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Stadt Wolfsburg Schutz vor Cyberattacken: Wolfsburger Klinikum braucht vier Millionen Euro
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Schutz vor Cyberattacken: Wolfsburger Klinikum braucht vier Millionen Euro
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10:53 19.12.2019
Cyber-Attacken auf Krankenhäuser: Um die IT im Wolfsburger Klinikum schützen zu können, fehlen vier Millionen Euro. Wilken Köster, Monika Müller und Rüdiger Gruetz schlagen Alarm. Quelle: Roland Hermstein
Wolfsburg

Es ist ein absoluter Alptraum – doch einer der längst Realität ist: Wie aktuelle Beispiele in Fürth zeigen, mehren sich professionelle Cyberattacken auf Krankenhäuser. Dabei geht es nicht nur um den Diebstahl hochsensibler Daten. Nein, solche Angriffe können im Zeitalter der Digitalisierung sogar ganz konkret lebensbedrohlich sein. Nicht umsonst sind mittlerweile deutsche Kliniken mit mehr als 30 000 vollstationären Patienten pro Jahr per Gesetz dazu verpflichtet, ihre IT-System besonders zu schützen und auf den neusten Stand der Technik zu bringen. Auch das Wolfsburger Klinikum fällt unter diese sogenannten kritischen Infrastrukturen. Allein: Für die Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen fehlt das Geld. Mittel aus einer Bundesförderung ständen zwar bereit, werden aber von den niedersächsischen Landesverbänden der Krankenkassen nicht freigegeben.

Notwendiger Schutz, kein Luxus

„Es ist ein bedenkliches Signal, wenn die Kassen sagen: Die Sicherheit unserer Patienten ist uns nichts wert. Sie haben eine Verantwortung“, mahnt deshalb Wolfsburgs Klinikumsdezernentin Monika Müller. Die IT-Sicherheit sei längst kein „Sahnehäubchen“ mehr, sondern notwendiger Standard, um die gesundheitliche Versorgung zu schützen.

Cyberattackenlegen ganze Kliniken lahm

Ein Blick auf drei Beispiele macht dies deutlich: Erst am 12. Dezember wurde das Klinikum in Fürth von einem Trojaner angegriffen. Das Krankenhaus musste sich von der Notfallversorgung abmelden, nahm keine Patienten auf und musste sogar Operationen absagen. Schlimmer noch traf es im November 2018 die Klinik in Fürstenfeldbruck. Ein Mitarbeiter des Krankenhauses öffnete in einer E-Mail unabsichtlich einen Trojaner, sofort waren hunderte Computer lahmgelegt. Krankenwagen konnten die Klinik elf Tage wegen der Cyberattacke nicht anfahren. In Neuss infizierten Hacker die Computer im Krankenhaus bereits im Jahr 2016 mit einem Virus, verschlüsselten die Daten und erpressten die Klinik.

Die Cyber-Attacken auf Krankenhäuser nehmen zu. Quelle: dpa

Konkrete Gefahr für das Leben der Patienten

„Diese Angriffe finden statt – täglich“, weiß Rüdiger Gruetz, IT-Sicherheitsbeauftragter im Wolfsburger Klinikum. Bisher sei man in Wolfsburg schadlos davongekommen, aber es zeichnen sich die Tendenz ab, das professionelle Hacker zunehmend Krankenhäuser ins Visier nehmen. „Wir haben es da schlicht mit organisierter Kriminalität zu tun“, sagt er. Und die Attacken gehen weit über Datenklau hinaus. „Es gibt bestätigte Fälle, in denen einzelnes medizinisches Gerät manipuliert wurde“, berichtet Gruetz. Heißt: Sogar lebensnotwendige Apparaturen oder Geräte, die bei einer Operation zum Einsatz kommen, können sabotiert werden. Dabei geht es den professionellen Banden in fast allen Fällen um Geld. „Da wird dann versucht zu erpressen“, erzählt Gruetz.

Wolfsburg braucht vier Millionen Euro

Um sich gegen solche Cyberattaken bestmöglich zu schützen und die vom Bund festgelegten Auflagen zu erfüllen, benötigt das Wolfsburger Klinikum vier Millionen Euro. „Davon sind anderthalb Millionen sehr kurzfristig zu finanzieren“, erklärt Klinikumsdirektor Wilken Köster. Für den Bau eines neuen Rechenzentrums würden allein 800 000 Euro fällig. Klinikum und die Stadt seien nun gefordert und gewillt alle Vorgaben schnellstmöglich umsetzen, allerdings fehlten die zwingend erforderlichen Mittel.

Kassen investieren lieber in andere Maßnahmen

Gemäß der dualen Finanzierung der Krankenhäuser ist das Land Niedersachsen für Investitionen verantwortlich, die Krankenkassen für die Betriebsmittel, also Personal- und Sachkosten. Zusätzlich können die Krankenhäuser aktuell Mittel aus dem Strukturfonds für Strukturmaßnahmen, aber auch für Maßnahmen zur IT-Sicherheit beantragen. Dies hat Wolfsburg getan. Doch die Freigabe bedarf der Zustimmung der Krankenkassen. „Und diese stellen die IT-Sicherheit hinten an“, ärgert sich Köster. Stattdessen sollen die Gelder aus dem Strukturfonds für Maßnahmen wie das Zusammenlegen von Klinikstandorten oder Neubauvorhaben genutzt werden. „Da sind aber Vorhaben dabei, die erst in den nächsten fünf bis acht Jahren umgesetzt werden“, erklärt Köster. Während der Bedarf an IT-Sicherheit jetzt konkret ist.

Offener Brief an Krankenkassen

Mit dem Dilemma steht Wolfsburg nicht allein da. Zusammen mit den ebenfalls betroffenen Kliniken in Lüneburg, Rotenburg sowie den Elbe Kliniken in Stade und Buxtehude fordert man jetzt in einem offenen Brief ein Umdenken von den Kassen. „Geben Sie Ihre Blockadehaltung auf und stehen auch Sie zu Ihrer Verantwortung für die Sicherheit unserer Patienten und Ihrer Versicherten“, heißt es darin.

Von Steffen Schmidt

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