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Stadt Wolfsburg Gutachterin im Podehl-Prozess: Keine Hinweise für eine „lügende Zeugin“
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Gutachterin im Podehl-Prozess: Keine Hinweise für eine „lügende Zeugin“
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20:06 10.09.2019
Landgericht Braunschweig: Der frühere Wolfsburger Polizeichef Hans-Ulrich Podehl muss sich wegen des Tatvorwurfs der Bestechlichkeit verantworten. Quelle: Florian Heintz
Braunschweig

Im Prozess gegen den früheren Wolfsburger Polizeichef Hans-Ulrich Podehl sieht eine Sachverständige keine Anhaltspunkte für eine Falschaussage der Belastungszeugin. „Sie verhält sich nicht wie eine lügende Zeugin“, sagte die Psychologin Claudia Kersken am Dienstag vor dem Landgericht Braunschweig.

Lesen Sie auch: Ex-Polizeichef entschuldigt sich bei früherer Kripo-Leiterin

Die 56 Jahre alte ehemalige Polizeibedienstete hatte angegeben, dass Podehl ihr im Oktober 2012 eine neue Stelle bei der Polizei Wolfsburg im Gegenzug für sexuelle Handlungen in Aussicht gestellt hatte. Der leitende Beamte soll die damalige Mitarbeiterin des Landeskriminalamtes (LKA) gefragt haben, ob sie sich „nach oben schlafen“ würde. Der 63-Jährige bestreitet diesen Vorwurf.

Die Aussage der Zeugin war der Gutachterin zufolge „stimmig und nachvollziehbar“. In ihrem Verhalten sei „keine bewusste Schädigungsabsicht“ gegenüber Podehl erkennbar. Die 56-Jährige habe den früheren Polizeichef nicht einseitig negativ dargestellt und sei von Beginn an stringent bei ihrer Darstellung des Vorfalls geblieben. Wenn es der Zeugin darum ginge, dem Angeklagten zu schaden, „hätte sie ganz andere Dinge konstruieren können“.

Verteidiger äußert Zweifel an Glaubwürdigkeit der Zeugin

Podehls Verteidiger Thorsten Grunow kritisierte das Vorgehen der Gutachterin und äußerte Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Belastungszeugin. „Ist sie eine Art Trittbrettfahrerin?“, fragte der Rechtsanwalt. Er verwies darauf, dass die Frau den angeblichen Vorfall erst vier Jahre später gemeldet hatte, nachdem Medien im Sommer 2016 über ein anderes Ermittlungsverfahren gegen Podehl wegen Stalking-Vorwürfen berichteten.

Die Hypothese einer Falschaussage lasse sich in diesem Fall nicht überprüfen, sagte die Gutachterin. Der fragliche Vorfall sei nicht komplex genug, um „die Erlebnishaftigkeit der Aussage“ mit psychologischen Mitteln zu bewerten. Stattdessen sei es ihr Auftrag gewesen, nach „zuverlässigkeitsrelevanten Aspekten“ in der Aussage der Zeugin zu suchen. Die Gutachterin bezeichnete die Schilderung der Frau als „aus psychologischer Sicht nachvollziehbar“.

Kritik am Vorgehen der Gutachterin

Ein Sachverständiger im Auftrag der Verteidigung kritisierte die methodische Vorgehensweise der Gutachterin. Problematisch sei es, von der Einschätzung der Persönlichkeit der Zeugin auf die Glaubhaftigkeit der Aussage zu schließen, „obwohl keine Methodik dafür zur Verfügung steht“.

Die Beweisaufnahme in dem Prozess ist damit weitgehend abgeschlossen. Der Staatsanwalt erklärte, dass aus Sicht der Anklage im Falle einer Verurteilung des früheren Polizeichefs auch ein minder schwerer Fall der Bestechlichkeit in Betracht kommt. Die drohende Strafe für Podehl fiele damit geringer aus – von einer Geldstrafe bis hin zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren.

Gericht will Urteil am 18. September verkünden

Richterin Daniela Kirchhof brachte die Schwierigkeit der Beweisführung in dem Verfahren mit folgenden Worten zum Ausdruck: „Es ist eine Vier-Augen-Situation und man kann nur versuchen, sich durch Beleuchtung der Randbereiche dem Geschehen zu nähern.“ Der Prozess wird am 18. September mit den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung fortgesetzt. Am selben Tag will das Gericht sein Urteil verkünden.

Weitere Informationen zur Polizeiaffäre um Hans-Ulrich Podehl

05.09.2019 – Ex-Polizeichef entschuldigt sich bei früherer Kripo-Leiterin

04.09.2019 – Zeuge sät Zweifel an Darstellung des mutmaßlichen Opfers

02.09.2019 – Wolfsburgs Ex-Polizeichef Podehl weist Vorwurf der Bestechlichkeit zurück

29.08.2019 – Prozess gegen Wolfsburgs Ex-Polizeichef Hans-Ulrich Podehl startet

29.04.2019 – Prozess gegen Ex-Polizeichef Podehl startet im September

06.06.2018 – Fall Podehl: Ehemaliger Polizeichef muss vor Gericht

17.03.2018 – Podehl: Akte ging zurück an die Staatsanwaltschaft

22.09.2017 – Gösmann als Polizeichef offiziell eingeführt

21.09.2017 – Anklage gegen Podehl wegen Verdacht der Bestechlichkeit

20.09.2016 – „Vorteilsannahme“: Nächste Anzeige gegen Podehl

15.08.2016 – Podehl soll Kripo-Chefin „mit Nachrichten bombardiert“ haben

05.08.2016 – Polizeichef Podehl: „Mögliches Fehlverhalten“ gegenüber Krysta

31.07.2016 – Podehl: Ermittlungen gegen Polizeipräsident Pientka

28.07.2016 – Ermittlungen gegen Podehl: Polizeichef versetzt

Von Florian Heintz

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