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Stadt Wolfsburg So alt wie die Stadt selbst: Schicksal einer Wolfsburger Hainbuche
Wolfsburg Stadt Wolfsburg So alt wie die Stadt selbst: Schicksal einer Wolfsburger Hainbuche
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06:00 26.04.2019
Kreislauf: Bernd Möhlmann (li., mit den Stadtförstern Dirk Schäfer und Ronald von Münster) stellt aus den Hainbuchen Fällkeile und Hammerstiele her – beide werden wiederum zum Holzfällen genutzt. Quelle: Britta Schulze
Wolfsburg

Wolfsburg hat gerade einmal 6797 Einwohner, als ein winziges neues Bäumchen 1939 den Waldboden durchbricht: Es ist eine von zahlreichen Hainbuchen, die auch heute noch den Stadtforst prägen. 80 Jahre stehen ihr bevor, ehe sie 2019 gefällt und verkauft wird – und schließlich wieder zurück in einen Wald findet.

Hainbuchen schützen die Stämme der Eichen

Zunächst einmal reckt sich die junge Hainbuche nach der Sonne, streckt ihren Stamm und treibt Äste und Blätter. Während sie wächst, erlebt Wolfsburg den Zweiten Weltkrieg, die Zeit der Baracken und Zwangsarbeit und später das Wirtschaftswunder. Als 1955 der einmillionste VW vom Band rollt, ist sie schon groß genug, um mit ihren geriffelten Blättern den Waldboden und die Stämme der umliegenden Eichen zu beschatten. Damit erfüllt sie für den Wald eine wichtige Funktion, denn mit ihrem Schatten reguliert sie den Wasserhaushalt am Boden. Das ist umso wichtiger in Jahren mit trocknen Sommern: Aktuell scheinen die Hainbuchen Wolfsburgs ihren Kampf zu verlieren (siehe Infokasten unten).

Unterholz: Hier schützen Hainbuchen den Wasserhaushalt des Waldes. Quelle: Britta Schulze

Die Hainbuche wächst weiter. Im Laufe ihres Lebens sieht die Stadt Wolfsburg 18 Oberbürgermeister kommen und gehen. 2019 ist es dann soweit: Die Hainbuche wird zu groß, ihre Äste ragen in den Kronraum der benachbarten Eichen. Bevor die darunter leiden, schreiten die Wolfsburger Förster zur Tat: Die 60 ältesten und größten Hainbuchen kommen im Januar unters Beil. Anschließend werden die Stämme am Wegrand gelagert und warten auf ihr weiteres Schicksal.

Qualitätsholz: In Wolfsburgs Stadtforst wachsen die Hainbuchen besonders gerade und arm an Ästen. Quelle: Britta Schulze

Dieses kommt in Form von Bernd Möhlmann. Der Stielfabrikant aus der Lüneburger Heide weiß die Wolfsburger Hainbuchen zu schätzen: Hier wachsen sie besonders gerade und arm an Ästen. 35 Kubikmeter Holz kauft er, jeweils für rund 90 Euro. Der Wolfsburger Förster Dirk Schäfer wiederum freut sich, dass das Holz in Niedersachsen bleibt. Der Holzmarkt sei eigentlich sehr global – mit so kurzen Transportwegen jedoch lässt sich Energie sparen.

Farbton der Hainbuche bei Möbeln nicht gefragt

In der Fabrik angekommen, wird die Hainbuche zu Bohlen, Brettern und Kanthölzern zurechtgeschnitten und dann für ein Dreivierteljahr zum Trocknen luftig gestapelt. Wenn sie 14 bis 16 Prozent relative Holzfeuchte erreicht hat, wird sie weiterverarbeitet. Allerdings nicht zu Möbeln: Ihr Holz hat einen grauweißlichen Farbton, der in der Möbelbranche nicht gefragt ist. Dafür ist es allerdings zäh und dauerhaft. Wäre die Hainbuche ein paar Hundert Jahre früher gesprossen, wäre sie als Bremsbelag für Kutschen oder als Schiffchen für Webstühle geendet.

Stielfabrik macht Keile und Vorschlaghammer aus dem Holz

Stattdessen wird ihr Holz nun zu Keilen und den Stielen für Vorschlaghammer verarbeitet. Eine Maschine namens Kopierfräse tastet dafür ein Musterstück aus Metall ab und überträgt die Form auf das Holzstück. Und dann? „Die kommen wieder in den Wald zurück“, erklärt Möhlmann.

Fast fertig: Die Hainbuchen werden zu Fällkeilen und Stielen für Vorschlaghammer verarbeitet. Quelle: Britta Schulze

Denn die Keile und Vorschlaghammer werden zum Beispiel zum Fällen von Bäumen genutzt. Nach ganz Deutschland vertreibt Möhlmann seine Ware. In den Wolfsburger Wald wird die Hainbuche jedoch so schnell nicht zurückkommen: Ihr Heimatforst wird für zehn Jahre in Ruhe gelassen und kommt seiner Hauptfunktion nach – als Erholungswald für Generationen von Wolfsburgern.

WAZ-Info: Wald in Gefahr

Egal ob Hainbuche, Eiche oder Fichte: Die Wolfsburger Bäume haben ein Trockenheitsproblem. Auch wenn hier durch den hohen Laubholzanteil die Waldbrandgefahr nicht ganz so extrem ist wie in den Kiefernwäldern der Heide, warnt Förster Dirk Schäfer davor, im Wald zu rauchen oder sogar verbotenerweise Feuer zu machen. Er erinnert sich noch gut daran, dass im April 2013 in der Nähe des Rabenbergs ein ganzer Hektar junger Wald abgebrannt war, weil jemand dort illegal gegrillt und den Grill aus den Augen gelassen hatte.

Und die Trockenheit birgt noch mehr Gefahren. Schon 2018 waren zahlreiche Nadelbäume wie Fichten abgestorben. „Und dabei war 2017 ein sehr nasses Jahr“, betont Schäfer – der Wald hatte also noch Wasserreserven aus dem Vorjahr. Nach dem Dürresommer 2018 jedoch ist der Boden noch immer ausgetrocknet. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, so der Förster. Die letzten Wasserreserven werden laut Schäfer in den nächsten Wochen aufgebraucht sein, wenn es nicht bald regnet, und zwar ordentlich: „Wir brauchen echtes Sauwetter.“

Von Frederike Müller

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