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Stadt Wolfsburg Plage? Gänsepopulation scheint außer Kontrolle
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Plage? Gänsepopulation scheint außer Kontrolle
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00:21 14.06.2019
Ungerührt: Die Graugänse lassen sich von Vertreibungsversuchen nur wenig beeindrucken – wie hier am Neuen Teich. Quelle: Hermann Pape
Wolfsburg

Munter tummeln sie sich auf dem Spielplatz und lassen sich vom Fotografen kaum stören: Gleich mehrere Dutzend Graugänse sind auf Fotos zu sehen, die WAZ-Leser Hermann Pape beim Spazierengehen um den Neuen Teich gemacht hat. „Im Moment ist es eine Katastrophe“, meint der Nordstädter. „So viele auf einem Haufen habe ich noch nie gesehen!“ Tatsächlich werden die Graugänse immer mehr – und für einige auch immer mehr zum Problem.

Die Jägerschaft gibt dem Rentner Recht: Robert Glanz zählt die Gänse in Wolfsburg seit über 20 Jahren und weiß: „Die Population ist jedes Jahr gestiegen.“ Zusammen mit den Jungtieren befänden sich derzeit 620 Gänse am Schillerteich, 589 am Neuen Teich, 221 am Allersee und 100 am Detmeroder Teich.

Hilft es, das Gras höher wachsen zu lassen?

Dabei haben nur die am Schillerteich und in Detmerode in diesem Jahr Junge bekommen. Am Allersee sei das Brüten schwierig, weil es keine Insel gebe, meint der Jäger. Und am Neuen Teich sei eventuell ein Fuchs oder Marder am Werke.

Am Allersee, am Neuen Teich, Schillerteich und Detmeroder Teich: Die Schwärme an Wildgänsen sind nicht zu übersehen. Mitunter verirren sich die Vögel bis in die Innenstadt.

Ihm widerspricht Ortsratsmitglied Andrea Herweg aus der Nordstadt: Die Entenküken am Ufer hätten schließlich überlebt. Ihrer Meinung nach ist es das ungemähte Gras, das die Gänse von der Aufzucht abgehalten hätte: „Da haben die Gänse keinen Überblick und sehen Feinde nicht kommen, das ist ihnen zu gefährlich.“

Die Graugänse bleiben das ganze Jahr

Fakt ist in jedem Fall: Die Graugänse sind als heimische Art das ganze Jahr über in der Nähe. Um sie an die wärmere Atlantikküste zu vertreiben, müssen die norddeutschen Winter schon arg streng ausfallen.

Dass sich aber ausgerechnet jetzt so viele Gänse an den Teichen versammeln liegt an ihrem Biorhythmus. Im Mai und Juni ziehen die Gänse nicht nur ihre Jungen groß, sondern wechseln auch ihr Gefieder. Während dieser sogenannten Mauser können also auch die ausgewachsenen Tiere nicht fliegen. Ein nahes Gewässer gibt ihnen Sicherheit: Bei Gefahr schwimmen sie einfach davon.

Stadt versuchte, die Tiere mit einer Drohne zu vertreiben

In den vergangenen Jahren hat die Stadt Wolfsburg nichts unversucht gelassen, um die Gänsepopulation einzudämmen und so Kot und Unfallgefahr zu minimieren. Am Neuen Teich habe ein Gänseschutzzaun zur Schulenburgallee die Situation ein wenig verbessert, ein Fütterungsverbot, das Lang-wachsen-lassen des Grases am Ufer und sogar eine Drohne als Vogelscheuche seien aber ohne Erfolg geblieben, erklärt Stadtsprecher Ralf Schmidt.

Aus Gänsesicht seien die städtischen Teiche eben ein sehr attraktiver Lebensraum, erläutert Michael Kühn, Wolfsburgs Naturschutzbeauftragter: Es gibt weniger Raubtiere, das oftmals gemähte Gras ist voller Nährstoffe und Jäger dürfen den Wildgänsen in den Wohngebieten kaum je aufs Gefieder rücken. Gemeinsam mit der Stadt sucht er weiter regelmäßig nach Möglichkeiten, den Gänsen die Wiesen weniger schmackhaft zu machen. Wer dazu Ideen hat, dürfe ihm gerne über die Homepage des NABU Wolfsburg schreiben, lädt Kühn ein.

„Sobald sie fliegen können, regt sich keiner mehr auf“

Andrea Herweg aus dem Ortsrat Nordstadt plädiert unterdessen für mehr Gelassenheit. „Es ist nicht so schlimm, wie es aussieht“, meint sie. Spätestens Ende des Monats sei die Mauser vorbei und die Gänse flögen wieder fort. „Sobald sie fliegen können, regt sich keiner mehr auf.“

Erfolglos: Diese Maßnahmen scheiterten bereits

2001: Der Hegering stellt einen großen Zuwachs in der Gänsepopulation fest.

2010: Am Neuen Teich werden Gänse geschossen – Anwohner sind empört.

2012: Der Ortsrat der Nordstadt befasst sich mit Beschwerden über zugekotete Wege und aggressive Gänse.

2013: Strandbesucher am Allersee ärgern sich über verdreckte Wege.

2013: Die Zahl der Graugänse am Neuen Teich wächst.

2014: Stadt überlegt, Zäune und Hecken anlegen, um die Gänse von Straßen und Spielplätzen fernzuhalten.

2015: Wolfsburgs Sportfischer halten den Gänsezaun für unzureichend.

März 2017: Die Stadt plant, die Graugänse mit einer Drohne zu verscheuchen, nachdem höher gewachsenes Gras die Tiere nicht vertrieben hatte. Auch eine Schwimmkette am Allersee wird ins Auge gefasst, um die Verschmutzung des Strands zu reduzieren.

November 2017: Auch der Ortsrat der Nordstadt diskutiert eine mögliche Schwimmkette – und einen Drohneneinsatz.

April 2018: Am Allersee wird ein Zaun gebaut und eine Schwimmkette gelegt. Auch die geplante Drohne kommt 2018 zum Einsatz, wenn auch ohne viel Erfolg.

Juli 2018: Die Stadt baut eine Schwimmkette und einen Zaun am Allersee wieder ab. Ein Zaun am Neuen Teich hingegen scheint zu helfen.

Von Frederike Müller

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