Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Stadt Wolfsburg „Psychische Probleme können für Kinder und Jugendliche ernste Folgen haben“
Wolfsburg Stadt Wolfsburg

„Psychische Probleme können für Kinder und Jugendliche ernste Folgen haben“

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 06.08.2021
Die Pandemie verschärft die Lage: Immer mehr Kinder und Jugendliche in Niedersachsen sind in psychotherapeutischer Behandlung.
Die Pandemie verschärft die Lage: Immer mehr Kinder und Jugendliche in Niedersachsen sind in psychotherapeutischer Behandlung. Quelle: Jens Kalaene (Symbolfoto)
Anzeige
Wolfsburg

Laut des aktuellen Arztreports der Krankenkasse Barmer benötigten im Jahr 2019 rund 72 900 Kinder und Jugendliche psychotherapeutische Hilfe, das sind 90 Prozent mehr als im Jahr 2009. „Die Corona-Pandemie samt strikter Kontaktbeschränkungen dürfte dabei die Situation noch ein Stück weit verschärfen“, sagt Heike Sander, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Niedersachsen und Bremen.

Auf Alarmsignale achten

Psychische Probleme können für Kinder und Jugendliche ernste Folgen haben. Deshalb sei es wichtig, auf ihre Alarmsignale zu achten. Zeitnahe Hilfe und Prävention könnten viel dazu beitragen, dass psychische Probleme erst gar nicht entstehen oder zu einer psychischen Erkrankung führen.

Wie aus dem Arztreport weiter hervorgeht, gibt es deutliche regionale Unterschiede bei der Inanspruchnahme psychotherapeutischer Leistungen. Am größten war im Jahr 2019 demnach der Bedarf in Berlin mit 5,19 Prozent aller Kinder und Jugendlichen, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Hessen. Niedersachsen lag bei 3,7 Prozent, Bremen bei 4,4 Prozent. Den geringsten Anteil verzeichnete Mecklenburg-Vorpommern mit 3,33 Prozent aller jungen Menschen.

Eng zusammenarbeiten

Eltern, Bezugspersonen, Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte sowie ärztliche und psychologische Psychotherapeuten müssen im Sinne der betroffenen Kinder und Jugendlichen möglichst eng zusammenarbeiten, so Barmer-Chefin Sander. Eine enge Kooperation sei während der Corona-Pandemie wichtiger denn je. Gerade jetzt seien die Kinder und Jugendlichen stark psychisch belastet.

„Die Corona-Pandemie hinterlässt besonders bei den jungen Menschen Spuren, die ohnehin schon psychisch angeschlagen sind. Hier ist eine schnelle und unkomplizierte Hilfe besonders wichtig“, sagt Sander. Die Barmer biete dies zum Beispiel über ihr Kinder- und Jugend-Programm (KJP), bei dem derzeit bundesweit fast 580 000 Kinder und Jugendliche eingeschrieben seien.

Extra-Vorsorgeuntersuchungen

Das KJP beinhalte mehrere Extra-Vorsorgeuntersuchungen, die weit über den Leistungen der Regelversorgung lägen. Die teilnehmenden Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte achteten gezielt auf psychische Auffälligkeiten der jungen Menschen. Weiterhin unterstütze die Barmer das Online-Angebot krisenchat.de für Menschen bis 25 Jahren. Bei psychischen Problemen, etwa durch Cybermobbing, können sie sich unkompliziert und anonym an geschulte Psychologinnen und Psychologen wenden.

Eine Therapie sei aber nicht immer vermeidbar. Oft seien Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen ausschlaggebend. Dafür gebe es viele Ursachen, angefangen von Trauererlebnissen bis hin zum Mobbing. Zweithäufigste Ursache für eine erstmalige Therapie waren im Jahr 2019 Depressionen, gefolgt von emotionalen Störungen im Kindesalter.

Von Sylvia Telge