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Stadt Wolfsburg Schwimmmeister: Mehr als nur ein Aufpasser am Beckenrand
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Schwimmmeister: Mehr als nur ein Aufpasser am Beckenrand
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06:12 16.07.2019
Alles im Blick: Domenique Hentrich ist Schwimmmeister im VW-Bad in Wolfsburg. Quelle: Boris Baschin
Wolfsburg

Domenique Hentrich hat sein Hobby zum Beruf gemacht – zumindest zum Teil. Der 27-Jährige arbeitet als Schwimmmeister im VW-Bad in Wolfsburg. Seine Aufgabe ist eine Mischung aus Techniker, Chemiker, Sanitäter und Rettungsschwimmer. „Das ist der schönste Job der Welt“, sagt Hentrich.

Drei Jahre dauerte die Ausbildung

Er war schon vorher in einem Schwimmverein aktiv. Nach einem Praktikum im Schwimmbad stand für Hentrich fest: Das ist der Beruf, in dem er arbeiten möchte. Drei Jahre dauerte seine Ausbildung bei der Stadt Wolfsburg, wo er seit inzwischen acht Jahren als Schwimmmeister tätig ist – im Sommer im VW-Bad und im Winter im Hallenbad Sandkamp.

Hier ein kurzes Video mit Domenique Hentrich bei der Arbeit:

Doch Hentrich steht nicht den ganzen Tag am Beckenrand und beobachtet die Schwimmer, auch wenn das ein wichtiger Teil seines Jobs ist. „Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich“, sagt er. Dazu gehört auch viel Technisches sowie der Umgang mit Chemikalien und der Chlorgasanlage, um die Wasserqualität sicherzustellen. Die wird mehrmals am Tag geprüft. „Man ist immer mit Leuten unterwegs“, beschreibt Hentrich einen der Vorzüge seines Berufs. Im Winter gibt er im Hallenbad auch Kurse im Bereich Aqua-Fitness.

Stadt setzte Sicherheitsdienst im VW-Bad ein

An heißen Sommertagen, wenn die Besucher scharenweise in die Freibäder strömen, wird es auch mal stressig. Ende Juni, als die Temperaturen weit über 30 Grad stiegen, setzte die Stadt Wolfsburg für mehrere Tage einen Sicherheitsdienst im VW-Bad ein. Dessen Aufgabe sei es, die Schwimmmeister bei der Aufsicht und der Einhaltung der Hausregeln zu unterstützen.

Domenique Hentrich ist Schwimmmeister im VW-Bad in Wolfsburg. Seine Aufgabe ist eine Mischung aus Techniker, Chemiker, Sanitäter und Rettungsschwimmer.

Als Schwimmmeister im VW-Bad spürt Domenique Hentrich eine grundsätzliche Veränderung in den Umgangsformen, vor allem bei Jugendlichen. „Der Respekt gegenüber der Aufsicht ist geringer geworden“, sagt er. Bei Ansprachen an Badegäste – wenn mal wieder jemand vom Beckenrand ins Wasser gesprungen ist – bekomme man häufig Sprüche zu hören wie „Ey, was willst du?“

Häufig schauten die Eltern am Beckenrand mehr aufs Smartphone als auf ihre Kinder

Aber nicht nur junge Gäste machen Probleme, auch bei deren Eltern lasse sich eine zunehmende Nachlässigkeit bemerken. Häufig schauten die Eltern am Beckenrand mehr aufs Smartphone als auf ihre Kinder. „Viele Eltern meinen, dass sie mit dem Eintritt die Verantwortung abgeben“, sagt der Chef des Gifhorner Schwimmbads Allerwelle, Bernd Jendro. Und Schwimmmeister Hentrich betont: „Es ist nicht unser Job, die Kinder an die Hand zu nehmen.“ Er wundert sich auch über die Selbstüberschätzung mancher Eltern, die mit ihren nicht schwimmfähigen Kindern ins falsche Becken gehen.

Fähigkeiten in Erster Hilfe und Durchhaltevermögen beim Schwimmen

Für einen echten Rettungseinsatz musste Hentrich bislang erst einmal ins Wasser springen. Drei junge Männer hatten bei einem Wettschwimmen ihre Kräfte überschätzt, einer von ihnen war schon nach einer halben Bahn kaum mehr über Wasser. Seine Fähigkeiten in Erster Hilfe und sein Durchhaltevermögen beim Schwimmen muss Hentrich aber regelmäßig bei einem jährlichen Test unter Beweis stellen. Für den 27-Jährigen ist das kein Problem: Er hält sich zusammen mit einem Kollegen fit, in diesem Sommer wollen sie in der Delfintechnik eine Strecke von 3800 Metern am Stück schwimmen. „Das ist die Ironman-Distanz“, sagt er.

Viel trinken an heißen Tagen

Ebenso wichtig sei es, im Sommer auch bei hohen Temperaturen einen kühlen Kopf zu bewahren und sich vor einem Sonnenstich zu schützen. Viel trinken ist dann das oberste Gebot – an heißen Tagen bis zu sechs Liter Wasser.

Von Florian Heintz

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