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Stadt Wolfsburg Psychisch-kranker 23-Jähriger gesteht Mordversuch an Vermieter
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Psychisch-kranker 23-Jähriger gesteht Mordversuch an Vermieter
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15:30 28.06.2019
Prozessauftakt: Der 23-jährige Syrer gestand den versuchten Mord. Die Staatsanwaltschaft will die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik erreichen. Quelle: Steffen Schmidt
Braunschweig/Kreuzheide

Bedrückende Einblicke in die kranke Psyche eines 23-Jährigen lieferte der Prozessauftakt im Falle eines versuchten Mordes in Kreuzheide. Der junge Syrer zeigte sich geständig. Er hatte seinem Vermieter, einem 50-jährigen Wolfsburger, im Dezember bei der Besichtigung einer defekten Toilettenspülung im Beisein von Zeugen völlig unvermittelt ein etwa sieben Zentimeter langes Messer mit großer Wucht von hinten in den Hals gestochen.

Der 50-jährige Musiklehrer erlitt eine Knochenmarksverletzung, mit deren Folgen er heute noch zu kämpfen hat. Dem Asylbewerber wurde mittlerweile eine schwere chronische schizophrene Psychose attestiert. Die Staatsanwaltschaft strebt die dauerhafte Unterbringung des Beschuldigten in einer Psychiatrie an.

„Er war der Teufel“

Die Aussagen der Zeugen und des Täters selbst zeichneten das Bild eines schwer gestörten jungen Mannes. Er habe sich schon seit längerer Zeit von seinem Vermieter verfolgt gefühlt, sagte der Angeklagte. Diese Wahnvorstellungen reichten soweit, dass er sein eigenes Leben durch sein späteres Opfer bedroht sah. „Er war der Teufel“, sagte er. Am Tattag sei der „Druck in seinem Kopf“, den er schon seit langer Zeit verspürte, zu groß geworden. Den Anschlag auf das Leben seines Vermieters habe er an diesem Tag geplant und dann auch ausgeführt.

„Ein netter junger Mann“

Für das Opfer kam die Tat völlig unvermittelt. „Er war ein netter junger Mann, hilfsbereit. Es gab nie Probleme“, sagte der 50-jährige Wolfsburger. Der Syrer sei erst im September 2018 eingezogen. „Aber er war schon vorher fast jeden Tag da und hat seinen Cousin besucht“, so der Vermieter. Unmittelbar vor der Tat hatte der Syrer ihm jedoch berichtet, ausziehen zu wollen. Auf die Frage nach den Beweggründen habe er geantwortet: „Der Teufel lebt in diesem Haus.“

Plötzlich sticht er zu

„Ich habe das allerdings nicht als ernste Antwort genommen“, so der Musiklehrer. Auf Bitten eines weiteren Mieters sei er dann in dessen Wohnung gekommen, um die defekte Klospülung zu untersuchen und habe plötzlich „einen harten Schlag gegen den Hals“ gespürt. Der Cousin des Täters hatte diesen zudem zurückhalten müssen, damit er nicht weiter auf sein Opfer einsteche.

Angeklagter war etliche Male in der Psychiatrie

Der Cousin bestätigte den Tathergang und lieferte weitere Einblicke in die Erkrankung des Täters. „An manchen Tagen hat er nicht mal mich erkannt. Ich glaube, es hätte jeden treffen können“, ist er überzeugt. Schon seit geraumer Zeit habe sein Verwandter psychische Probleme. Er habe öfter davon gesprochen, „Krebs im Kopf“ zu haben. Daraufhin sei er mehrmals mit ihm zum Arzt gegangen. „Aber denen hat er nicht geglaubt“, so der Zeuge. Zudem sei der Angeklagte etliche Male zur Behandlung in der Psychiatrie gewesen, habe zu viel Alkohol und Drogen genommen und oft davon gesprochen „Teufel zu sehen“. Auch von einem Trauma durch einen Bombenangriff im syrischen Idlib, dem Heimatort des Angeklagten, konnte er berichten.

Gutachter sicher: Schwere schizophrene Psychose

Der psychiatrische Gutachter war sich anhand der Aussagen und seiner Gespräche mit dem Angeklagten sicher: „Er leidet unter einer schweren schizophrenen Psychose.“ Dabei ließ er durchaus unterschwellig Kritik an seinen Kollegen anklingen. Denn obwohl der Angeklagte etliche Male, auch auf eigenes Bestreben, in der Klinik in Königslutter und in ambulanter Betreuung gewesen war, sei die Psychose unbehandelt geblieben. Es habe lediglich Medikamente gegen die Angst des Angeklagten gegeben. Das und der hohe Alkohol- und Marihuana-Konsum könnten die Krankheit noch verstärkt haben. Besonders pikant: Nicht mal eine Woche vor der Schreckenstat war der Angeklagte aus Königslutter entlassen worden.

Prozess wird fortgesetzt

Dort sitzt er seit kurz nach der Tat erneut – und wird dies wohl noch einige Zeit tun. „Ich sehe nichts, was für eine günstige Prognose spricht“, machte der Gutachter deutlich. Fortgesetzt wird die Verhandlung, die bisher nicht wirklich Fragen offen ließ, am 18. Juli.

Von Steffen Schmidt

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