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Stadt Wolfsburg Prozess gegen Vorsfelder: Sieben Jahre Haft gefordert
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Prozess gegen Vorsfelder: Sieben Jahre Haft gefordert
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20:00 27.11.2018
Landgericht: Ein 63-jähriger Vorsfelder ist angeklagt.
Landgericht: Ein 63-jähriger Vorsfelder ist angeklagt. Quelle: Andrea Müller-Kudelka
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Braunschweig/Vorsfelde

Sieben Jahre Haft – drei im Gefängnis und vier in einer psychiatrischen Einrichtung – fordern Staatsanwaltschaft und Nebenklage im Prozess gegen einen 63-Jährigen Vorsfelder. Er hatte seine Ehefrau mit Fäusten und Füßen lebensgefährlich verletzt (WAZ berichtete). Sein Rechtsanwalt fand die Härte überzogen, plädierte für vier Jahre in einer Entziehungsanstalt.

Verteidigung sieht zwei Opfer

„In diesem Verfahren gibt es zwei Opfer“, argumentierte Verteidiger Michael Tornow. Er betonte, er wolle die Leiden der Ehefrau nicht verniedlichen, doch handele es sich bei dem massiven Gewaltausbruch um einen einmaligen Vorfall, mit dem der Angeklagte auch sein eigenes Leben zerlegt habe. „Das Schicksal hätte aufgehalten werden können“, so Tornow – als sein Mandant 2016 erstmals die Wohnung demoliert und selbst die Polizei um Einweisung in die Psychiatrie gebeten habe. Nicht erwiesen sei, dass er seine Frau tatsächlich töten wollte. „Er konnte sich nicht kontrollieren.“

Trunkenheit kein Grund für Milde

Anders sieht das der Anwalt des Opfers. „Wer so auf Kopf und Gesicht eintritt, der meint, damit jemanden getötet zu haben“, sagte Klaus Peineke und zitierte Polizisten, die auch dachten, am Tatort läge eine Leiche. Die Frau leide jetzt körperlich und seelisch und habe es nicht ertragen können, nochmals zur Verhandlung zu erscheinen. „Strafe muss sein!“, sagte der Anwalt in ihrem Namen. Das sieht Staatsanwältin Silke Schaper ähnlich. Dass es bei einem versuchten Totschlag geblieben sei, sei nur der Tatsache zuzuschreiben, dass die Polizei schnell vor Ort war. Und dass der Angeklagte betrunken war, sei kein Grund zur Milde: „Er hat den Zustand bewusst herbeigeführt und wusste, das ihm Alkohol nicht gut tut.“

Worte des Angeklagten

Der Angeklagte hatte sich Notizen gemacht, war dann aber emotional nicht in der Lage, seine abschließenden Worte selbst vorzutragen. Tornow las: „Ich kann es nie wieder gut machen.“ Und: „Ich verachte mich selbst.“

Vor den Plädoyers hatte am Dienstagvormittag zudem ein Psychiater seine Einschätzung über den Angeklagten abgegeben. Das Urteil soll am Donnerstag, 29. November, um 11 Uhr verkündet werden.

Von Andrea Müller-Kudelka