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Stadt Wolfsburg Repair-Café in Wolfsburg: Geht nicht? Gib mal her!
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Repair-Café in Wolfsburg: Geht nicht? Gib mal her!
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08:14 10.10.2019
Defekte Stichsäge: Stefan Peter (r.) aus Rötgesbüttel hofft auf die erfolgreiche Fehlersuche von Thomas Beutner. Quelle: Hilke Kottlick
Meinersen/Wolfsburg

Die Säge sägt nicht mehr. Stefan Peter wollte sie beim Hersteller einschicken – aber der hat Pleite gemacht. Jetzt sitzt der Mann aus Rötgesbüttel im Haus Uhlenkamp 4 in Meinersen und hofft auf Hilfe bei der Reparatur. Beim zweiten Treffen des neu eingerichteten Repair-Cafés ist er auf Thomas Beutner getroffen. Der Ingenieur aus Meinersen begutachtet die streikende Stichsäge, dreht und wendet sie. „Ich gebe noch nicht auf“, sagt er. Beutner ist einer der Profis aus den Elektrik-, KFZ-, und Elektronik-Bereichen, die im Repair-Café helfen, streikende Computer, marode Mechanik oder altes Spielzeug wieder auf Vordermann zu bringen – alles ehrenamtlich.

Elektrische Geräte sind der Renner

„Reparieren statt wegwerfen“ lautet das Motto der Repair-Cafés. Schon beim ersten Termin vor vier Wochen kamen Dutzende Interessierte nach Meinersen. Auch am zweiten Öffnungstag verbuchten die Initiatoren um Ulf Neumann und Heike Töpel großen Zuspruch. Am Ende des Tages zählten sie laut Neumann „24 Personen, die mit insgesamt 17 defekten Geräten“ kamen. Dabei war die Reparatur zwar nicht immer erfolgreich, wohl aber der Kontakt zwischen Hilfesuchenden aus dem Kreis Gifhorn und Hilfegebern aus den Reihen des Meinerser Vereins „Aktiv für Menschen“.

„Ich helfe gern anderen Leuten“

Schon jetzt ist ein klarer Trend bei den eingelieferten „Patienten“ erkennbar: Elektrische Geräte sind laut Neumann „der Renner“. Insgesamt 17 defekte Apparate wurden gebracht in der Hoffnung, dass einer der ehrenamtlichen Fachleute sie wieder in Gang bekommt. Wie etwa Detlef Jäger. Am Tisch neben Thomas Beutner und der Stichsäge versucht Jäger einen Staubsauger zusammenzusetzen. „Der war total demontiert“, schildert der Helfer und macht sich daran, der Maschine erneut das Staubsaugen nahezulegen. Derweil sieht sich Jürgen Carow aus Rietze alles gelassen an. Der Mechaniker möchte künftig auch seine Hilfe anbieten, erzählt er: „Weil ich wirklich gerne anderen Leute helfe“, versichert er und berichtet nebenbei, dass er seit 60 Jahren begeisterter Funkamateur ist. Auch sein Rufzeichen ist nicht geheim, er nennt es „DF 3OL“.

Atmosphäre im Haus Uhlenkamp begeistert Profis und „Kunden“

Lampen mit Wackelkontakt

Derweil wartet Brigitta Plagge aus Calberlah auf dem Flur darauf, dass auch ihre defekten Geräte untersucht werden. „Ich habe einen Wasserkocher und einen Toaster dabei“, sagt sie und beobachtet interessiert das bunte Treiben in lockerer Atmosphäre bei Kaffee und Keksen. „Ich finde das hier richtig super“, lobt sie die Idee des Repair-Cafés in Zeiten von „Wegwerfgesellschaft und Müllbergen“. Und auch Linda Neumann hofft auf Hilfe. Sie hat zwei „Stehlampen mit Wackelkontakt“ dabei. „Eigentlich stehen die bei mir nur rum, aber ich kann mich nur schwer davon trennen“, sagt sie, versichert aber auch: „Sollte eine Reparatur nicht möglich sein, dann schmeiße ich sie weg.“

Repair-Café bald auch in der KVHS Gifhorn

Wegen des großen Zuspruchs ist geplant, die Meinerser Einrichtung mit Hilfe der Kreisvolkshochschule (KVHS) auf eine noch breitere Basis zu stellen, sagt Mitbegründer Ulf Neumann. „Wir werden in Gifhorn ein zweites Repair-Café anbieten“, kündigt er an. Premiere ist am Dienstag, 29. Oktober, von 16 bis 18 Uhr in der KVHS . Und während sich die Türen des Repair-Café im Haus Uhlenkamp 4 in Meinersen an jedem ersten Montag im Monat ab 16 Uhr öffnen, bieten pensionierte Profis in der KVHS Gifhorn fortan an jedem letzten Dienstag im Monat ebenfalls ab 16 Uhr ihre fachkundige Hilfe an.

Beliebter Treff in Wolfsburg

In Wolfsburg gibt es bereits seit dem Jahr 2014 ein Repair-Café. „Die Idee ist damals im Schiller40 Coworkingspace entstanden“, sagt Stadt-Sprecher Jan-Niklas Schildwächter. Das Konzept sei dann von den Gründungsmitgliedern – Stadt Wolfsburg, Wolfsburg AG und Volkshochschule – weiterentwickelt und umgesetzt worden. Das Repair-Café fand schnell Zulauf. „Die Rückmeldungen zum Start waren sehr gut, und es war von Anfang an gut besucht“, sagt er rückblickend. „Aktuell besuchen pro Termin etwa 30 Besucher mit 40 Geräten unser Café.“

Dabei werden hauptsächlich die Bereiche Elektronik und Mechanik – EDV, Kleingeräte, Haushalts- und Gartengeräte – abgedeckt. „Grundsätzlich alles, was transportabel ist und vom Nutzer des Repair-Cafés getragen werden kann“, sagt Schildwächter. Die Wolfsburger freuten sich über diesen Ort des Austausches und der Begegnung sowie die Möglichkeit, „alte Schätze“ wieder zum Leben zu erwecken. Werbung für das Café musste die Stadt gar nicht machen, es sprach sich ganz von selbst schnell herum. Dabei ist laut Schildwächter die Altersstruktur der Besucher bunt gemischt, ebenso wie die Auswahl der Geräte. „Vom Schüler bis zum Senior und vom Smartphone bis zur Kuckucksuhr ist alles vertreten.“

Das Repair-Café in Wolfsburg biete eine Alternative zur Wegwerfgesellschaft an in Verbindung mit einem Klönschnack bei einer Tasse Kaffee. Auch geht es laut Schildwächter darum, die alten Techniken des Reparieren zu konservieren, Menschen zu befähigen, sich aktiv mit dem Fehler oder dem defekten Gerät auseinanderzusetzen und bei der Reparatur ihr Wissen zur erweitern. „Wir wollen die Menschen ermutigen, ein Gerät zu öffnen und erstmal nachzuschauen, statt es einfach nur zu entsorgen und zu ersetzen.“ So sei das Repair-Café auch zu einem Ort der Bastler geworden, die sich austauschen und gemeinsam Spaß am Reparieren haben. Schildwächter beschreibt es als eine „Gemeinschaft, die in ihrem Handeln etwas Sinnstiftendes sieht und Menschen helfen möchte“. Dabei stehe die Faszination an Technik und dem Reparieren klar im Vordergrund.

Das Repair-Café in Wolfsburg ist an jedem dritten Donnerstag im Monat von 17 bis 19.30 Uhr im DigitalCube am Hauptbahnhof Wolfsburg geöffnet.

Von Hilke Kottlick

Kaffeemaschine reparieren, Drucker auf Vordermann bringen und vieles mehr bietet das erste Repair-Café in Wolfsburg an. Könnten Sie sich vorstellen in einer solchen Einrichtung ehrenamtlich zu helfen? Was ist Ihre Meinung? Wer an unserer WAZ-Umfrage teilnimmt, kann einen 100-Euro-Gutschein der Konzertkasse gewinnen.

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