus, leben vegetarisch und sind auch noch so zahm, dass man sie an der Aller, rund ums Schloss oder in der Autostadt mühelos beobachten kann. Wer sich übrigens mal fragt, ob er einen Biber oder eine Nutria vor sich hat, dem hilft ein Blick auf die Uhr oder gen Himmel: Biber sind nämlich nacht- und dämmerungsaktiv, Nutrias treiben ihr Unwesen tagsüber.

Nutrias, Waschbären, Marderhunde, Krabben und Monster-Unkraut: Einige Tier- und Pflanzenarten machen auch in Wolfsburg richtig Ärger.

Doch leider sind die Nutrias auch fleißige Gräber und unterhöhlen besonders Uferbereiche gern mit ihren Gängen. In Wolfsburg sind schon mehrmals Trecker bei der Arbeit in solche Tunnelsysteme eingebrochen und umgekippt.

Alle Schonregeln wurden für Nutrias aufgehoben

Noch gefährlicher ist das übrigens für Küstenregionen wie in den Niederlanden: „Dort werden die Nutrias nicht bejagt, sondern im Auftrag der dortigen Provinzen und Wasserverbänden mit fast allen Mitteln bekämpft, um Dammbrüche zu verhindern“, berichtet Jäger-Obmann Michael Tandler. Ganz so weit ist es hierzulande zwar noch nicht. Doch inzwischen hat auch Niedersachsen die Schonzeit für Nutrias aufgehoben, sogar Elterntiere dürfen jederzeit getötet werden.

Schwanzprämie: 6 Euro pro tote Nutria

Außerdem hat der für Wolfsburg zuständige Wasserverband (Unterhaltungsverband Ober-Aller) eine sogenannte „Schwanzprämie“ ausgelobt: Jäger, die einen Nutriaschwanz beim Hegeringleiter abgeben, bekommen 6 Euro. Nicht viel Geld, aber immerhin eine Entschädigung für die verwendete Munition.

Invasive Arten in Niedersachsen

Die Landesjägerschaft zählt bei vielen Tierarten regelmäßig die erlegten und überfahrenen Exemplare. In Niedersachsen waren das für die letzte ausgewertete Saison 2017/2018:

3900 Marderhunde

15 812 Waschbären

24 320 Nutrias

Ein Rückschluss auf die lebenden Exemplare ist allerdings schwierig, da Jagdintensität und -erfolg variieren können.

„Ich habe kein Problem damit, dass die Nutrias gejagt werden“, bekennt auch der Wolfsburger Naturschutzbeauftragte Michael Kühn. Die Nutrias vermehrten sich einfach zu stark, da sie bei uns kaum Fressfeinde haben. Ursprünglich stammen die wasserverliebten Nagetiere nämlich aus Argentinien. Wegen des begehrten dichten Pelzes wurden sie nach Europa geholt. Doch die Nachfrage sank, die Nutrias wurden ,arbeitslos’ – und vielfach einfach ausgesetzt, als sich die Haltung nicht mehr lohnte.

Marderhund und Waschbär seien noch viel schlimmer

Noch viel schlimmer als die Nutria seien aber Marderhund und Waschbär, gibt Kühn zu bedenken. Die sind zwar nachtaktiv und daher seltener zu sehen, aber dafür stehen bei ihnen auch Eier und kleine Tiere auf dem Speiseplan. Der Waschbär räubert nicht nur die Nester von Bodenbrütern wie Fasanen und Rebhühnern aus, sondern klettert sogar auf Bäume, um an Frischei zu kommen.

„Es gibt immer Probleme, wenn Tier- oder Pflanzenarten von anderen Kontinenten eingeschleppt werden“, erklärt Kühn. „Die Globalisierung des Handelsverkehrs hat in der Natur herumgepfuscht.“ Das lässt sich auch im Wasser beobachten: Als blinde Passagiere sind zum Beispiel unzählige Chinesische Wollhandkrabben in deutschen Häfen von Bord gegangen. Von dort schwimmen sie landeinwärts und bevölkern so auch den Mittellandkanal in Wolfsburg, wo sie andere Arten verdrängen. Und unter den Pflanzen ist der Japanische Knöterich der Schrecken aller Gärtner, weil er mit den Wurzeln sogar Leitungen beschädigen kann und kaum in den Griff zu bekommen ist.

Einzige Schwachstelle: Kälte

Die Nutrias immerhin haben eine Schwachstelle: Kälte. „Ein richtiger kalter Winter würde das Problem lösen“, sagt der Naturschutzbeauftragte Kühn. „Aber sowas gab es schon lange nicht mehr.“

Infoabend zur Jägerausbildung

Die Jägerschaft der Stadt Wolfsburg lädt zu einem Infoabend ein, um einen ersten Einblick in die Jägerausbildung zu geben. Der nächste Kurs beginnt 2. September diesen Jahres und endet mit dem letzten Teil der Prüfung am 17. April 2020. Der Infoabend findet bereits am Sonntag, 22. August, um 19 Uhr in der Gaststätte „Zur schönen Aussicht“ (Hasselbachstraße 3) statt. Anmeldungen sind über die Homepage www.jaegerschaftwolfsburg.de möglich.

Von Frederike Müller

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