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Stadt Wolfsburg Ermorderter US-Pilot: Deshalb steht in Reislingen eine Gedenkstele
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Ermorderter US-Pilot: Deshalb steht in Reislingen eine Gedenkstele
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17:30 03.12.2019
In Erinnerung an den US-Piloten Sidney A. Benson: Anita Placenti-Grau, Leiterin des Instituts für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS), zeigt auf die Gedenkstele am Reislinger Markt. Quelle: Roland Hermstein
Wolfsburg

Im Alter von 22 Jahren überlebte er einen Abschuss der deutschen Luftabwehr, rettete sich mit einem Fallschirm aus seinem brennenden Flieger und musste dennoch sein Leben lassen. Der Pilot Sidney A. Benson wurde am 29. Juni 1944 Opfer einer grausamen Form der Selbstjustiz. So steht es auf der Benson-Stele am Reislinger Markt. Sie wurde am Dienstag vom Kulturdezernenten Dennis Weilmann gemeinsam mit Anita Placenti-Grau, Leiterin des Instituts für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS), eingeweiht. Auch die Mitglieder des Ortsrates und Ortsbürgermeister Detlef Conradt gedachtem dem amerikanischen Piloten.

Stele soll in Wolfsburg an die Ereignisse vom Juni 1944 erinnern

„Die Gedenkstele soll auch als außerschulischer Lernort genutzt werden“, sagt Placenti-Grau bei der Einweihung. Sie stelle einen „Stein der Erinnerungspolitik“ dar. „Schüler der Eichendorffschule haben sich bereits mit der Schuldfrage zu dem schrecklichen Ereignis auseinandergesetzt“, so Placenti-Grau weiter. Auch der Kulturdezernent hofft, dass die Stele dazu beiträgt, die dunkle Geschichte nicht zu vergessen. „Gerade der Fall des ermordeten Piloten zeigt, dass es noch viel aufzuarbeiten gibt“, so Weilmann.

Gedenkstele wurde in der Politik kontrovers diskutiert

Die Idee eines Denkmals für den US-Piloten wurde erstmals 2017 im Ortsrat aufgegriffen. Im Kulturausschuss wurde der Gedenkort lebhaft diskutiert. Zuvor sorgte die Erinnerung an den Piloten im Ortsrat für eine kontroverse Diskussion: Die CDU hatte sich einem Antrag der Linke nicht angeschlossen, eine Tafel aufstellen zu lassen. Die Begründung: am zentralen Mahnmal in Klieversberg werde allen Opfern der Kriege gedacht.

„Eine gemeinsame Meinung im Ortsrat zu finden war schwierig“, sagt der Ortsbürgermeister bei der Einweihung. In den Diskussionen ging es auch darum, wie das Denkmal gestaltet sein sollte. „Der Vorschlag eines Denkmals stieß bei mir nicht auf Gegenliebe“, sagt Conradt. Es sollte kein großes Denkmal werden, eher eine kleine Erinnerung. Als Beispiel nannte er die Stelen im Handwerkerviertel.

Ortsbürgermeister: Wir mussten uns Beschimpfungen anhören

Und auch außerhalb der Sitzungen beschäftigte das Thema den Ortsbürgermeister und die Fraktionen. „Es gab Beschimpfungen. In einem Brief an mich und die Fraktionen wurde die Frage aufgeworfen, weshalb wir für einen Mörder ein Denkmal setzen wollen“, sagt der Ortsbürgermeister. Auf das Schreiben habe er jedoch nicht reagiert.

Das geschah laut Quellenlage im Juni 1944

Auf der Stele sind die Ereignisse im Juni 1944 geschildert: Dem Co-Piloten wurde, nachdem er den Absturz seiner Maschine bei Reislingen überlebt hatte, bei einem angeblichen Fluchtversuch in den Rücken geschossen. Er schleppte sich vor das Stadtkrankenhaus, dort sei er von Luftschutzwarten in Empfang genommen worden. Ein Mob von etwa 50 bis 60 Personen habe ihn getreten und mit einer Eisenstange auf ihn eingeschlagen. Dem schwer verletzten Piloten habe ein Krankenpfleger später absichtlich eine zu hohe Dosis Morphium verabreicht.

Die Gedenkstele schildert die Ereignisse vom Lynchmord an dem 22-jährigen US- Bomberpiloten Sidney A. Benson. Quelle: Roland Hermstein

Auf der Stele ist auch ein QR-Code angebracht. Mit einem Smartphone sind darüber weitere Informationen zu den Ereignissen abrufbar. Nutzer gelangen über den Code auf die Homepage der IZS.

Ortsrat möchte weitere Erinnerungsorte

Die Kosten für das Denkmal belaufen sich auf rund 4500 Euro. Der Ortsrat leistete einen Beitrag von 1000 Euro. „Wir sind auf der Suche nach weiteren Erinnerungsorten“, sagt der Ortsbürgermeister.

Von Nina Schacht

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