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Stadt Wolfsburg „Wäre ich nicht Sänger, wäre ich Koch geworden“
Wolfsburg Stadt Wolfsburg „Wäre ich nicht Sänger, wäre ich Koch geworden“
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00:20 29.03.2019
„Ich schätze Dieter Bohlen extrem“: Semino Rossi sprach mit der WAZ über Kollegen und Wegbegleiter.
„Ich schätze Dieter Bohlen extrem“: Semino Rossi sprach mit der WAZ über Kollegen und Wegbegleiter. Quelle: Veranstalter
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Wolfsburg

WAZ: Semino Rossi, auf Ihrer „Latino“-Tour machen Sie am 26. April Station in Wolfsburg. Sie sind in Argentinien geboren, kehren Sie mit dieser Tournee jetzt zurück zu Ihren Wurzeln?

Rossi: Auf jeden Fall. Seit vielen, vielen Jahren will ich das schon machen. In meinen Konzerten habe ich bislang 80 Prozent der Lieder auf Deutsch gesungen, 20 Prozent auf Spanisch. Bei dieser Tour wird es genau umgekehrt sein: 80 Prozent Spanisch, der Rest ist auf Deutsch. Lieder wie „Bamboleo“, „Despacito“ oder „Guantanamera“ – viele dieser wunderschönen Lieder habe ich jahrelang im Hotel oder bei Geburtstagspartys gesungen, jetzt habe ich die Möglichkeit, sie mit 14-Mann-Orchester zu präsentieren: Zehn Künstler sind Latinos, außerdem sind ein Italiener, eine Österreicherin und ein Tango-Tanzpaar aus Argentinien dabei. Ich habe für jeden Geschmack etwas bei dem Konzert dabei. Ich wollte schon seit 20 Jahren solche Konzerte machen. Leider hatte ich früher nicht die Popularität und das Geld dafür. Jetzt ist es aber soweit, ich habe mir einen Namen in der Schlagerbranche gemacht – dafür bin ich sehr dankbar. Ich kann meinem Publikum bei der „Latino“-Tour einen Semino anbieten, von dem kein Mensch bislang wusste, dass er existiert.

„Da sagt das Herz: Bitte mach es, bitte mach es!“

WAZ: Sie erfüllen sich mit dem Konzert also einen persönlichen Traum?

Rossi: Absolut. Es gibt Dinge, da sagt das Herz: Bitte mach es, bitte mach es.

WAZ: Die Musik liegt Ihnen quasi im Blut. Ihr Vater war Tangosänger, Ihre Mutter Pianistin. Hatten Sie überhaupt eine Chance, nicht im Showbusiness zu landen?

Rossi: Wohl nicht. Ich liebe meinen Beruf, aber wenn ich nicht Sänger wäre, wäre ich Koch geworden. Ich koche sehr gerne und bin ein guter Freund von den Köchen Alfons Schuhbeck, Horst Lichter und Johann Lafer. Kochen ist eine Leidenschaft von mir und ich mache das gar nicht so schlecht. Bislang gab es keine Beschwerden und auch keine Vergiftungen.

„Einmal habe ich 18 Tage im Auto geschlafen“

WAZ: Sie haben früh Ihre Heimat Argentinien verlassen, weil Sie dort keinen Erfolg mit der Musik hatten. In Europa haben Sie sich mehr Chance ausgerechnet, doch hier mussten Sie lange auf den Durchbruch warten...

Rossi: 20 Jahre lang. Damals dachte ich, wenn ich nach Europa gehe, bekomme ich sofort einen Plattenvertrag. Aber das war nicht so. Ich habe viele, viele Jahre Musik auf der Straße gemacht, bin in Hotels, Restaurants und bei Hochzeiten aufgetreten. Anfangs habe ich sogar im Auto geschlafen, weil mir das Geld fürs Hotel fehlte. Einmal habe ich 18 Tage im Auto geschlafen. Es war nicht so einfach. Eines Tages, ich war 41 Jahre alt, wurde ich bei einer Geburtstagsfeier gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, auf Deutsch zu singen. Gott sei Dank habe ich zugesagt – es hat sich gelohnt und ich hatte die Chance, mein erstes Album aufzunehmen. Danach ging es steil bergauf. Für das zweite Album gab es Gold, Platin und Dreifach-Platin. Ohne Disziplin und Willen hätte ich diesen Erfolg aber nicht gehabt.

WAZ: Die Zeit als Straßensänger war sicherlich nicht einfach, aber bestimmt eine gute Schule für die Bühne: Man erlebt hautnah die Reaktion des Publikums.

Rossi: Auf jeden Fall. Wenn ich vor 5000 Leuten singe und 3000 davon klatschen nicht, dann bekomme ich trotzdem Applaus. Trete ich aber vor drei Zuhörern auf und zwei klatschen nicht, weiß ich, dass ich etwas falsch gemacht habe. Als ich auf der Straße gesungen habe, kamen immer Leute zu mir und haben mir Komplimente gemacht und ein bisschen Geld gegeben. Ich bin dankbar für diese harte Schule. Meinen Erfolg habe ich mir hart erarbeitet, deshalb werde ich nicht aufhören, alles dafür zu tun – so lange mich das Publikum hören möchte. Wenn das Publikum aber sagt, es möchte den alten Opa nicht mehr sehen, ist es Zeit auf Wiedersehen zu sagen.

„Wenn ich gewusst hätte, dass es so laufen würde, wäre ich nicht gegangen“

WAZ: Da es anfangs nicht einfach war in Europa: Haben Sie es jemals bereut, dass Sie Ihre Heimat Argentinien verlassen haben?

Rossi: Wenn ich gewusst hätte, dass es so laufen würde, wäre ich nicht gegangen. 20 Jahre auf den Erfolg warten, auf der Straße singen und im Auto schlafen – das war hart. Etwas habe ich aber dadurch gelernt: Nicht immer erreicht man seine Ziele auf dem direkten Weg, das Leben hat viele Kurven. In jeder Kurve habe ich etwas gelernt, ich bin reich an Erfahrungen und lernte auf diese Weise 39 Länder auf dieser schönen Welt kennen. Ich kann dadurch sehr viele Sachen verstehen. Heute bin ich mit 56 Jahren ein sehr erfahrener Mensch. Hätte ich nach einem Jahr bereits Erfolg gehabt, wäre er nach einem Jahr vielleicht schon wieder weg gewesen.

WAZ: Und dann hätten Sie nicht so viele Alben herausgebracht. Eins haben Sie mit Dieter Bohlen produziert - „Symphonie des Lebens“. In der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ geht er mit den Kandidaten oft sehr rabiat um. War er zu Ihnen netter?

Rossi: Ja. Es ist so: Als Juror sollte er seine echte Meinung sagen. Dieter Bohlen ist jemand, der die Wahrheit sagt, das kann manchmal verletzend sein. Aber DSDS ist ein Wettbewerb, um zu sehen, ob Menschen singen können. Dieter Bohlen ist direkt und sagt dann auch mal: Mädchen, du kannst nicht singen. Die Wahrheit ist gut – aber sie sollte nicht wehtun. Bei mir war das eine andere Situation. Er ist Produzent und wusste, dass ich ein guter Sänger bin. Er war ein respektvoller Kollege. Ich schätze ihn extrem, weil er extrem professionell ist und sich gut auskennt. Wenn er ein Lied auswählt, wird es ein Hit.

„Ich habe vor Freude geweint“

WAZ: Hits hatten Sie einige – und vor kurzem in der TV-Show „Alle singen Kaiser“ hatten Sie außerdem noch ein neues Outfit: Sie zeigten sich mit Bart und Ohrring. Ist das der neue Semino Rossi, den wir in Wolfsburg sehen werden?

Rossi: Ja. Den Ohrring trage ich, weil ich bald Opa werde. Ich war in Argentinien, um in der Schule, die ich vor sieben Jahren gebaut habe, zu schauen, was dort mit meinem Geld gemacht wird. Da rief meine Tochter Laura an, dass ich Opa werde. Ich habe vor Freude geweint und dachte mir, bei solchen Nachrichten muss etwas Besonderes passieren. Deshalb habe mir ein Ohrloch stechen lassen und trage seitdem einen Ohrring im linken Ohr, der mich immer an mein Enkelkind erinnern wird. Der Bart ist modern und in Lateinamerika tragen viele junge Leute einen Bart. Er passt zu meiner „Latino“-Tour.

Schlager-Star Semino Rossi tritt mit seiner „Latino“-Tour am Freitag, 26. April, ab 19.30 Uhr im CongressPark Wolfsburg auf. Begleitet wird er von seiner Band und Special Guest Manolo „The Voice Of The Gypsies“. Mit der Tournee erfüllt sich der gebürtige Argentinier einen echten Herzenswunsch nach mehr lateinamerikanischer Musik.

WAZ-Redakteurin Sylvia Telge hat ihn zu den Hintergründen der Tour und zu seinem neuen Look befragt.

Karten für das Konzert gibt es bei der WAZ-Konzertkasse, Porschestraße 74, oder unter tickets.waz-online.de

Von Sylvia Telge