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Stadt Wolfsburg Sexuelle Übergriffe auf Jungen: Polizei verhaftet 28-Jährigen
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Sexuelle Übergriffe auf Jungen: Polizei verhaftet 28-Jährigen
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21:51 01.03.2019
Die Polizei nahm den 28-Jährigen jetzt fest. Quelle: Symbolbild
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Wolfsburg

Die Opfer hatte sich der Auszubildende (28) teils im Internet, teils im realen Leben gesucht. Dann lockte er die 12 bis 13 Jahre alten Jungen in seine Wohnung in der Wolfsburger Innenstadt. Dort ist es nach Polizeiangaben dann mehrfach zu sexuellen Übergriffen gekommen. Der Täter ist inzwischen festgenommen worden, die Staatsanwaltschaft spricht derzeit von sechs Opfern.

Konakt über WhatsApp und Playstation-Netzwerk

In Chats in dem Computerspiel „Fortnite“ oder auf der Videoplattform Youtube hatte der Mann nach derzeitigem Ermittlungsstand zunächst das Vertrauen der Kinder und Jugendlichen gewonnen, einige der Opfer soll er aber auch direkt angesprochen und in Gespräche über Computerspiele verwickelt haben. Anschließend verabredete sich der 28-Jährige über den Nachrichtendienst WhatsApp oder das Playstation-Netzwerk mit ihnen.

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Dem Haftrichter vorgeführt

Die Taten sollen sich im Zeitraum zwischen November 2017 und Februar diesen Jahres ereignet haben. Verhaftet wurde der 28-Jährige bereits am 24. Januar an seinem Ausbildungsplatz in Gifhorn. Zuvor hatten Eltern eines der Opfer Anzeige erstattet. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Braunschweig wurde er einen Tag später dem Haftrichter vorgeführt. Dieser erließ Untersuchungshaftbefehl.

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung stellten die Ermittler elektronische Speichermedien und ein Mobiltelefon sicher. Staatsanwältin Julia Meyer bezeichnete die Beweislage als „gut“. Der 28-Jährige, der erst kurz in Wolfsburg lebt, wurde in einem anderen Bundesland bereits einschlägig vorverurteilt. Jetzt könnte er wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Verbreitung pornografischer Schriften angeklagt werden.

Polizei sucht weitere Betroffene

Die Polizei sucht nun nach möglichen weiteren Betroffenen, die von dem 28-Jährigen belästigt worden sein könnten. Dabei sichern die Beamten Diskretion zu. Betroffene, deren Angehörige oder Zeugen melden sich bitte bei den Beamten des 1. Fachkommissariats, Telefon 05361/4646-0.

Polizei warnt vor Gefahren im Internet

In diesem Zusammenhang empfiehlt die Polizei: Gehen sie als Eltern nicht zu Leichtgläubig mit den Aktivitäten ihrer Kinder im Internet um. Lassen sie sich zeigen, in welchen Chats ihre Sprösslinge unterwegs sind. Sprechen sie mit ihren Kindern über mögliche Gefahren. Nehmen sie Verhaltensänderungen ihrer Kinder ernst. Im Zweifelsfall suchen sie eine Beratungsstelle auf oder informieren sie die Polizei.

„Viele Eltern gehen mit Kindern zu sorglos um“

Sechs Jungen sind offenbar von einem 28-Jährigen sexuell missbraucht worden (Artikel oben). Die Polizei empfiehlt Eltern in diesem Zusammenhang, nicht zu Leichtgläubig mit den Aktivitäten ihrer Kinder im Internet umzugehen.

„Lassen sie sich zeigen, in welchen Chats ihre Sprösslinge unterwegs sind. Sprechen sie mit ihren Kindern über mögliche Gefahren. Nehmen sie Verhaltensänderungen ihrer Kinder ernst. Im Zweifelsfall suchen sie eine Beratungsstelle auf oder informieren sie die Polizei“, sagt Polizeisprecher Thomas Figge.

Informationsmaterial zum Thema gibt es laut Jürgen Ebbecke, Vorsitzender vom Kinder- und Jugendschutz Wolfsburg, bei der Landesstelle Jugendschutz. Der aktuelle Fall macht Ebbecke fassungslos. Das „Grundübel“ ist auch seiner Meinung nach, „dass viele Eltern mit ihren Kindern zu sorglos umgehen“. Oft wüssten die Erziehungsberechtigten eben nicht, mit was sich deren Nachwuchs an Handy oder Computer beschäftigt.

„Das A und O in der Erziehung ist ein Vertrauensverhältnis, bei dem Kinder – sobald etwas Unvorhergesehenes oder Ungewöhnliches passiert – sich an ihre Eltern wenden und mit ihnen sprechen“, so Ebbecke. Im Idealfall würde ein Kind dann eben Bescheid geben, dass es „einen Freund kenn gelernt hat und sich mit ihm treffen will“. Kinder müssten zudem so stark gemacht werden, dass sie bestimmte Dinge selbst hinterfragen, aber auch den Mut und das Vertrauen haben, sich an die Eltern wenden, wenn sie sich mal bei einer Sache ertappt fühlen.

Ein weiteres Problem sei, dass heutzutage oftmals beide Elternteile arbeiteten, zu Hause wenig Zeit sei und die Verantwortung an Kita oder Schule abgegeben werde. Erziehung müsse jedoch immer auch Elternsache bleiben.

Von Michael Lieb